Arbeitertum

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Zur Stagnation der deutschen Leiharbeit

Die Leiharbeit wurde zuletzt in Deutschland eingeführt, um breitgefächerte ökonomische Defizite durch die Ersetzung festangestellter Arbeitkräfte durch sogenannte „Leih- oder Zeitarbeiter“, die in der Regel gleiche Arbeit für weniger Lohn zu leisten haben, auszugleichen. Die Tarife, die die Leiharbeitsbranche anbietet, sind in manchen Fällen so niedrig, daß sie kaum genügen um den stetig steigenden Kosten im Alltag gerecht zu werden. Nachdem die Leiharbeit die letzten Jahre einen förmlichen Boom erfuhr, scheint sie nun erstmal nicht mehr weiter zu wachsen. Der kapitalismuskritisch-sachliche Blog „Querschüsse“ berichtet:

Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) berichtete am Freitag von einem leichten Anstieg der Zahl der Leiharbeiter im April 2011. Nach Berechnungen des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und als Fortschreibung der amtlichen Daten der Bundesagentur für Arbeit, ermittelte man für April insgesamt 873’000 Leiharbeiter in Deutschland, ein Anstieg von +1,5% zum Vormonat (860’000 im März). Zum Vorjahresmonat stieg die Zahl der Leiharbeitnehmer um +21,5% (April 2010: 718’576). Damit schwächt sich die Dynamik des Stellenaufbaus in der Leiharbeit sichtbar ab und verharrt seit 5 Monaten in einer Seitwärtsbewegung.

Quelle

Zum einen ist dies erstmal eine erfreuliche Nachricht, denn so ist immerhin gewährleistet, daß nicht noch mehr Arbeiter ihre Stellen verlieren und daß nicht noch mehr Billiglöhner die ökonomische Bühne betreten, was eine stetige Umformung der ohnehin schon unterrückerischen Produktionsweise hin zur völligen Sklavenproduktion bedeuten würde.
Nun stagniert die Leiharbeit nicht aufgrund der Gutmütigkeit ihrer Gönner und Initiatoren, sondern aufgrund einer grundsätzlichen Gesamtstagnation der deutschen Wirtschaft. Querschüsse schreibt:

Sehr wahrscheinlich deutet die Stagnation des Wachstums bei der Leiharbeit auf eine schwindende Wachstumsdynamik auch in Deutschland hin. Die Exporte von Waren und Gütern sanken im April 2011 Kalender- und saisonbereinigt (gemäß X-12 ARIMA Verfahren) um -5,5% zum Vormonat, dies war der größte Einbruch seit Januar 2009 (-6,5%). Der Output der deutschen breit gefassten Industrieproduktion sank  im April 2011 Kalender- und saisonbereinigt leicht um -0,6%, irgendwie nicht ganz unschlüssig, dass nicht hunderttausende neue Leiharbeiter benötigt wurden.

Quelle

Hinzu kommt, daß viele Leiharbeitsfirmen mehr und mehr beklagen, daß sich die „Kundenzahl“ nicht erhöht. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, daß immer mehr arbeitsuchende Menschen in Deutschland begreifen, daß es sich bei den Leiharbeitsstellen um krasseste Ausbeutung handelt, die weder zweckmäßig noch angemessen erscheint. Die Leiharbeit dient nur dazu, die „menschlichen Umkosten“ so gering wie möglich zu halten – auf diesem niederträchtigen Prinzip basiert auch der sogenannte „Aufschwung“, den uns die Medien die letzten Monate vermehrt aufschwatzen wollten. Im Nachhinein wird man diesen „Aufschwung“ wohl als einen der Skurrilsten begreifen müssen, denn von diesem Aufschwung, der im Wesentlichen durch sich verbreitende Billiglöhne auf dem Markt vorangetrieben wird, profitiert de facto niemand. Selbst für die Kapitalisten ist er kein Erfolgserlebnis, denn auch für sie zieht sich die Schlinge, die, zuvor noch in weiter Ferne, sich so langsam immer genauer zu erkennen gibt, immer enger. Da sollte es also auch nicht verwundern, daß selbst der arbeitende Michel irgendwann das Spielchen durchschaut und eben nicht mehr bei jedem erstbesten „Arbeitgeber“ anheuern möchte.

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