Arbeitertum

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Untergang oder neue Ordnung?

Von Ernst Jünger (aus: Deutsches Volkstum, Mai 1933)

Die Frage „Untergang oder neue Ordnung“ ist nicht erst im Anschluss an den verlorenen Krieg aufgetreten; sie wurde bereits vor dem Kriege in mannigfaltiger Weise gestellt und in ebenso mannigfaltiger Weise beantwortet. Darüber hinaus lässt sich sagen, dass diese Fragestellung nicht nur unserer, sondern im Grunde einer jeden Zeit innewohnt, dass ihr also wohl eine jener Fragen zugrunde liegen muss, die, wie die nach der Freiheit oder der Unfreiheit des Willens, immer wieder gestellt und immer wieder beantwortet werden, ohne dass der Geist müde wird, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Diese Tatsache hängt damit zusammen, dass das Leben sich in einem Elemente der Veränderung vollzieht, dass es in jedem Augenblicke geboren wird und in jedem Augenblicke stirbt. Der Verfall einer alten und das Wachstum einer neuen Ordnung stehen in so engen Beziehungen zueinander, dass es nicht erstaunen kann, dass zu ein und derselben Zeit auf der einen Seite die Symptome des Unterganges mit wissenschaftlicher Genauigkeit beschrieben werden, während auf der anderen der starke Glaube an ein neues Leben besteht. Der Eintritt einer jeden neuen Generation in den Lebensraum ist von den Klagen von Vätern begleitet, die „die Welt nicht mehr verstehen“ und es wird immer müßig bleiben, entscheiden zu wollen, wer sich hier im „Recht“, wer sich im „Unrecht“ befindet, denn es handelt sich um keinen logischen Konflikt, sondern um einen dramatischen.

In Bezug auf unsere besondere Lage lässt sich feststellen, dass die Frage „Untergang oder neue Ordnung“ in ein neues Stadium zu treten beginnt. Schon lange vor dem Kriege verfügten wir über Beschreibungen der Décadence, in denen eine sehr genaue Kenntnis über den wirklichen Stand unserer Rüstung zum Ausdruck kam, eine Kenntnis, die sich durch den herrschenden Optimismus nicht bestechen ließ. Nach dem Kriege änderte sich dieses Verhältnis in einer Weise, die die pessimistischen Weltaspekte auch im Allgemeinbewusstsein zur Vorherrschaft brachte, und es wird sich wohl erst später beurteilen lassen, ob und inwiefern eine Art der Betrachtung fruchtbar war, hinter der die Haltung eines besiegten Volkes unschwer zu erkennen ist. Es handelte sich wahrscheinlich darum, den vollen Umfang festzustellen, in dem wir geschlagen waren, und insofern ist die Bestandsaufnahme des Unterganges zugleich die Voraussetzung des Überblickes über jene unberührten und noch unverletzten Gebiete, die einer neuen Rüstung zur Verfügung stehen. Müssten wir also etwa den „Untergang des Abendlandes“ als erwiesen ansehen, so läge darin nicht nur eine Erkenntnis, sondern zugleich eine Lehre für uns, denn diese Erkenntnis zwingt uns zur Besinnung auf das, was uns von jener Zone des Unterganges trennt. Es ist wohl kein Zweifel mehr darüber, dass wir, insofern wir als „gute Europäer“ in den Krieg zogen, vollkommen geschlagen sind, es bleibt uns aber die Frage, ob wir nicht noch über andere, entscheidendere Schichten verfügen, die zu einem neuen und eigentümlichen Aufstande entfaltet werden können, die Frage also, ob wir über einen Schwerpunkt verfügen, dessen Lage durch die Umwälzung nicht verändert wird.

Darüber, ob sich unsere Zeit wirklich in einer Umwälzung befindet, kann wohl kein Zweifel sein, erlebt doch jeder einzelne von uns die Folgen dieser Umwälzung an sich selbst und an seinem eigenen Schicksal, zumindestens insofern, als er als Leidender von ihnen betroffen ist. Wir befinden uns in der Tat inmitten von Veränderungen, von denen sich heute schon sagen lässt, dass die denen, die die Französische Revolution hervorbrachte, an Rang und Umfang überlegen sind, ja, dass man sie den großen und erfolgreichen Eingriffen der deutschen Reformation und vielleicht sogar denen der Völkerwanderung als ebenbürtig zur Seite stellen kann.

Bei dem Versuche, diese Veränderungen im Einzelnen zu überschauen, werden wir durch ihre Ausdehnung, durch ihre Mannigfaltigkeit und durch ihre zerstörerische Wirkung überrascht. Wir sehen nicht nur weite Räume des Erdballes durch Kriege und Bürgerkriege in Anspruch genommen, sondern wir sehen auch jenseits der rein politischen Welt eine Fülle von Umwandlungen sich vollziehen, so etwa auf den Gebieten der privaten Lebensführung, der Wirtschaft, der Technik, der Wissenschaft – kurzum wir finden wohl keinen Winkel des Lebens, der entlegen genug wäre, um den Einflüssen der großen Umwälzung unberührt zu entgehen.

Es ist nun die Frage, ob hinter der Summe dieser Veränderungen irgendein Sinn verborgen ist oder nicht. Mit anderen Worten: sollen wir diese Vorgänge, deren Zeugen und Teilnehmer wir sind, als die Anzeichen eines völligen und nicht wieder gut zu machenden Zusammenbruchs betrachten, oder sind wir berechtigt, in ihnen die gewiss schmerzlichen, aber doch sinnvollen Vorbereitungen einer umfassenden Neuordnung zu sehen? Wir wissen, dass sich sowohl die eine als auch die andere Ansicht mit guten Gründen verfechten lässt, und dass der Streit zwischen diesen beiden Ansichten einen großen Teil der Auseinandersetzung bildet, die unserer Zeit eigentümlich ist.

Dieser Streit ist ohne Zweifel wichtig und nicht etwa lediglich weltanschaulicher Natur, denn man denkt ja nicht nur anders, sondern man handelt auch anders, je nachdem ob man eine neue Ordnung zu erkennen glaubt oder nicht. Wir wollen uns jedoch hier vorläufig nicht an dieser Auseinandersetzung beteiligen, sondern wir wollen versuchen, auf eine andere Art an die große Frage „Chaos oder neue Ordnung?“ heranzugehen. Wir wollen uns zunächst fragen, welche Kennzeichen oder welche Vorbedingungen denn ganz allgemein vorhanden sein müssten, damit von einer neuen Ordnung überhaupt gesprochen werden kann.

Diese Frage ist dahin zu beantworten, dass es drei große Vorbedingungen sind, von denen die Verwirklichung einer neuen Ordnung abhängig ist. Es muss erstens ein neues Prinzip oder eine neue Gesetzmäßigkeit vorhanden sein, die die innere Einheit der werdenden Ordnung garantiert und ihr die Maßstäbe schafft. Es muss zweitens ein neuer Mensch zu erkennen sein, der dieses Prinzip zur Durchführung bringt und es zum herrschenden erhebt. Drittens müssen sich neue und überlegene Formen andeuten, in denen die Tätigkeit dieses Menschenschlages zum Ausdruck kommt.

Wir wollen uns diese drei Forderungen kurz an einem geschichtlichen Beispiel anschaulich machen, nämlich an dem der Französischen Revolution. Es ist hier übrigens zu warnen vor jedem Bestreben, das in den Verhältnissen, in denen wir uns befinden, eine Art von Wiederholung jener Revolution erkennen will. Unsere Lage ist eine ganz andersartige, und das Gemeinsame dieser beiden Geschichtsabschnitte besteht nur darin, dass hier wie dort eine entscheidende Umwälzung zu beobachten ist.

Das neue Prinzip also, das in der Französischen Revolution zum Durchbruch kam, bestand im Wesentlichen im Prinzip der Freiheit, wie es in der Verkündung der allgemeinen Menschenrechte zum historischen Niederschlag gekommen ist. Der neue Mensch, der dieses Prinzip verfocht und zur Herrschaft brachte, war der bürgerliche Mensch; sei es nun, dass er in diesem Kampfe, wie etwa bei der Erstürmung der Bastille, als Masse auftragt, sei es, dass er eine Reihe von glänzenden, individuellen Begabungen hervorbrachte, oder sei es, dass er in besonderen militärischen Ordnungen auch außenpolitisch zu triumphieren verstand. Was nun endlich die neuen Formen betrifft, in denen dieser Menschenschlag seinen Willen zum Ausdruck brachte, so sind sie zu zahlreich, um im Einzelnen aufgeführt werden zu können. Ihr gemeinsames Kennzeichen besteht in ihrer allgemeinen Natur; es sei hier erinnert an das sich immer entschiedener ausbildende allgemeine Wahlrecht und die aus ihm hervorgegangenen Körperschaften, an die allgemeine Bildung und ihren Einfluss auf die kulturellen Einrichtungen, an die allgemeine Wehrpflicht, die das Auftreten neuartiger Massenheere im Gefolge hat, und endlich an eine von allen Schranken des Ständestaates befreite wirtschaftliche Konkurrenz, an der sich, wenigstens theoretisch, jeder beteiligen kann. Alle diese Formen sind eng untereinander verbunden; sie alle sind auf das Grundprinzip des neuen Freiheitsbegriffes zurückzuführen, und es ist der neue Menschenschlag, der sich ihrer mit besonderem Erfolge bedient.

Wir sehen hier also sehr deutlich die drei Vorbedingungen zu einer wirklichen Umwälzung, nämlich das neue Prinzip, den neuen Menschen und die neue Form. Es erhebt sich nun die Frage, ob diese Vorbedingungen auch in unserer, so ganz andersartigen Zeit zu sehen – oder wenn noch nicht zu sehen, so doch wenigstens zu erraten sind? Wir beantworten diese Frage positiv, und bezeichnen die Arbeit als das große und umwälzende Prinzip, das unsere Zeit bewegt. Hier könnte sich der Einwand erheben, dass es sich insofern um kein neues Prinzip handeln kann, als es die Arbeit ja schon immer gegeben hat. Dies ist freilich richtig, und ebenso gut hätte man 1789 einwenden können, dass es die Freiheit ja schon immer gegeben habe. Aber ebenso gut, wie es sich damals um eine besondere, nämlich im Grunde um die bürgerliche Freiheit handelte, so handelt es sich heute um eine besondere Form der Arbeit, um Arbeit als einen eigentümlichen und großartigen Lebensstil, also um Arbeit als ein neues Prinzip.

Wenn nun wirklich eine besondere Art der Arbeit als neues und umwälzendes Prinzip in Erscheinung tritt, so muss dies auch auf allen Einzelgebieten des Lebens nachzuweisen sein. Ein solcher Nachweis ist in der Tat möglich – er sei kurz durch einige Beispiele belegt. Es sei zum besseren Verständnis die allgemein bekannte Tatsache vorausgeschickt, dass der neue Arbeitsstil sich mit Vorliebe durch besondere mechanische Mittel zum Ausdruck bringt, und dass er auf den ersten Blick, wo er auch auftreten möge, an einem präzisen Rhythmus zu erkennen ist, der durchaus unserer Zeit und keiner anderen eigentümlich ist. Wir sind uns gemeinhin kaum bewusst, wie sehr dieser Rhythmus bereits in uns sehr geläufige und ganz alltägliche Vorgänge eingedrungen ist. So hat sich der Verkehr, etwa der Straßenverkehr, immer deutlicher zu einem ausgesprochenen Arbeitsvorgange entwickelt, dessen Gesetzmäßigkeit sich nicht nur auf die Verkehrsmittel, sondern auch auf die Bewegungen des Menschen erstreckt.

Eine ähnliche Umwandlung gewohnter Tätigkeiten nehmen wir auch in Bezug auf die Berufe wahr. Man versteht vielleicht sofort, ohne sich zunächst darüber klar zu sein, warum, dass etwa die Tätigkeit des Arztes, eines Apothekers, eines Landwirtes, eines Polizisten in unserer Zeit ganz entscheidende Veränderungen erfahren hat und noch täglich erfährt. Der Arzt mit Kassenpraxis oder der Chirurg in einer unserer Kliniken ist natürlich noch ebenso gut Arzt wie ein Hausarzt im 19. Jahrhundert; und doch übt er eine Art der Tätigkeit aus, wie sie damals noch gar nicht vorstellbar war. Der Landwirt, der mit Maschinen pflügt und der Einkauf und Absatz durch moderne Organisationen vollziehen lässt, beteiligt sich mit oder ohne Wissen an einer Umwälzung, deren Tragweite sich noch gar nicht absehen lässt. Endlich leuchtet ein, dass der Polizist, wie wir ihn als Verkehrsschutzmann oder im Wagen des Überfallkommandos beobachten, in einen Arbeitsprozess einbezogen scheint, der vom Sicherheitsdienst, wie wir ihn aus der Vorkriegszeit kennen, durchaus unterschieden ist.

Deutlicher noch wird dieses Verhältnis vielleicht dort, wo es Gebiete berührt, die mit der Arbeit im alten Sinne in gar keinem Zusammenhange stehen. So ist es auch bei Arten der Tätigkeit zu erkennen, die man, wie etwa den Sport, eher mit dem Begriffe der Erholung in Verbindung bringt. Es genügt jedoch, die Sportberichte zu lesen, die in einer durchaus technischen Sprache gehalten sind, oder jenen Übungen beizuwohnen, bei denen der Körper wie ein Präzisionsinstrument behandelt wird, um zu sehen, dass diese Tätigkeiten weder den gymnastischen Spielen der Alten, noch den Turnübungen des Vater Jahn zu vergleichen sind, sondern dass sie in jeder Einzelheit dem Wesen unserer Arbeitswelt angemessen sind. Ähnliche Erscheinungen sind in Bezug auf das Vergnügen nachzuweisen; Lichtspiel und Rundfunk seien in diesem Zusammenhange erwähnt.

Dass ein strenger und nüchterner Arbeitsstil auch im Kriege immer deutlicher zum Durchschlag kam, ist bekannt. Deutlicher als zu Lande trat dies noch in der See- und Luftschlacht hervor, am deutlichsten aber vielleicht dort, wo ein zweites, unsichtbares Heer in ununterbrochenen Tag- und Nachtschichten am Werke war, um die kämpfenden Fronten mit Material und Munition zu versehen.

Dies sind vergangene Zeiten, aber ein Vorgang, in dem wir mitten begriffen sind, bestrebt in der Prägung der Nationen zu Arbeitsgrößen in einem ganz neuartigen Sinn. So laufen die bekannten Fünf-, Vier- oder Zehnjahrespläne auf staatliche Organisation und Steigerung der nationalen Arbeit hinaus; es sind dies Arbeitspläne von einem Umfange, der den veränderten Sinn des Wortes Arbeit sehr deutlich erweist, denn bei Arbeitsplänen dieser Art tritt die Arbeit nicht mehr lediglich als eine ökonomische oder soziale, sondern darüber hinaus als eine politische Aufgabe auf. Die überlegene Meisterung dieses Prinzips ist der entscheidende Prüfstein, an dem die Nation heute ihre Kraft zu erproben hat.

Wir kommen nun zu unserer zweiten Frage, ob nämlich bereits ein neuer Menschenschlag als der Träger dieses Prinzips zu entdecken ist. Auch diese Frage ist zu bejahen; und unsere bisherigen Ausführungen schließen wohl ein Missverständnis aus, wenn wir den Träger dieses Prinzips bezeichnen als den Arbeiter. Der Arbeiter in diesem Sinne ist also nicht aufzufassen als eine rein wirtschaftliche, rein soziale oder auch rein politische Erscheinung; er ist vielmehr darüber hinaus der Träger eines neuen Lebensgefühls und einer neuen Lebensart, die er auf allen Gebieten seiner Welt zum Durchbruch zu bringen sucht. Es fragt sich nun, woran dieser neue Menschenschlag im Einzelnen zu erkennen ist. Diese Frage ist zunächst negativ zu beantworten: eins der entscheidenden Merkmale besteht nämlich darin, dass dieser neue Typus kein Verhältnis mehr besitzt zu jenem Freiheitsbegriffe, der im Anschluss an die Französische Revolution in Erscheinung getreten ist. Es kann daher nicht erstaunen, dass man die Forderungen dieses Menschenschlages nicht auf einen neuen Freiheitsbegriff, sondern auf einen neuen Arbeitsbegriff gerichtet sieht. Strenge Zucht, Ordnung und Unterordnung, Führung und Gefolgschaft, staatliche Autorität, Dienst im soldatischen Sinne begegnen uns als die Forderungen einer Jugend, die der matt gewordenen Ideale eines Jahrhunderts überdrüssig geworden ist. Hiermit hängt zusammen, dass von Rechten weit weniger als von Pflichten die Rede ist. Das Ideal der individuellen Freiheit ist bedeutungslos geworden gegenüber einem Geist, der sein Glück in der straffen Einordnung, im Dienste für große Aufgaben erblickt. Der Einsatz dieses entschiedeneren und einheitlicheren Menschenschlages ist das eigentliche Kapital, das dem politischen Willen in unserer Zeit zur Verfügung steht.

Wir stellten also ein neues Prinzip und einen neuen Menschenschlag fest als die beiden großen Faktoren, die die Voraussetzung einer wirklichen Neuordnung sind. Weniger eindeutig ist die dritte Frage zu beantworten, die Frage nach den neuen Formen, in denen diese Neuordnung zum sichtbaren Ausdruck gelangen muss. Hier befinden wir uns noch mitten im Stadium des Experiments, während man in anderen Ländern, wie in Italien oder Russland, schon zu eindeutigen Entscheidungen vorgedrungen ist. Außer Frage steht jedoch, dass wir wirklich neuartiger Formen bedürfen, und dass wir nicht mit den Einrichtungen auskommen können, die uns aus dem neunzehnten Jahrhundert überliefert worden sind, und in denen sich ganz wesentlich das Prinzip des liberalen Freiheitsbegriffes niedergeschlagen hat. Dies gilt vor allem für die umfassendste Form, für die eigentliche Form aller Formen, nämlich für den Staat. Es ist zu erwarten, dass in ihm ein strengerer Staatsbegriff zur Ausprägung gelangen wird.

Die Notwendigkeit einer autoritären Durchbildung des Staates geht schon aus der Tatsache hervor, dass jetzt auch in Deutschland der Gedanke des Arbeitsplanes das politische Denken zu beherrschen beginnt. Die Durchführung jedes großzügigen Arbeitsplanes aber setzt eine Art der staatlichen Initiative voraus, die der individuellen oder auch der gesellschaftlichen Initiative übergeordnet ist. Sie setzt also Eingriffe in jene politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ordnungen voraus, die in einen Zustand eingemündet sind, den man als Krise zu bezeichnen pflegt. Maßnahmen, wir sie etwa in den Notverordnungen zum Ausdruck gekommen sind, stellen kleine Korrekturen dar, die der Zwang der Tatsachen von Fall zu Fall erforderlich machte; wir haben jedoch einen Zustand erreicht, in dem Korrekturen nicht mehr genügen, sondern der eine Neuformung des Ganzen und der Teile gebieterisch erheischt. Diese Neuformung ist die Aufgabe der nationalen Revolution.

Die Hauptgebiete, auf die sich der Arbeitsplan zu erstrecken hat, sind bekannt. Es handelt sich um Arbeitsbeschaffung in großem Stile, die nicht mehr durch den Einzelnen oder die Gesellschaft, sondern nur durch den Staat, und zwar nur aus einer neuen, verbindlichen Prägung des Arbeitsbegriffes heraus gewährleistet werden kann. Es handelt sich um eine neuartige Heeresorganisation, um den Arbeitsdienst und die planmäßige Siedlung – dies sind drei Gebiete, die in einem sehr engen Zusammenhang stehen. Es handelt sich ferner um die Vereinheitlichung und Steigerung unserer politischen, wirtschaftlichen und technischen Systeme, um die Ertüchtigung und Ausbildung der Jugend in einem neuen Sinn, und um die planmäßige Erweckung zum Widerstand gegen die Rolle, die Deutschland in den so genannten Friedensverträgen zugemutet worden ist.

Dies alles sind Aufgaben, die keineswegs, und besonders nicht in Deutschland, als unlösbar zu bezeichnen sind. Die Art, in der wir sie lösen, wird entscheiden, ob die große Umwälzung, in der wir uns seit langem befinden, in der Geschichte als ein Untergang oder als der Beginn einer neuen Ordnung, eines neuen Aufstieges, verzeichnet werden wird.

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