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Aufstände in Ägypten seit längerer Zeit geplant?

Wie einige unabhängige Informationsportale, darunter THE INTELLIGENCE, berichten, sollen die momentan anhaltenden Massenproteste gegen den sich immernoch im Amt befindenden Präsidenten Mubarak seit längerer Zeit geplant gewesen sein. So sollen bereits seit 2008 oppositionelle Gruppen innerhalb ägyptischer Grenzen auf den Sturz hingearbeitet haben. Quelle der Behauptung ist ein Cable aus der US-Botschaft in Kairo, das auf Wikileaks dokumentiert wurde. Eine direkte oder indirekte Beteiligung durch die USA geht aus dem Dokument allerdings nicht hervor.

Sollte das Dokument echt oder für voll zu nehmen sein, tun sich einige Rätsel auf. Der zeitliche Zusammenhang zwischen der Revolten in Tunesien und derer in Ägypten legt nahe, daß die tunesichen Proteste wie ein überspringender Funke fungierten, der in Ägypten einen Flächenbrand auslöste. Nimmt man nun aber an, daß das Diplomaten-Cable aus der US-Botschaft in Kairo eine längerfristige Hinarbeit und Planung der Proteste beweist, erscheint der zeitliche Zusammenhang nur noch logisch, wenn sich beide „Protestbewegungen“ abgesprochen hätten.

Doch auch eine weitere Frage tut sich auf. Wie Obama in seiner kürzlichen Rede an das ägyptische Volk betonte, unterhielt und unterhält die US-Regierung und Israel gute Beziehungen zu dem ägyptischen Diktator. Gleichzeitig suggerieren die gefundenen Dokumente, daß die USA ein Doppelspiel zu treiben scheinen.

Eine Bewertung der Tatsachen erscheint nicht nur deshalb schwierig, weil wir uns momentan mitten im Ereignis befinden, sondern weil hinter den Kulissen zu viel geschieht, als daß wir als nicht direkt beteiligte alles wissen könnten. Dennoch möchten wir versuchen, ein simples Urteil zu fällen:
Vielen ist aufgefallen, daß die Proteste ohne wirklich politisches Profil daherkamen. Es gibt bis heute noch keine nennenswerte Ansammlung von prominenten Mitstreitern, es gibt keine führende Gruppierung, Partei oder Organisation oder sonst irgendeine Stoßrichtung, von der die entscheidende Kraft ausgeht. Die Aufstände wirkten chaotisch, weil sie nicht angeführt wurden. Kann man also eine spontane Aktion planen? Die Demonstrationszüge zeigten neben zahlreichen ägyptischen Nationalflaggen Bilder, Banner, Fahnen und Symbole aller Art. Wenn also ein Muslimbruder mit dem Koran neben einem säkularisierten Nasseristen demonstriert, dann muss in der Planung etwas schief gelaufen sein. Sollte bspw. die Muslimbruderschaft an der Planung beteiligt gewesen sein – was nahe liegt, gehört sie doch mit zu den mächtigsten politisch-gesellschaftlichen Organisationen in Ägypten -, warum lehnt sie es dann bereits jetzt ab, sich an einer neuen Regierung zu beteiligen? Und überhaupt: Warum sollten die USA mit islamisch-politischen Gruppen zusammenarbeiten wollen, insbesondere wenn man bedenkt, daß Israel alles andere als Profite als Ergebnis einfahren würde? Unter Anbetracht dieser Gesichtspunkte erscheint eine (erfolgreiche) Planung unwahrscheinlich.

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Eine Antwort zu “Aufstände in Ägypten seit längerer Zeit geplant?

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