Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Der deutsche Wille nach Ordnung

Der Deutsche Michel: ermattet und schläfrig.

Wir leben in einem Staate, welcher versucht, uns zu erklären, was Frieden ist. Und durchaus, er pflegt den Frieden. Schließlich befindet sich das deutsche Volk nicht im Krieg, denn kein Krieg soll jemals noch einmal von deutschem Boden ausgehen, so heißt der Grundsatz. Und scheinbar hat der Liberalismus-Kapitalismus Europa in ein Zeitalter verholfen, welches von Frieden und Wohlstand geprägt ist. Seit dem der große Weltenfeind, die kommunistische UdSSR, zuvor Hitler-Deutschland, sich mehr oder weniger in Luft auflöste und verschwand, haben gerade wir Europäer keine wirklichen Feinde mehr. Wer denn auch? Die Schwerter der episch-heldischen Schlachten der deutschen Luftwaffe, die im Rahmen des Kosovokrieges für Volk und Vaterland Bombenteppiche abwarfen, sind schartig geworden. Der Bundeswehrsoldat experementiert nun in Afghanistan, ja. Aber das ist kein Krieg, das ist nur ein Konflikt, dort sterben und bekämpfen sich die Menschen anders. Also scheint es uns doch ganz gut zu gehen. Wir haben keine Feinde! Welches Glück der Erde könnte uns holder sein? Der Terrorismus, der hat’s nur auf Amerika abgesehen. Das sind die Bösen, wir Europäer sind die Guten. Wir leben im Frieden und im Wohlstand. Wir leben und lieben die Freiheit wie kein anderer auf der Welt.

Also, befinden wir und denn nicht nur in einem Staate, der uns erklärt, was Frieden ist? Er zeigt uns, was Frieden ist! Sein Frieden ist auch unser Frieden, seine Ruhe ist auch unsere Ruhe, seine Bedürfnisse werden zu unseren Bedürfnissen. Es gibt keine Feinde, und wenn es sie gibt, dann wird der Staat, der Westen, die Gemeinschaft ihn für uns ausmerzen. Es gibt Feinde im Ausland, ja. Es gibt verdeckte Schläfer, Agenten, Schnüffler, Gesinnungstäter. Aber die sind nicht hier, die sind woanders. Überall dort, wo Al Kaida sich aufhält, nehmen wir an. Al Kaida gib’s aber nicht in Deutschland, und einen Anschlag gab es auch noch nicht. Wahrscheinlich, so glauben die Deutschen, liegt es daran, daß wir nach dem 2. Weltkrieg so brav und umgänglich waren. Wir wollten niemandem etwas Böses, warum also soll uns jemand beschädigen wollen? Das ist doch das, was wir Deutschen wollen: Ruhe, Ordnung, Sicherheit, Beständigkeit. Der Teutone verachtet das Chaos wie die Katze das Wasser. Er hasst die Unruhe, den Sturm und den Drang, das Ungewisse. Der Deutsche ist ein geregelter Mensch, somit hält er sich an die Regeln. Er glaubt, weil er glauben will. Er pflegt die Regel, weil er es richtig findet, daß es sie gibt. Er sucht die Ordnung, und er findet sie.

Dies Verhalten ermöglicht es dem Deutschen, Staatswesen effektiv und langwierig zu gestalten. Wir sehen dies an der BRD: Ein völlig marodes Staatskonstrukt, welches mit der aller größten Wahrscheinlichkeit noch weit abgewrackter wäre, würde keine deutsche Wertarbeit jenes System unterfüttern und nähren – sodenn die deutsche Fachkraft nicht ohnehin schon den Chinesen ihr Geschäft erklärt und dafür fürstlich entlohnt wird. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen.

Das Ordentliche im Deutschen hat aber ebenso zur Folge, daß Passavität in Situationen gewählt wird, an denen sie nicht angebracht ist, sondern im Gegenteil, fatal wäre. Wir ersehen dies an der Folgezeit der Revolution von 1848, die durch deutsch-bürgerliche Unentschlossenheit und Angst vor dem Chaos zunächst scheiterte und durch die drauf folgende Zeit des Biedermeiers vollends im Keime erstickt wurde.

Ähnlich konnten wir nach dem zweiten Weltkrieg erkennen, als ein zuvor unerbittlich kämpfendes Volk zu einem Heer schweigender Väter und betrübter Müter wurde, das seinen Kindern nur die Niederlage in Trümmern überreichen konnte. Statt diese Niederlage aber als Anlass zu nehmen, weiterzukämpfen, war der Deutsche abermals des Chaos müde. Ganz genau so, wie es sich in der politischen Frontsoldatenzeit der Reichswehrverbände nach dem 1. Weltkrieg veräußerte. Er wollte nicht mehr kämpfen, kein Blut vergießen, nicht mehr töten auf der Straße und dem Schlachtfeld. Die Parallelen, die sich in der deutschen Geschichte aus dem Betrachtungswinkel ergeben, sind bemerkenswert. Die Nachkriegsresignation soll als krassester Rückzug der deutschen aus dem öffentlich-politischen Leben in die Geschichte eingehen und erst durch die Aufstände um ’68 beendet werden. Jene Aufstände jedoch empfinden wir als substanzlos, vom Individualismus und Hedonismus getrieben.  Sie brachten mehr Schlechtes als Gutes mit sich, denn mit durchaus anzuprangernden stelzig-altbackenen Pflichtwerten wurden ebenso wichtige wie schöne Traditionen angefechtet und als etwas Zwanghaftes und Unheilvolles interpretiert. Die Bahn für ihre Abschaffung wurde frei geräumt von jenen, die etwas Neues wollten, doch nur das Nichts ihren Erfolg nennen können.

Die Aufhebung grundlegender kultureller und traditioneller Werte der deutschen Gemeinschaft haben also, wie wir heute sehen, zu einem krassen Anstieg der Dekadenz und dem individualistischen Ungeist geführt. Doch das schlimmste ist, daß jene Aufstände wiederrum zu einer neuen Resignation geführt haben. Die Arbeit des modern-deutschen Aufständlers war getan. Noch bevor er sich erneut nach Ruhe sehnte, konnte der Staat ihm seine Ruhe garantieren. Und so verwundert es wenig, daß viele Agitatoren der ehemaligen APO in den mittlerweile stark verbürgerlichten Grünen Partei ihre politische Heimat gefunden haben. Vom Saulus zum Paulus – eine Wandlung, die der Deutsche bravourös beherrscht.

Heute sehen wir uns einer neuen Spielart des Biedermeiers gegenüber. Die deutsche Jugend interessiert sich nicht für Politik – das hat es immer gegeben. Doch während sie sich nicht im Ansatz für ihre Zukunft intereressiert, fixiert sie ihr Denken fluchtartig auf die Gegenwart. Nun, wo Lütte und Mädel wissen, daß die Zukunft schwer wird, versuchen sie, sich – wie das Eichhörnchen, was im Winter die Nüsse verscharrt – in der Gegenwart abzusichern. Es geht um Karriere, um gute Ausbildung. Fundamentale Facetten des Lebens, wie das Kinderkriegen, das Gründen einer Familie, das Aufhalten und pflegen einer solidarischen Gemeinschaft werden vernachlässigt und absurderweise hinten angestellt. Mit Erschrecken müssen wir feststellen, daß unsere Jugend stärker als je zuvor am Haken der liberalistischen Irrlehre angebissen hat. Der Liberalismus schert sich nicht für die Zukunft. Seine volle Aufmerksamkeit gehört der Gegenwart.

Woher kommt diese Naivität der Deutschen? Und warum sind die Alten nicht in der Lage, den Jungen ihre Lage zu erklären? Zunächst zur ersten Frage. Die deutschen Jugendlichen, die erpicht sind auf ihr karrieristisches Dasein, auf ihren beruflichen Erfolg, fürchten sich davor, als Verlierer dazustehen. Sie wissen, daß, wenn sie sich in einer Situation befinden, in der die illusionäre Blase der Harmonie und Ordnung – wie sie die Deutschen in krasser Ausprägung um sich spannen – zu platzen droht, sie aus der Ordnung in die Unordnung. Denn auch Prekarier sein, kann Kampf bedeuten: Der Kampf mit den Ämtern, mit den platten Gemütern, die ihn Schmarotzer schimpfen, oder gar kriminelle und militante Varianten des Kampfes, die die Sache plausibler erscheinen lassen. Man weiß: Wer Geld hat, bei dem läuft alles in geregelten, ordentlichen Bahnen ab. Der deutsche Wunsch scheint erfüllt, wenn das Haus mit Garten samit Gartenzwergen seinen Platz gefunden hat. Jenes Bild, welches im Biedermeier oftmals Verwendung fand, ist in den deutschen Schädel eingebrannt.

Was ist mit den Alten? Gewiss, die Alten, mag man sagen, sie wissen, was passiert. Doch noch viel weniger als die Jugend, wissen die Alten, was gegenwärtig in unserer Heimat passiert. Waren sie nicht selbst Teil der falschen Revolte von ’68, so waren sie gewiss in irgendeiner Art und Weise Profiteure des „Wirtschaftswunders“, der Milch-und-Honig-Zeit der Bundesrepublik, die der alte Deutsche nicht mehr aus seinen schönen Erinnerungsträumen löschen möchte. Für ihn existiert hier immernoch jenes System, in welchem es Zeiten gab, in denen Fahrräder samt Ausbildungspatz verschenkt wurden, in denen die Arbeitgeber sich um den Arbeitnehmer – und nicht umgekehrt – gestritten haben. Es war die Zeit eines illusionären Wohlstands, dessen Saat damals gelegt wurde und dessen Blütentrieb wir heute betrachten dürfen. Streng dich an in der Schule, sagen die Alten. Such dir eine gute Arbeit, schlag dich durch! Doch kein Wort von Fehlern im System, kein Wort davon, daß man nicht immer der Alleinschuldige ist, wenn die Karriere nicht so klappt, wie man es möchte, wenn sich der German Dream ausgeträumt hat. Die Zeit, in denen der Alte gleichzeitig – und ohne Wenn und Aber – auch als der Weise galt, sind lang vorbei.

Der deutsche Wille nach Ordnung wird ihm dann und wann zum Verhängnis. Er verwischt seine Sicht der Dinge und lässt ihn versteinert in einer chaotischen Welt, die er um jeden Preis geordnet gezeichnet sehen will. Noch ahnt er nicht, welch ein Chaos auf ihn zukommt. Auf uns wartet die EU-Krise, der Euro-Zusammenbruch, der Zusammenbruch des Dollars und letztendlich auch der unausweichliche Bürgerkrieg zwischen autochtonen Deutschen und Ausländern, Jung und Alt, den politischen Gruppen, den Religionen, den Eliten, der in Form von Provokation und Geplänkel bereits eine erste schleierhafte Gestalt angenommen hat. Insgeheim weiß der Deutsche es, wissen wir es. Eines wissen wir außerdem: Beendet der Deutsche von sich aus die Zeit des passiven Zuschauens und wandelt seine Energien, die er im Privaten sonst auf mannigfaltigste Art und Weise verbraucht, in politischen Protest um, kann er wieder Herr im Hause werden. Aus dem Protest soll die Revolte werden und aus der Revolte die Revolution – aus der Revolution soll sodenn der deutsche Sozialismus in seiner ganzen Reinheit und Gerechtigkeit werden. Denn nicht nur Ordnung ist das, was den Deutschen auszeichnet, sondern auch Gründlichkeit. Und der Deutsche ist bekannt dafür, eine Sache zuendezuführen, so weit entfernt das Ziel auch liegen mag – daher geht er auch regelmäßig mit Nibelungentreue mitsamt seinem Staatswesen unter, doch nicht bevor er nicht die Welt in reges Erschüttern versetzt hatte.

Nach dem Fall kommt der Aufstieg. Wollen wir selbst Teil dieses Aufstiegs sein, müssen wir daran mitwirken, den Biedermeierkomplex zu beenden. Der Deutsche braucht in diesem Augenblick kein politisches Programm. Er braucht einen Grund, welcher es ihm wertvoll erscheinen lässt, den Flur zu verlassen und sich auf die Straße zu begeben. Und so, wie der Deutsche in Zeiten der Passivität zur Feigheit und Wendehälsigkeit neigt, so neigt er in Zeiten des Aufruhes zu einem mutigen Herzen und einer komprimisslosen Ader.

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