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Studiengebühren – „geboten und vertretbar“, oder: was nicht passt, wird passend gemacht.

Studiengebühren sind wissenschaftspolitisch geboten undsozialpolitisch vertretbar. Sie machen die Hochschulen ein Stück weit von der Haushaltspolitik unabhängig.

Der Zurechtbieger: Ludwig Spaenle

Der Zurechtbieger: Ludwig Spaenle

So lässt es jedenfalls der Chef der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle verlauten, offensichtlich völlig vergessend, wer denn überhaupt das nötige Geld für die vom ihm gepriesenen Studiengebühren aufbringen muss. Die Studenten selbst haben das nötige Geld aufzubringen, um studieren zu dürfen; sollte das Einkommen des Studenten oder seiner Familie nicht ausreichen – was mit einer völlig untransparenten Methode vom zuständigen Amt festgestellt wird -, so steht ihm ein sogenanntes „BAföG“ (umgangssprachlich, eigentlich Bundesausbildungsförderungsgesetz) zu, welches er innerhalb der Regelstudienzeit ausgezahlt bekommt und im Idealfall nach Studienabschluss zum Teil zurückzahlen muss.

Ebenfalls ein absurdes System, wenn man von der eigentlichen Selbstverständlichkeit ausgeht, Bildung müsse grundsätzlich nicht vom Geldbeutel abhängen. Viel mehr sollte doch die gerade die Regelstudienzeit keinen Betrag kosten, sondern – bis zum Ende der Regelzeit – umsonst sein. Aber was wissen wir schon – wir sind schließlich nicht Chef der Kultusministerkonferenz.

Spaenle erzählt weiter:

Studiengebühren haben die Lehre an den Hochschulen in den Ländern, die sie eingeführt haben, spürbar verbessert. Durch den Beitrag der Studierenden können die einzelnen Hochschulen zum Beispiel mehr Lehraufträge vergeben und damit das Lehrangebot spürbar verbessern.

So stünden nun mehr Lektoren für Sprachunterricht, zusätzliche Tutoren und Studienberater zur Verfügung, was die Studienqualität – angeblich auch in den Augen der Studenten – erheblich verbessern würde. Abgesehen davon, daß dies bedeuten würde, daß die Studiengebühren immer für den richtigen und effektivsten Zweck eingesetzt werden – was bekanntlich nicht immer so ist, erst Recht nicht dann, wenn die Gelder für Banalitäten wie Tafeln und Kreide eingesetzt werden -, wäre dies nur ein Teilerfolg auf einem eigenen Gebiet, nämlich der Qualität des Studiums. Auf dem gesamtsozialen Bildungsgebiet ist dies allerdings nicht etwa ein Erfolg, wie es uns Chef Spaenle weiß machen möchte, sondern ein weiteres Indiz dafür, wie der sogenannte Sozialstaat BRD seine selbst proklamierte Sozialstaatlichkeit Stück für Stück aufgibt.

Die endgültige Reise nach Absurdistan tritt Spaenle allerdings mit folgender Aussage an:

Gegenüber den Studierenden machen Studiengebühren eines sehr deutlich: ‚Was etwas kostet, ist etwas wert.‘ Entsprechend erhöht sich die Wertschätzung und nicht selten ihr Engagement.

Mit anderen Worten: Aus Angst vor der absoluten Pleite legen sich die Studenten umso mehr ins Zeug, womit sich der eigentlich angenehme Charakter des Studiums, nämlich die selbstständige Bildung mit möglichst hoher Effektivität und positiver Motivation, selbst ins Abseits befördert. Motivation wird hier schlicht durch Zwang ersetzt; für Spaenle ein Erfolg, der mit Pauken und Trompeten zelebriert werden muss.

„Eliten“ wie Spaenle versuchen, durch solch schwammige Argumente ihr eigenes Totalversagen zu vertuschen; sie versuchen zu vertuschen, daß der Sozialstaat BRD keinen Cent mehr übrig hat für die Belange des einfachen Pöbels, dafür aber umso mehr für Banken, die im Begriff sind, vor die Hunde zu gehen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wieder einmal wird das, was offensichtlich nicht passt, noch offensichtlicher passend gemacht.

Die Auswirkungen der Studiengebühren liegen allerdings auf der Hand: Der Druck und der „Zwang zur Bildung“ steigt – etwas, was für Menschen wie Spaenle positiv ist -, der deutsche Arbeiter wird einmal mehr unverschämt zur Kasse gebeten, muss sich im Extremfall sogar verschulden, um überhaupt studieren zu dürfen und insbesondere die Selektion zwischen den Klassen und Schichten wird intensiver. Während sich Studenten aus Mehrverdienerfamilien kaum Sorgen machen müssen, werden sich sogenannte „Arbeiterkinder“ ihren Schritt in die Uni zwei mal überlegen müssen – ein Armutszeugnis, das seinesgleichen sucht.

Weitere Informationen:

Tagesthemen

Unibesetzungen

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