Arbeitertum

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Über die Krise

Überstanden sollte sie sein – sogar ganz gut. Zahlreiche Ökonomen und Wirtschaftsexperten beteuerten dieses Urteil, doch jeder auch nur annähernd nachdenkende Mensch sollte erahnen können, wieviel Wahrheit in solch markigen Worten steckt; in den meisten Fällen nämlich gar keine. So wunderte man sich teilweise schon, wie die Theorie, die Bundesrepublik habe die Wirtschaftskrise bereits überstanden, einfach kommentarlos von allen Seiten stehengelassen wurde und wie sich ein mit Sicherheit nicht zu unterschätzender Großteil der Bevölkerung mit dieser hahnebüchenen Erklärung offensichtlich zufriedengibt.

Doch zum Glück versinken nicht alle Ökonomen in ihrem optimistischen Wahn und versuchen es zur Abwechslung mal mit einer Idee Realismus. So äußerten sich viele Ökonomen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos verglichen mit den BRD-Trillerpfeifen, die sich Wirtschaftsexperten nennen, gänzlich anders. Wie zu erwarten, fällt das Urteil in erster Linie negativ aus. Der Harvard-Professor Kenneth Rogoff äußert sich diesbezüglich folgendermaßen:

Für Sie wird es schrecklich. Deutschlands Schulden explodieren, die Bevölkerung altert und offen gesagt glaube ich, dass Ihr Land in den kommenden Jahren im Schnitt ein Wachstum von etwa einem Prozent haben wird.

Mit „Sie“ ist während der Konferenz eine junge Deutsche im Alter zwischen 30 und 40 Jahren angesprochen worden, was bedeutet, daß gerade die eher jüngere bis mittelalte Generation unter der Krise leiden wird. Als Lösung nannte Rogoff Mittel, die den deutschen Arbeiter nicht unbedingt entlasten würden: Drastische Sparmaßnahmen, Steuererhöhungen. Mindestens ein Jahrzehnt würde es in Anspruch nehmen, Verbindlichkeiten zu begleichen.

Robert Shiller stellt zudem viele andere Nationen durch die „japanische Krankheit“ bedroht. „Japanische Krankheit“ deshalb, weil sich die Japaner laut Shiller in den 80er Jahren niemals wirklich von der Finanzkrise erholen konnten, sprich der psychologische Faktor – der völlige Vertrauensverlust in den Wirtschaftsapparat – würde sich in anderen Ländern auch bald bemerkbar machen. Daß auch in Deutschland durchaus eine eher gespannte Spinnung in Bezug auf die Wirtschaft herrscht, ist offenkundig.

Professor Rogoff sagt weiter, daß sich die Wirtschaftskrise für den Otto-Normal-Verbraucher bisher nur nicht sonderlich bemerkbar gemacht hat, weil die Regierungen sich haushoch verschuldet haben, um kippende Banken zu schützen und den öffentlichen Konsum anzukurbeln. „Historisch außergewöhnlich“ seien diese Verschuldungen gewesen, nur mit der „Großen Depression“ in den 20ern zu vergleichen.

Für all jene, die sich bisher wunderten, warum man von dieser angeblich so großen Krise nie etwas direkt mitbekam, sollte dies alarmierend sein: Im Kapitalismus lässt sich ein großes Unheil nur durch ein noch größeres Unheil bekämpfen; in diesem Fall wurde die kollektive Insolvenz durch kollektive Staatsüberverschuldung unterdrückt. Was von beidem nun übler ist, soll jeder für sich selbst entscheiden – Sicher ist, daß dieser Staat seine Schulden wohl niemals abbauen wird, was de Facto bedeutet, daß er sich voll und ganz in die internationalen kapitalistischen Wechselbeziehungen hineingesponnen hat. Mit so einer unsouveränen Vorraussetzung wird es reichlich schwer sein, die Krise auf deutschem Boden effektiv zu bekämpfen.

Das Beispiel Griechenland (mit bis zu 110% der Wirtschaftsleistung als Staatsverschuldung gut dabei) zeigt, wie schnell ein sonst eher „westlicher“ Staat an der kapitalistischen Produktionsweise und insbesondere seiner Finanzwelt zugrunde gehen kann. Sollte sich in Deutschland diesbezüglich nicht in absehbarer Zeit und in radikaler Art und Weise etwas ändern, wird dem deutschen Volk bald das gleiche Schicksal bevorstehen wie den Griechen. Dann muss vielleicht eine neue G8 darüber entscheiden, wie die Deutschen, bzw. die Wirtschaft der Bundesrepublik, zu „retten“ seien.

Wir fragen uns, wie man etwas retten möchte, was von Anfang an schon verloren war.

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