Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Joseph Goebbels: Warten können

Dr. Joseph Goebbels, in: „Der Angriff“ vom 13. Februar 1929

Es ist nichts einfacher, wohltuender, befriedigender und herzerfrischender, als an der Spitze einer jungen aktivistischen Gruppe stehend Faustpolitik zu betreiben, zu reden und zu handeln, wie es einem ums Herz ist, einen Schweinehund Schweinehund und einen Misthaufen Misthaufen zu nennen, einem Lügner, Verräter und notorischem Lumpen nach Bedarf eins hinter die Löffel zu kleben, dass ihm Hören und Sehen vergeht, das, was jeder anständige Mensch denkt und empfindet, auch zu sagen und zu tun; kurz und gut, aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen. Schwerer schon ist es, sich aus verstecktem Hinterhalt an sein Opfer heranzuschleichen, wie die Katze um den heißen Brei zu gehen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, eine Faust in der Tasche zu ballen und nur mit sich allein die Zähne aufeinander zu beißen und „Canaille!“ zu zischen.

Am schwersten aber ist es, als reißender Wolf den Schafspelz umzulegen, die Maske des Biedermannes aufzusetzen, Bürger unter Bürgern zu sein, wenn innen ein Vulkan brennt, wenn einen Tag um Tag und Stunde um Stunde der Teufel verfolgt und man manchmal in einem sinnlosen Wutgeheul aufbrüllen möchte vor Hass und Rachedurst. Aber auch das soll gelernt werden. Ein Revolutionär muss alles können. Beweis für revolutionäre Gesinnung ist nicht allein das Schlagen, sondern das Schlagen zur rechten Zeit. Bereit sein ist alles. In die Gefängnisse wandern, verboten und niedergeknüppelt werden, das kann schließlich jeder. Aber vulkanische Leidenschaften entfesseln, Zornesausbrüche wecken, Menschenmassen in Marsch setzen, Hass und Verzweiflung organisieren, mit eiskalter Berechnung, sozusagen mit legalen Mitteln, das unterscheidet den Revolutionär vom Revoluzzer. Ich weiß, das stinkt nach Kompromiss. Aber sagt mir einen anderen Weg, dem Feind an den Kragen zu gehen und, wenn er zuschlagen will, freundlich den Hut zu lüften und zu flüstern: Was habe ich Dir Böses getan?

Auch die Revolution will organisiert sein. Wenn Revolution nichts anderes bedeutet als Durchbruch einer neuen seelischen Haltung mit anders gerichteten geistigen und politischen Inhalten, und wenn der Revolutionär von der Richtigkeit und Notwendigkeit dieses Durchbruchs innerlich so unerschütterbar überzeugt ist, dass er notfalls sein Leben darum zu opfern bereit wäre, dann wird er auch Mittel und Wege finden, diesen Durchbruch praktisch in Marsch zu setzen. Revolutionen haben ihr entscheidendes Merkmal in diesen Inhalten selbst, niemals in ihren Methoden. Durchführungsmöglichkeiten sind wandelbar. Unwandelbar muss nur bleiben, was durchgeführt werden soll.

Die Krise des deutschen politisch-wirtschaftlichen Lebens, die heute in lang anhaltenden inneren Erschütterungen unser Volk durchzittert, ist für unser Werden die furchtbarste, aber auch die gefährlichste Zeit. Weil wir Aktivisten sind, gehen uns die Dinge zu schleichend voran. Wir stehen immer auf dem Sprung nachzuhelfen und verlieren dabei Geduld und Weisheit des Handelns, möchten durch mutiges Draufgängertum das ersetzen, was die natürliche Entwicklung der Krise uns in so grausamer Weise vorenthält. Und siehe da: Wo einer losrennen will, fühlt er sich von seinem Vordermann gehalten. Wo einer schreien will, da schließt ihm sein Nachbar den wutverzerrten Mund. Ist das nicht unerträglich?

Ja, das ist unerträglich! Aber unerträglicher für den, der an der Spitze steht, als für den, der in Reih und Glied marschiert. Da trägt jeder sein Päckchen allein, aber der oben trägt an all diesen Päckchen noch mit und hat sein eigenes dazu zu tragen. Glaubt ihr, uns zuckte es nicht auch mal in den Fingern? Wisst ihr nicht, dass unsere Feder oft und andere Worte schreiben will, als der kühlwägende Verstand gestattet? Hört ihr denn nicht, dass die Stimme anders reden möchte, als die rechnende Überlegung erlaubt?

Warten können! Darauf kommt es jetzt an. Für die oben und für die unten. An die revolutionäre Kraft der Bewegung glauben, auch wenn sie honett und friedlich ihre scheinbar bürgerlichen Pfade wandelt. Das sind die wirksamsten Rächer nicht, die ihren Hass und Wut und Blut haben. Eiskalt dem Gegner auf den Pelz rücken, ihn abtasten, auskundschaften, wo seine verwundbare Stelle ist, überlegsam und berechnend den Speer schärfen, ihn wohlgezielt in die lecke Blöße des Feindes hineinjagen und dann vielleicht noch freundlich lächelnd zu sagen: Verzeihen Sie, Herr Nachbar, aber ich kann nicht anders! Das ist jenes Rachegericht, das kalt genossen wird.

Ja, sagst du, aber die Kommunisten sind dann doch andere Kerle; die gehen heran wie Blücher. Gewiss, das weiß ich auch. Aber die können sich das leisten. Hast du einmal erlebt, dass ein Berliner Polizeipräsident dem Gummiknüppel seiner Soldaten Einhalt gebietet, wenn er auf unseren Rücken niedersauste? Eine Revolution, die sich der liebevollen Obhut der von ihr bekämpften Gewalten erfreut, ist keine Revolution, sondern eine Revolte. Hier wird eine Gesinnung des Durchbruchs ersetzt durch das Surrogat einer behördlich geduldeten radikalen Methode.

Nein, nein! So kommen wir nicht zum Ziel. Es geht jetzt darum, die Kräfte, die in unseren Reihen mobilisiert sind, zu organisieren. Redet nicht viel, sondern arbeitet! Lernt Gesinnung haben ohne Krakeel. Das Warten bekommt uns besser als denen, die wir vernichten wollen. Die Zeit arbeitet für uns, und wenn wir mit der Zeit Hand in Hand arbeiten, dann können wir getrost und seelenruhig zuschauen, wie der Feind im eigenen Fett zu schmoren anfängt.

Lerne schweigen!

So lautet das erste Gebot des Revolutionärs.

Lerne warten!

So lautet das zweite Gebot des Revolutionärs.

Arbeiten ist das Erfordernis der Stunde. Und dann schweigend warten!

Advertisements

Eine Antwort zu “Joseph Goebbels: Warten können

  1. blacksun87 September 21, 2010 um 12:55 pm

    Jup, nur hat man nun die Zeit gegen uns gestellt mit Masseneinwanderung und Demographie -.-„

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: