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Der gerechte Krieg und seine Opfer

Wieder einmal sind zwei Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gefallen. Nein, nicht „gestorben“, „umgebracht worden“ oder „hinterrücks ermeuchelt“, sondern gefallen. Ein in afghanischer Armeekleidung getarnter Widerstandskämpfer griff einen völlig unvorbereiteten Bundeswehrtrupp aus nächster Nähe mit einer Maschinenpistole an, wobei er mehrere deutsche Soldaten verletzte und zwei von ihnen tötlich verwundete. Dahingehend sind die Bundeswehrsoldaten auch keine Opfer im klassischen Sinne, sondern Soldaten, die im Gefecht ihre Pflicht erfüllten – sie wollten für die Lüge in den Krieg, und sie haben ihre Quittung bekommen. Unser Mitgefühl gilt wie immer weniger den jungen Karrieristen, die ihr Haupt im Sand lassen mussten, sondern viel mehr den Familien der Gefallenen. Lediglich die Tatsache, daß es sich bei den jungen fehlgeleiteten Männern, die mit dem höchstem Preis bezahlen mussten, um deutsche Landsleute handelt, ist für uns überhaupt Anlass, ihr Schicksal und seine Hintergründe zu thematisieren.  Wie dem auch sei. Daß es sich um einen Krieg in Afghanistan, mittlerweile auch in der Region Kundus, handelt, das gibt man von offiziöser Staatsseite ja bisweilen immer noch nicht mit klaren Worten zu. Viel mehr redet man immernoch von einem Konflikt, um die Tatsachen herunterzuspielen, insbesondere aber auch, um die Mütter, deren Söhne für die USA in die Wüste flogen, ein Stück weit zu beruhigen.

Und wenn es dann mal knallt bei den Taliban, dann ist das mediale Gejaule groß. Jeder, der sich mit Krieg und dementsprechend auch der Berichterstattung, die über ihn geführt wird, beschäftigt, weiß, daß die jetzige BRD-Variante der Kriegsberichterstattung einen Zenit der Minusmenschlichkeit erreicht hat, die eigentlich kaum noch übertreffen ist. Vermutlich würde es nur eine grüne Claudia oder eine ähnliche obskure Persönlichkeit auf die Reihe bekommen, die Berichterstattung noch minusmenschlicher zu gestalten.

Die Berichte über den Afghanistankrieg sind so durchsetzt mit Verdrehungen, Vertuschungen und schlichten Lügen, daß die anderen medialen Schauerstücke unserer Stasi-Presse fast schon in den Schatten gestellt werden. Mehr Niederträchtigkeit liest man eigentlich nur noch in der Berichterstattung über vermeintliche deutsche Nationalisten, die der Medienkolloss zu herz- und seelenlosen Monstern stilisiert haben will, die für jeden Menschen eine potentielle Gefahr darstellen würden. Auch beim Afghanistankrieg ist man sehr darum bemüht, ein bestimmtes Bild der Szenerie zu kreieren, und zwar so, daß das Ferkel auch weiterhin als große Feldherrin der Freiheit und Gerechtigkeit gilt und insbesondere auch so, daß der Krieg eigentlich gar kein Krieg ist, sondern nur eine kleine Bagatelle am Rande des Weltgeschehens.

Somit verwundert es auch herzlich wenig, wenn sich der dahinsiechende und politisch vermutlich bald selbst ins Abseits befördernde FDP-Chef Guido Westerwelle künstlich über den Angriff empört, von einem „hinterhältigen Terrorakt“ schwadroniert und den Krieg abermals auf eine vermeintlich zivile Ebene rücken möchte. „Es war ein Angriff auf all jene, die sich für ein friedliches Afghanistan einsetzen“, heißt es da, als würde man den Krieg ironisch auf die Schippe nehmen wollen. So hätte man einen solchen dümmlichen Satz eher von einem drittklassigen Kabarettisten denn von einem hochrangigen Politiker erwartet, wobei es da mittlerweile eh keine sonderlichen Unterschiede mehr geben dürfte. Aus afghanischen Soldaten des Widerstands werden Terroristen, aus gut geplanten Überraschungsangriffen werden hinterhälte Terrorakte. Solcherlei Verdrehungen sind gerade aus dem Mund des Westerwelle unbedingt notwendig, gehört die FDP bekanntermaßen ja auch zu jenen Parteien, die den Afghanistan-Feldzug wehement unterstützen – und würde es komplett nach der FDP gehen, dann würden just in diesem Augenblick auch Särge aus anderen Kriegsgebieten, wie etwa dem Irak, eintrudeln, und auch dann würde man wieder von Terror, Hinterhältigkeit und Feigheit schwafeln.

Dem ganzen Geheuchel gegenüber stehen nicht nur die vom Staat allein gelassenen Angehörigen der Gefallenen. Sie werden mittlerweile gemerkt haben, daß ihre Liebsten für einen Scheiss gefallen sind. Nicht nur die nackte Realität steht dem Geheuchel gegenüber, sondern auch ein diesmal wahrlich hinterlistiger Anschlag, der nicht etwa von Taliban, sondern von nahezu allen etablierten Parteien ausgeführt wurde – nämlich auf die Ehre – insofern davon noch etwas vorhanden sein sollte – der eigenen Soldaten. So kennen wir die Geschichten von Oberst Klein und den afghanischen Zivilisten, die bei einem Gefecht ums Leben kamen, weil Widerständskämpfer sich unter sie mischten. Der bombardierte Konvoi wurde zum Diskussionspunkt nummer Eins, während die gefallenen deutschen Soldaten mehr oder weniger beiläufig erwähnt wurden. Politiker jeglicher Couleur fielen den Truppen in den Rücken, die sie selbst in die Wüste schickten, ja verurteilten sie sogar als Kriegsverbrecher und gar Schlimmeres. Die Gerichte liefen heiß und den Soldaten flogen nunmehr nicht nur Kugeln, sondern auch Staatsanwaltsschreiben um die Ohren. Solche Abgründe menschlicher Hinterlistigkeit hat man in Deutschland bisher selten gesehen.

Am Ende bleibt nur noch festzuhalten, daß der aktuelle Fall mit den zwei Soldaten zwar tragisch sein mag, letztendlich aber keine Bewusstseinsveränderung herbeiführen wird. Solange unsere Landsleute weiterhin nur halbherzig gegen den Krieg sind, in nicht geringen Teilen sogar die Lügengeschichten des Staates glauben, werden diese beiden Soldaten auch weiterhin als Märtyrer des Friedens in das Volksbewusstsein eingehen. Solange die Hintergründe des Afghanistanfeldzuges nicht bekannt sind, vermögen die Deutschen seine Bedeutung nicht zu erkennen. Erst, wenn wir alle erkannt haben, daß der Afghanistanfeldzug ein Vasallenkrieg ist, den dieser Staat auf Geheiß des US-Imperiums sowohl gegen unsere als auch gegen die Interessen des afghanischen Volkes führt, kann sich ernstzunehmender Widerstand gegen diese tötliche Selbstversklavung regen und erst dann kann dieser profitsüchtige Wahnsinn beendet werden. Bis dahin jedoch werden wir weiterhin die schnöden Rechtfertigungen und Lügen vernehmen, die sie schon seit Jahren versuchen, uns einzutrichtern.

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