Arbeitertum

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Warum die deutsche Revolution von 1848 scheitern musste

1848 sollte – nicht nur in Deutschland – ein Schicksalsjahr sein. Insbesondere auf Deutschland bezogen bedeutete dieses Jahr die entschiedene Chance, die traditionelle Kleinstaaterei des deutschen Volksraumes zu beenden und durch ein neues, größeres und freieres Deutschland – was sich unter „Großdeutscher Lösung“ subsimierte – zu ersetzen. Es schien, als würde die Revolution erfolgreich sein. Viele Kämpfe und Ideen gingen diesem Jahr voraus, es wurde ein Bewusstsein geschaffen, die Unterdrückten erhoben ihr Wort und stellten klare Forderungen. Der „Vormärz“ gehört zur „Märzrevolution“, wenn er nicht gar der Anfang der eigentlichen Revolution war. Wir schrieben bereits ein wenig über Georg Büchner, dem wohl bekanntesten Aktivisten des Vormärzes.

Als die reaktionärste Symbolfigur der Zeit des „deutschen Bundes“, der östereichische Fürst von Metternich, der eine brutale antinationale Politik betrieb und die Konservierung der alten monarchischen Strukturen förmlich forcierte, in Wien gestürzt wurde, sahen viele bereits eine neue Epoche herannahen, eine Epoche, in der das unterdrückte deutsche Kleinbürgertum, die deutsche Landbevölkerung sowie die deutschen Arbeiter einer freieren Zukunft entgegenblicken würden. Während also der Franzose in Paris bereits für den Sozialismus stritt, sollte der deutsche Bürger zunächst für die verfassungsmäßige Freiheit streiten. Wie wir heute alle wissen, scheiterte die Revolution. Das provisorische Parlament in der Frankfurter Paulskirche, das die neue Verfassung verabschieden und festigen sollte, wurde 1849 aus der geschichtsträchtigen Stadt gewaltsam vertrieben. Darauf folgte die sogenannte „Ära der Reaktion“, die nicht nur durch das Wiederaufblühen ältester und ungeahntester Herrschaftsstrukturen zur Folge hatte, sondern die Kleinstaaterei abermals festigten und den deutschen Bruderkrieg zwischen Östereichern und Preußen in eine neue Runde läuteten. Beklemmenderweise waren es zunächst preußische und östereichische loyalistische Truppen, die die Revolution geneinsam zerschlugen. Erst Bismarck beendete zumindest den Zustand der völligen Verwahrlosung durch die Errichtung eines zwar fragilen und küstlichen, aber politisch nachhaltigen Deutschen Reichs nach preußischem Vorbild und unter monarchistischem Vorzeichen. Ironischerweise hat auch dieser Staat nichts zu tun mit dem, was einst in der Paulskirche gefordert wurde: Weder schaffte es Bismarck, das deutsche Volk zu vereinen, noch einen einheitlichen Staat zu formieren, überdies war es absolut nicht in seinem Interesse, eine „freiheitliche Verfassung“ zu erarbeiten, war sein Denken doch eingebettet in einen radikalen Aristokratismus, der etwa mit den „Sozialistengesetzen“, die gegen alle gerichtet waren, die sich für die Arbeiterklasse engagierten, seinen politischen Ausdruck fand und sich grundsätzlich in der gesamten Staatsästhetik- und struktur wiederfand.

Parlamentarier werden gewaltsam von loyalistischen Dragonern aufgerieben

Die Märzrevolution in Deutschland war im Grunde von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dies lag maßgeblich daran, daß die Landbevölkerung, die das größte revolutionäre Potential gehabt hätte, zur Zeit der eigentlichen revolutionären Phase bereits viele ihrer Forderungen erfüllt sahen; mit ihrem Stand immer mehr zufrieden, verbürgerlichte das Landvolk, bis es kein Interesse mehr daran sah, weiter an der Selbstbefreiung zu arbeiten. Außerdem erfuhren die Intellektuellen und Gebildeten Befriedigung, als das Presseverbot des Deutschen Bundes aufgehoben wurde. Überdies gab es nie eine klare Linie unter den Revolutionären. Sie setzten sich zusammen aus allen Schichten und Ständen. Vor allem aber schieden sich die Geister bezüglich der groß- und kleindeutschen Lösung. Während vornehmlich das Kleinbürgertum ein vereintes Deutschland forderte, was auch Östereich miteinschließt, d.h. den Zusammengang von Preußen und Bayern bzw. Östereichern, plädierten die besser gestellten Stände weitestgehend nach wie vor für ein „preußisches Deutschland“ unter Ausschluss von Östereich, welches ebenfalls an einer eigenen, östereichischen Verfassung arbeitete. Die herrschenden Schichten zogen es vor, den revolutionären Forderungen, die auch ihren eigenen Stand angriffen, den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sie sogenannte „Märzministerien“ einberiefen, die vordergründig am Umschwung interessiert waren, letztlich aber nur verwässernd wirkten. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV selbst sah seinerzeit ein, daß eine Repressionspolitik im Stile der „Karlsbader Beschlüsse“ nicht mehr gangbar war; somit sollte er sich mit schwarz-rot-goldenen Farben – zu dieser Zeit eine unvorstellbare Geste – seinem Volk zeigen und beteuern, daß Preußen von nun in Deutschland aufgehen sollte. Daß es sich dabei nur um eine Nebelgranate handelte, wurde den wahren Revolutionären zu spät bewusst.

Als die Nationalversammlung in der Paulskirche statt fand, sahen viele der Beteiligten das Ziel bereits erreicht. Die Nationalversammlung an sich galt schon als Ziel und tatsächlich stellte sie zu dieser Zeit auch etwas Revolutionäres dar. Doch die Zerstrittenheit untereinander, die maßgeblich aus Klassengegensätzen hervorging, sollte dem einst klar gesteckten Ziel die Schärfe nehmen. Wie wir es auch heute immer wieder beobachten können, war es die Verbürgerlichung, die das Vorhaben zum Scheitern brachte. Allzu viele Personen sahen sich in festeren Satteln und glaubten somit, alles für sich erreicht zu haben, was sie wollten. Verbürgerlichung bedeutet immer auch der Fokus auf sich selbst – und wenn man für sich selbst das hat, was man wollte, so ist man zufrieden und scherrt sich nicht mehr um das Wohl der Gemeinschaft. Der nationale Volksgeist, der durch die Revolutionäre erst in die Paulskirche getragen wurde, sollte dort durch Unsicherheit, Unklarheit und vor allem auch Feigheit verschwinden. All diese Eigenschaft sind symptomatisch für den Bürger. Er ist bequem, er ist selbstsüchtig, auf sich fixiert und das Gegenteil von kühn, denn am wohlsten fühlt er sich in seinen eigenen vier Wänden. Als die Verbürgerlichung der Revolution ansetzen konnte, konnte sie die wesentlichen Forderungen untergraben – und die herrschenden Schichten waren einmal mehr in der Lage, dies für sich auszunutzen.

Sie sollten für weitere Jahrzehnte ein reaktionäres Gebilde erhalten, welches ausschließlich den Herrschenden nützte und das Volk abermals entmündigte.

Die Revolution von 1848 ist in erster Linie an sich selbst gescheitert. Wahnzeichen für uns, uns nicht der illusionären Ruhe und Ordnung des Bürgertums hinzugeben, nicht auf die leeren Versprechungen des Bürgers hereinzufallen, denn wo Revolution ist, kann kein Bürgertum mehr sein. Es ist eine Sache der Phantasievollen, wie es heute wohl aussehen würde, hätten unsere Vorväter dies damals schon erkannt.

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Eine Antwort zu “Warum die deutsche Revolution von 1848 scheitern musste

  1. Kommando Freisler Mai 7, 2011 um 2:07 pm

    …und ihr glaubt also ernsthaft wie fast alle „nationalen“ Demokraten, dass die 48er-Revolution von deutschen Patrioten getragen wurde, haha.*

    So schauts wirklich aus: http://www.alpen-donau.net/WP/2009/07/die-judische-revolution-von-1848/

    Wie es dann am Ende wirklich aussah, soll der Leser selbst entscheiden.
    -landvolk

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