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Von Blut, Schweiß, Ackermännern und Nervositäten

Im Augenblick ist Griechenland in aller Herrenwelts Munde – sonderlich viel weiß man nicht, hält sich das Pressekartell samt Springer bisher weitestgehend mit ausführlichen Berichten über den Ernst der Lage zurück. Man weiß jedoch, daß es bei diesem sogenannten Euro-Rettungspaket von bis zu 750.000.000.000 Euro um eine enorme Summe von – angeblich – flüssigem Geld handelt und man fragt sich als kleiner deutscher Bundesbürger zurecht, woher all‘ der Schotter kommt. Wie auch immer – dies ist noch nicht das Ende vom Lied. Es ist nämlich überhaupt nicht sicher, ob dieses Finanzpaket seine Wirkung so entfaltet, wie es sich die europäische Wirtschaftselite samt Politklüngel gedacht hat. Von der kommenden Unfähigkeit Griechenlands, die aufkommenden Schulden überhaupt zurückzuzahlen, geht die Mehrheit der Wirtschaftsleute bereits aus. Weiterhin unklar bleibt die Situation der „Wackelstaaten“, wie Italien oder Portugal – auch hier halten sich die Presseorgane der BRD mehr als bedeckt.

Wie verhält sich die Politik? Erst kürzlich hielt Merkel eine bemerkenswert platte Rede, die von Durchhalteparolen und Blut, Schweiß und Tränen geradezu durchsetzt war, in der sie daherschwadronierte, wie wichtig es nun sei, die Krise zu überstehen, auf daß Europa stärker werde als zuvor. Ohnehin schon charismatisch wie ein trockenes Brötchen, macht Merkel hier zusätzlich ein en erlauchten und unsicheren Eindruck, die Rede wirkt abgespult. Nahezu melancholisch erscheint sie, das Ende der „Idee unserer europäischen Einigung“ befürchtend, doch bereits ankündingend, daß die EU nach der Krise „enger zusammenarbeiten“ werde. Je mehr sich eine Rede oder ein sonstiges Medium politischer Inhalte leerer Phrasen bedient, desto sicherer ist die Vermutung, daß es hinter den Kulissen keineswegs so gut läuft, wie am Rednerpult behauptet. Hierbei sei noch angemerkt, daß Merkel selbst sich nur missmutig dazu durchringen konnte, das Rettungspaket mitzubeschließen. Druck kam insbesondere aus Frankreich: Präsident Sarkozy soll während der Euro-Ministerrunde auf den Tisch gehauen und den Austritt Frankreichs aus der Währungsunion angedroht haben, sollte das Programm nicht durchgezogen werden. Ob das nun stimmt oder nicht – es läuft aufs Gleiche hinaus. Die Politik weiß offenbar, daß sie geradewegs in ihr Verderben rennt.

Wirklich interessant wird es aber, wenn man sich einmal die Ergüsse der wirtschaftsradikalen Liberalisten zu Gemüte führt. Die haben im Augenblick aus oben genannten Gründen sowieso schon nichts zu lachen und ausgerechnet jetzt beginnt ein Deutsche Banken Chef Ackermann, öffentlich seine Zweifel über das Rettungspaket kundzutun. Denn gerade er hat sowohl in Politik als auch in Wirtschaft einen enormen Einfluss – es ist glücklicherweise seiner Art zu verdanken, daß er sich hier und dort ungemütlich äußert. Bereits das damalige Bankenrettungspaket kritisierte er stark, zog es gar in den Schmutz.

Bei der wirtschaftselitären Entrüstung allen voran ist das turbokapitalistische Sturmblatt Financial Times Deutschland (FTD), welches Ackermann bereits im Titel dazu auffordert, „einfach mal den Mund zu halten“. Fragwürdige Äußerungen hätte Ackermann laut dieser kuriosen Clique getätigt – wir fragen uns, ob Äußerungen noch als fragwürdig gelten können, widmen diese sich einer Sache, die in sich noch sehr viel fragwürdiger ist, als jede Äußerung, die man überhaupt von sich geben könnte. Vielleicht kann uns die FTD das irgendwann mal beantworten. Wir wissen allerdings bereits, daß die Logik, man solle die Menschen über das unmittelbare Wirtschaftsgeschehen im Dunkeln lassen, nur einem liberalistischen Wahnsinn entspringen kann; hier wird quasi offen ausgesprochen, daß die Wirtschaft nicht dem Volke, sondern nur einigen wenigen Funktionären gehört, die ihre Strippen nach beliebigem Gusto ziehen, um größtmögliche Gewinne zu erzielen. Die FTD befürchtet, daß Ackermanns Äußerungen etwaige Investoren abschrecken könnten.

Sicher ist, daß reichlich Nervosität sowohl in Politik als auch in Wirtschaft herrscht – und das völlig zurecht. Die nächsten Monate und Jahre werden maßgeblich über die Zukunft Europas, vielleicht sogar der ganzen Welt entscheiden. Daß solcherlei Ereignisse niemals von statten gehen, ohne daß einst stattliche Köpfe von ihren wohlgenährten Körpern gesäbelt werden, erklärt die Transformation von Politik und Wirtschaft in einen wirren Hühnerstall. Wer will schon zu den Verlierern gehören? Die NPD forderte zur Landtagswahl in NRW: Hartz4 für Guido Westerwelle. Vielleicht bald keine Utopie mehr?

Siehe auch:
→Deutschland und die Krise der südeuropäischen EU-Staaten
→Staatbankrotte und die Krise des Weltkapitalismus‘
→Was passiert eigentlich in Griechenland?

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Eine Antwort zu “Von Blut, Schweiß, Ackermännern und Nervositäten

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