Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Volk wer, wo, was oder warum nicht? – Arbeitsthesen zu einer humanwissenschaftlichen Volkstheorie

Von Henning Eichberg.

VOLKSLUST | 1. Herausforderungen

Es gibt zahlreiche Staats- und Markttheorien, aber so gut wie keine Volkstheorie. Die Vernachlässigung dieses dritten Bereichs muss einen tieferen Sinn haben – und ist dennoch nicht hinzunehmen.

„Volksstimme“, „Volkswille“, „Volkszeitung“, „Volksstaat“, „Volkspresse“ und „Volksfreund“ oder auch einfach „Das Volk“ – so hiessen klassische Zeitungen der Linken. Haus des Volkes, Volksdemokratie, Volkssolidarität, Volkskammer – „Dem Volke dienen“, „Sieg im Volkskrieg“, „people’s liberation“ – Volk war stets ein Grundbegriff der Linken. Aber Sozialisten entwickelten bislang allenfalls Klassentheorien, keine Volkstheorie. In lichtesten Augenblicken sprach man vom „eigenen Weg jeden Volkes zum Sozialismus“.

„Für König, Volk und Vaterland“, „Völkischer Beobachter“, „Ein Volk, ein Reich ein Führer“, „Österreichische Volkspartei“ – auch die Rechte bezog sich immer wieder auf das Volk. Aber die theoretische Anstrengung richtete man eher auf anderes, insbesondere auf Staatstheorien. Auch auf Elitetheorien oder im problematischeren Fall auf Rassentheorien. Der Volksbegriff ist unbequem. Wiederholt hat man versucht, den Volksbegriff zu ersetzen durch „Bevölkerung“. Das ist mehr als sprachliche Kosmetik. Das Subjekt gesellschaftlichen Handelns – „wir“ – wird unsichtbar gemacht zugunsten einer Kategorie administrativer Beherrschung: „die da“.

Es gibt Versuche, das Volk der Demokratie zu ersetzen durch „den Bürger“. Damit wird das kollektive Subjekt politischen Handelns ersetzt durch die Konstruktion des Einzelnen. Das passt in die neoliberalen Individualisierungsstrategie. Der Mitbürgerismus wendet sich gegen die unbürgerlichen oder gar antibürgerlichen Untertöne des Volksbegriffs.

Das moderne „Volk“ und die Demokratie entstanden parallel und waren im historischen Prozess miteinander verbunden. Der Demokratiebegriff setzt einen Volksbegriff voraus. Demokratietheorie wurde jedoch stets der Staatstheorie untergeordnet, als ob es die Notwendigkeit einer Abklärung hinsichtlich des „Volkes“ nicht gebe. Demokratie – „Volksherrschaft“ – ohne Volk, das ist Herrschaft. Nichts als Herrschaft.

Das Volk ist nicht harmlos. Die Geschichte der Moderne ist eine Geschichte von Völkermord, Genozid und Ethnozid. Man mag das „Volk“ tabuisieren oder sprachlich wegretuschieren, die Bedrohung der „bedrohten Völker“ bleibt – oder verschärft sich.

Weiter auf magazin-volkslust.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: