Arbeitertum

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Was wir von Ägypten lernen können

Im arabischen Raum geht es rund. Diktatoren und Tyrannen von Marokko bis Persien fürchten um Amt und Leben. In Tunesien konnte der Despot gestürzt werden, in Ägypten gelang der würdevolle Abgang für den alternden Pharao. Beide Männer flohen mit Kind und Kegel – und jeder Menge Dollars. In Libyen wird Muammar Al-Gaddafi wohl nicht mit dem Leben davonkommen. Zu stolz für die Flucht und zu schwach für den Machterhalt wird die Revolution den alten Revolutionsführer hinwegfegen. Aus der Traum vom islamischen Sozialismus.

Schön und gut, könnte man sagen, aber was geht es uns an?

Natürlich besitzen wir Wirtschaftsbeziehungen dort. Öl gegen Waffen, so könnte man es beschreiben. Den herzlosen Plutokraten in den gläsernen Palästen Europas ist es dabei natürlich egal, mit wem die Geschäfte gemacht werden – Hauptsache der Rubel rollt. Da wird ein Gewaltherrscher schon mal zum lupenreinen Demokraten, die Politikerkaste kassiert ja kräftig mit. Da werden Werte schnell vergessen, lockt doch Geld, man will nach Ende der Amtszeit auch noch in Wohlstand leben.

So weit so schlecht. Außer den wirtschaftlichen Konsequenzen und einer eventuellen Flüchtlingswelle kann Europa jedoch auf ganz andere Art Anleihe nehmen am Schicksal des arabischen Volkes. So traurig es klingt, sie können uns sogar Vorbild sein.

Dort werden die Despoten verjagt, dort wird die Unterdrückung beendet. Bei uns jedoch scheint sich niemand der Unterdrückung bewußt.

Natürlich, ein Gaddafi oder Mubarak regiert mit viel plumperen Mitteln als ein europäischer Despot. Bei uns rollen schon lange keine Panzer mehr, bei uns werden Systemgegner nur in den seltensten Fällen getötet. Bei uns wird mit perfideren Mitteln unterdrückt.

Regimegegner werden nicht getötet, sie werden einfach mundtot gemacht. Ihnen wird der Weg an die Öffentlichkeit verwehrt. Die gleichgeschalteten Medien lassen keine Opposition mehr zu. Freidenker werden denunziert und für verrückt erklärt. Nach rechts wird fleißig die Nazikeule geschwungen, nach links reicht der Einfluss auf die führende Avantgarde, als Hauptfeind wird der böse Rechte ausgewiesen. Als lachender dritter kann das Besitzbürgertum lachend ihr Süppchen kochen. Es kann nach Gutdünken die arbeitende Masse schröpfen, Brot und Spiele stellen den deutschen Arbeiter schon still.

In der arabischen Welt, dort wußten die Jugend, dass sie die Kulis der Systems sind. Bei uns hingegen scheint dem arbeitenden Deutschen nicht klar, dass er nach Strich und Faden ausgebeutet und unterdrückt wird.

Ein ägyptischer Taxifahrer wusste, dass er an die Polizei Schutzgeld zu entrichten hatte. Er wusste, er ist ein Sklave des Systems, alleine hilflos und schwach. Also schloß er sich mit der Masse der Unterdrückten zusammen und rebelierte. Und siehe da, der Tyrann floh.

Ein deutscher Taxifahrer scheint nicht zu wissen, dass er Sklave des Systems ist. Er scheint nicht zu wissen, dass er mit Mindestlohn dahindarben muss, während die Unternehmer und Bonzen in Saus und Braus leben können. Er scheint nicht zu wissen, dass auch er sich mit der Masse der Unterdrückten zusammenschließen kann und rebellieren könnte, die Tyrannen verjagen.

Und hier zeigt es sich, die Männer und Frauen in Tunesien, in Ägypten und im Libyen sind nicht zu bemitleiden, sie sind zu beneiden. Sie kannten ihre Feinde, sie vermochten aufzubegehren. Für sie bleibt zu hoffen, dass sie die Revolution zum wahren Klassenkamopf erheben und einen Schlussstrich unter Unterdrückung und Ausbeutung setzen.

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3 Antworten zu “Was wir von Ägypten lernen können

  1. 2010sdafrika Februar 25, 2011 um 6:27 pm

    Wer sich mit dem Leben von Gaddafi beschäftigt hat, der weiß, dass dieser Mensch stets nach Herausforderungen suchte, die zwischen Banalität und Irrsinn anzutreffen sind. Dementsprechend würde es mich nicht wundern, so die Aussagen einiger arabischer Medien, dass der Revolutionsführer Gefallen an der jetzigen Situation findet, um seine Stärke und Willenskraft unter Beweis zu stellen. Ich hoffe, das libysche Volk wird wie in Tunesien zumindest bei der Abdankung des Staatsoberhauptes siegen wird:
    http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/16/burgerkrieg-droht-in-tunesien-lybiens-blogger-mobilisieren-volk/.

  2. Helmut Februar 26, 2011 um 1:20 am

    Wer nicht auf beiden Augen blind ist, sieht genau, dass die Proteste in Nordafrika von den Vereinigsten Staaten von Amerika gelenkt werden.

    Ziel ist die Destabilisierung der Region.

    Dieses Bildung auf die Bundesrepublik zu spiegeln ist wohl mehr als willkürlich.

    Um sich von der Fremdherrschaft zu befreien, bedarf es erst einmal der Einsicht, dass man weder Herr im eigenen Land ist noch es in naher Zukunft werde kann. Erst wenn der Feind erkannt ist und entsprechend gehandelt wird, besteht die Möglichkeit auf Erfolg.

    • landvolk Februar 26, 2011 um 7:26 am

      So? Wer beweist das? Wikileaks?

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