Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Der neue Student

Wie wir bereits hier berichteten, stehen die angehenden Akademiker des deutschen Volkes immer mehr unter Druck. Nicht nur, daß die Länder Studiengebühren eingeführt haben, die gerade „seichter betuchten“ Volksgenossen den entscheidenenden Schritt auf die Universität erschweren, zusätzlich führt die Umstellung des alten akademischen Bildungssystems auf das amerikanische Bachelor/Master-System und die damit verbundenen strafferen Strukturen, die die eigentlich für das Studium übliche Selbstständigkeit ablösen, zu einem zunehmendem Einordnungs- und Kalkulierungszwang der Studenten.

Geisteswissenschaften werden immer weniger als Wunschfach gewählt, weil es etwa in der Wirtschaft die größten Arbeitschancen und mitunter auch die höchsten Löhne gibt – jeder Student weiß, daß wirtschaftswissenschaftliche Fächer wie WiWi, BWL, VWL oder IBS in sogut wie allen Unis überlastet und überproportional besucht sind, daß es meist die Studenten der Wirtschaftswissenschaft sind, die „normal“ sind und aus der Masse nicht herausstechen. Auf der anderen Seite stehen die Geisteswissenschaftler, oftmals Personen, die aus der Masse in irgendeiner Art und Weise herausstechen: Seien es politisch Aktive, Künstler oder Angehörige von Subkulturen. Das klare Mengenverhältnis der beiden Gruppen spricht eine deutliche Sprache: Studium verkommt immer mehr zu einer weiteren Bildungsinstitution, in der man straff nach Lehrplan diese oder jene Leistungen erbracht haben muss, um diese oder jene Qualifikation zu bekommen. Das ganze am besten in rasender Geschwindigkeit, um den erfolgreichen Einstieg in die kapitalistische Welt möglichst schnell und brisant von der Bühne zu bringen.

Die eigentliche Ästhetik des Studiums – die Bildung eines klaren Profils und einer, mit dem Individuum vereinbaren, Spezialisierung auf ein oder mehrere ausgwählte Bereiche – geht im Zuge der Bologna-Reform völlig verloren. Ganz im Sinne des Kapitalismus werden in den Unis von 2010 spezialisierte Arbeitsbienen herangezüchtet, die schnellstmöglich in der Wirtschaft ihr Fachwissen einzusetzen haben.

Man könnte sich an dieser Stelle die Frage stellen, warum die Studenten von heute dies alles so ohne weiteres mit sich machen lassen. Man könnte davon ausgehen, daß es doch gerade die Studenten selbst in der Hand haben, wie sie ihr Studium gestalten wollen: Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Freudig labt man sich an den neuen, strengeren Bildungsreformen, man spielt das Spiel mit, in der Hoffnung. am Ende als Gewinner dazustehen. Dies hat nichts damit zu tun, daß sich diese gleichgeschalteten Studenten nicht nach einem individuelleren Studium sehnen würden; es hat damit zu tun, daß sie ihr eigenes Studium gar nicht als wirkliches Studium – bzw. als das, was man ursprünglich darunter verstanden hat – wahrnehmen. Für die angehenden Gehirne des Marktes ist ihr eigenes Studium nichts weiter als eine Ausbildung: Ein weiterer Schritt richtung Endqualifikation, der mit den vorherigen Schritten: Grundschule und Gymnasium/Berufsschule in einer Reihe steht.

Es gab hier und dort Studenten, die größere Proteste gegen Bachelor und Studiengebühren auf die Straße trugen, doch die Stimmen, die damals lauthals verkündeten, daß die Unis den Studenten gehören, sind schon seit längerem verklungen. Licht blieben ihre Reihen und nur kleine Teilerfolge konnten eingefahren werden. Außerdem bemerkenswert ist, daß auch jene Demonstranten in der Mehrzahl sicherlich nicht vorhaben, in der Wirtschaft Karriere zu machen, gehören also im Großen und Ganzen zur immer kleiner werdenden Gruppe der Geisteswissenschaftler.

Im Grunde hat sich das gesamte Prinzip durch die neuen Regeln einmal herumgedreht: Zuvor war eigenständiges, kritisches und kreatives Denken gefragt; nun ist Auswendiglernen, Lehrplan herunterbeten und schlicht funktionieren gefragt. Letztendlich werden jene Studenten, die die Uni nur als Karriere-Sprungbrett betrachten, neben ihren ausschließlich auf ihren Beruf gemünzten neuen Erkenntnissen nur verlernen, selbst zu denken.

Lange Zeit war das Bildungssystems der Bundesrepublik weitestgehend unangetastet von Markt und Kapitalismus, doch nun müssen wir einsehen, daß auch dieser Bereich – dort, wo normalerweise frische Ideen entstehen – der gnadenlosen Gleichschaltung des freien Marktes zum Opfer gefallen ist.

Diszipliniert, kalkulierend und gehörig: Der neue Student.

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