Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Zur Situation in Ägypten Teil 2

Die Proteste gegen den eingesetzten Staatschef Mubarak gehen weiter. Gestern und vorgestern kam es wieder zu herzhaften Protesten, die zwar weitestgehend ohne Gewalt, dafür aber mit umso mehr symbolischer Kraft abgehalten wurden. Derweil soll die Armee bereits eindeutig versichert haben, daß sie nicht auf das Volk schießen wolle – laut Al-Jazeera hänge alles vom Verhalten eben jener Armee ab.

Außerdem gibt es neue Gerüchte und Spekulationen über die „Banditenbanden“, die wir in einem vorherigen Beitrag ebenfalls erwähnten. Hier war nicht ganz klar, ob es sich um revolutionäre Milizen oder um Kriminelle handelt. Im Nachhinein kann man sagen, daß es sich bei diesen leicht bewaffneten Gruppen in erster Linie um sich selbst schützende Gruppen handelte, die sich gerade vor der räuberischen Gefahr schützen wollten. Überdies sollen die meisten Kriminellen, die in Kairo und anderen Städten plünderte und brandschatzten, Agenten des Diktators Mubarak gewesen sein, um die wahren Ziele der Opposition zu verschleiern.

Auch auf Al-Jazeera bezichtigten die Demonstranten die Plünderer, zivile Polizeikräfte zu sein, die unter falscher Flagge die Proteste in Verruf ziehen wollen. Dieses Szenario erscheint durchaus wahrscheinlich, hält ein sterbendes System in der Regel keinen seiner Reißhunde zurück,  wenn es sich in die Ecke gedrängt sieht.

Israel ermahnt uns übrigens, nicht zu starke Kritik an „Ägyptens Mubarak“ zu äußern. Die Beziehungen zwischen dem Marionettenpräsidenten und der israelischen Regierung waren weitestgehend gut – Schurken verstehen sich untereinander und das ist schon immer so gewesen. Kein Wunder also, daß Israel die soziale Not des ägyptischen Volkes ignoriert und lediglich an seine formidablen Außenbeziehungen denkt, mal wieder so, als sei das gelobte Land der Mittelpunkt der Welt. Eher sollte das Gequängel der israelischen Kinder- und Völkermörder Anlass für uns sein, zu begreifen, daß dem ägyptischen Volk gar nichts besseres passieren kann, als den US-israelisch-gesteuerten Diktator loszuwerden.

Das Verhalten der Vereinigten Staaten ist momentan nicht ganz durchsichtig. Offenbar versucht die US-Administration (mit dem „diplomatischen“ Obama an der Spitze), sich weder auf die eine, noch auf die andere Seite zu schlagen. Man will hier offenbar warten, bis sich die Wogen glätten. Unwahrscheinlich ist allerdings, daß sich die US auf den Willen des ägyptischen Volkes einlassen würden. Jener kommt dem der Muslimbruderschaft bedeutend nahe, was letztere auch zu einer der mächtigsten religiös-sozialen Organisationen dort macht. Im deutschen Fernsehen hat man gestern bei „Hart aber fair“ darüber hinaus versucht, die Muslimbrüder zu einem herkömmlichen fanatischen Haufen islamischer Extremisten zu verklären. Der Westen scheint also seine regen Probleme mit den Alternativen in Ägypten zu haben.

Neben den zahlreichen Oppositionellen haben sich mittlerweile auch Mubarak-Anhänger gefunden. Es ist davon auszugehen, daß es sich dabei im Wesentlichen um nützliche Idioten handelt, die wohl angeführt werden von staatlich gesteuerten Köpfen. Beide Gruppen lieferten sich unter anderem auch heute Straßenschlachten in Kairo; die Armee versuchte, die Auseinandersetzungen zu beenden und bezog keine eindeutige Position.

Im Augenblick sieht alles so aus, als würde sich in Ägypten in naher Zukunft – vermutlich bis zu den nächsten Wahlen im September – eine militärische Regierung bilden. Das Militär scheint nicht mehr – zumindest nach eigenem Bekunden – auf der Seite „ihres“ Präsidenten zu stehen. Es ist möglich, daß die Armee Mubarak in absehbarer Zeit zum Abdanken auffordert.

Dann gibt es noch zwei Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte: Die Armee ist rechtschaffend und versucht, eine wirklich demokratische Struktur zu gewährleisten und zu errichten, oder die Armee wartet nur darauf, einen Strohmann im Sinne des Imperium Wests einzusetzen. Im Augenblick ist alles möglich, allerdings sollten wir uns darüber im Klaren sein, daß in der Politik nichts dem Zufall überlassen wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: