Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Aufmarsch des Nationalismus

In: Friedrich Georg Jünger „Aufmarsch des Nationalismus“

Herausgegeben von Ernst Jünger (Leipzig 1926)

Wir nennen uns Nationalisten – dieses Wort ist uns durch den Haß des gebildeten und ungebildeten Pöbels, durch das Heer der Opportunisten des Geistes und der Materie geweiht. Was dort gehasst wird, was den seichten Strömen des Fortschritts, des Liberalismus und der Demokratie zuwider ist, das hat zum mindesten den Vorzug, nicht allgemein zu sein. Wir fordern nicht das Allgemeine. Wir lehnen es ab, von den allgemeinen Wahrheiten und Menschenrechten bis zur allgemeinen Bildung, zur allgemeinen Wehrpflicht, zum allgemeinen Wahlrecht und zur allgemeinen Nichtswürdigkeit, die das notwendige Ergebnis alldessen ist. Allgemeine Eigenschaften und Forderungen sind Eigenschaften und Forderungen der Masse, und je allgemeiner etwas ist, desto weniger Wert steckt darin. Sich zur Masse bekennen, das heißt, sich die physikalische Eigenschaft der Schwere als Verdienst anrechnen, und den Begriff der Menschheit als den höchsten setzen heißt, in der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Säugetierspezies das Wesentliche sehen.

Das Allgemeine wird gewogen und gezählt, das Besondere wird gewertet und geschätzt. Das Allgemeine wollen heißt, keinen besonderen Wert in sich fühlen, heißt im besten Falle objektiv, messend, verstandesmäßig, wissenschaftlich „gerecht“ sein. Das Besondere wollen heißt, dass Maß in sich tragen, blutmäßige Verantwortung spüren, die seelischen Gewalten als die höchsten anerkennen. Der moderne Nationalismus, das Grundgefühl eines neuen, der zu oft vorgekauten Phrasen der Aufklärung bis zum Erbrechen überdrüssig gewordenen Geschlechts, will das Besondere. Er will nicht Maße und Ausdehnungen, sondern das ihnen zugrunde Liegende und sie Schaffende: die seelische Kraft. Er will seine Rechte nicht beweisen wie der Marxismus durch Mittel der Wissenschaft, sondern durch die Fülle des Lebens selbst, auf der die Wissenschaft fußen mag oder nicht. Er will nicht die Abmessung der Abwägung der Rechte, sondern er will das Recht, das das Leben zum Leben besitzt, das eine unzertrennliche, schicksalsmäßige Einheit bildet mit ihm, und das mit Notwendigkeit andere Arten des Rechtes einschränkt oder verdrängen muß, wenn es ihnen nicht unterliegen will. Er will nicht die Masse als Herrschendes, sondern die Persönlichkeit, deren Ordnung und Überordnung sich bestimmt den Gehalt an innerem Wert und lebendiger Energie. Er will keine Gleichheit, öde Gerechtigkeit und Freiheit, die nur auf Ansprüchen fußt, sondern er will das Glück genießen, das darin liegt, so, gerade so und nicht anders zu sein.

Der moderne Nationalismus will auch keine in freien Räumen schweifende Ungebundenheit, keinen „freien Geist“, er will vielmehr strengste Bindung, Ordnung und Unterordnung, durch Gesellschaft, Blut und Boden bedingt. Er will nicht den Sozialismus der Ansprüche, sondern den der Pflichten, eine harte und stoische Welt, der der Einzelne jedes Opfer zu bringen hat. Der Vater dieses Nationalismus ist der Krieg. Was Literaten und Intellektuelle darüber zu sagen haben, ist für uns ohne Belang. Der Krieg ist ein Erlebnis des Blutes, daher ist nur das von Bedeutung, was Männer über ihn zu sagen haben. Durch das berüchtigte Manifest der Literaten ist weder der Krieg abgeschafft, noch das, was der Krieg geschaffen hat. Es ist höchstens eine jener Fahnen nach dem Winde gehängt, die bei nächster Gelegenheit nach der anderen Richtung flattern werden. Ob sich am Kriege als an einem Urmaß eine größere oder geringere Plattheit misst, ist lediglich von psychologischem Wert. Der Kern der deutschen Jugend hat den Krieg weder im Kaffeehaus noch in geheizten Schreibzimmern erlebt. Er mag die Hölle gewesen sein – nun gut, es liegt im Wesen des faustischen Menschen, auch aus der Hölle nicht mit leeren Händen wiederzukehren. Mag Barbusse mit seinesgleichen dort unten gesehen haben, was er will, – nun gut, wir haben in jenen glühenden Fegefeuern mehr geschaut.

Wir kommen nicht mit reiner Verneinung zurück. Erst an der Gewalt der Materie hat sich uns die Gewalt der Idee offenbart. Erst an der Fruchtbarkeit des Opfers haben wir den Wert des Menschen und die Verschiedenheit seiner Rangordnung ganz erkannt. Heller als die dumpfe Rotglut des Feuers sahen wir die weiße Glut des Willens leuchten. Granaten, Gaswolken und Panzerwagen – das mag sowohl der Brutalität wie der Feigheit das Wesentliche sein, für uns ist es weniger, ist es nur die äußere Erscheinung, nur der düstere Hintergrund, aus dem ein neuer, stahlharter Schlag des Menschen in die Gegenwart tritt. Wir ahnen das Auftreten dieses Menschenschlages bei allen Völkern Europas, denn wie der Krieg nicht den Deutschen allein traf, so ist auch der neue Nationalismus keine Folge, die sich auf Deutschland beschränkt. Überall sehen wir, unterschieden nach völkischer Eigenart bereits siegreich oder noch im Kampfe begriffen, jene starke, aus dem Blute gewachsene Energie, die nach neuen Formen verlangt. Freuen wir uns darüber, rufen wir auch den anderen zu: „Werdet ganz die, die ihr seid!“, denn wir wollen viel lieber in einer Umwelt sinnvoller Bildung leben, als in einem fließenden Brei, ohne Charakter, ohne Form, ohne Eigenart.

Aber das dürfen wir doch wohl für uns in Anspruch nehmen: Daß uns der Krieg am härtesten getroffen hat. Daher werden wir nach der Blendung durch das Furchtbare auch am längsten Zeit zur Besinnung brauchen, aber daher dürfen wir auch hoffen, dass, wenn die neue Saat emporgeschossen ist, unsere Ernte die Reichste sein wird. Der Krieg ist unser Vater, er hat uns gezeugt im glühenden Schoße der Kampfgräben als ein neues Geschlecht, und wir erkennen mit Stolz unsere Herkunft an. Daher sollten unsere Wertungen auch heroische, auch Wertungen von Kriegern und nicht solche von Krämern sein, die die Welt mit ihrer Elle messen möchten. Wir wollen nicht das Nützliche, nicht das Praktische und nicht das Angenehme, sondern das Notwendige – das, was das Schicksal will. Der deutsche Frontsoldat marschiert auf, rechts, links und in der Mitte. Lassen wir den Kolonnen Zeit, sich über die Marschrichtung klar zu werden, jeder für sich. Es wird sich herausstellen, dass wir uns alle demselben Punkte zu bewegen.

Aber ehe wir nicht fertig sind mit uns, können wir auch mit unserer Welt nicht fertig werden. Unsere Fahne ist nicht rot, nicht schwarz-rot-gold und nicht schwarz-weiß-rot, sie ist die Fahne eines neuen, größeren Reiches, das in unserem Herzen begründet und aus ihm heraus gestaltet werden soll. Es wird der Tag kommen, an dem sie in Reinheit entrollt werden darf. Unsere gemeinsame Tradition ist der Krieg, das große Opfer – werden wir uns des Sinnes dieser Tradition bewusst!

In dieser Schrift, die ich begrüße als Bruder, Mitkämpfer und Freund, und auf die in Kürze weitere Schriften folgen werden, werden die vier tragenden Grundpfeiler des modernen Nationalismus umrissen. Sie entspricht der Haltung einer Jugend, die nicht doktrinär, nicht liberalistisch und nicht reaktionär ist und die auch den Geist jener Steckrübenrevolution als etwas von Grund auf Unsauberes von sich fernhalten will. Diese Jugend hat in den furchtbarsten Landschaften der Welt die Erkenntnis erkämpft, dass alte Wege zu Ende gegangen und neue zu beschreiten sind. Sie hat einen Abschnitt ihrer Vorbereitung abgeschlossen, und ein neuer beginnt. Wir grüßen das Blut, das die Schlacht nicht ausgebrannt, sondern in Glut und Feuer verwandelt hat! Was dort nicht zerstört werden konnte, das wird auch allen anderen Kämpfen gewachsen sein. Wir grüßen die Kommenden, in denen sich eine größere Tiefe mit der alten Härte verbinden soll! Der Aufmarsch ist im Fluß, bald werden die Reihen geschlossen sein. Wir grüßen die Toten, deren Geist mahnend und fragend vor unserem Gewissen steht. Nein, ihr sollt nicht umsonst gefallen sein! Deutschland, wir grüßen dich!

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