Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Der Pathos des Unsinns

Man kann sich, auch bei wenig Mühe, genug Dinge ausmalen, die man Merkel-Deutschland ankreiden könnte. Sie aufzuzählen, würde den Sinn und Zweck dieses Artikels verfremden. Eines ist aber sicher: Wenn eine Sache, neben all den anderen, ganz besonders gelitten hat, dann der politische Geist, der von der BRDschen Elite verbreitet wird. Kanzlerin Merkel verbreitet in etwa so viel Motivation und Lebensfreude, wie ein Totengräber und fällt während ihrer ohnehin schon relativ sperrlich gesähten öffentlichen Auftritten in der Regel durch Herumdrucksen und anticharismatischer Disziplin auf. Man könnte fast sagen, all die Miseren, die Deutschland im Augenblick erleidet, spiegeln sich im Antlitz und Verhalten der Kanzlerin wider. Umso ernüchternder die neueste Mitteilung, die dem geneigten Besucher der offiziellen Medienseite der Bundesregierung per Pop-Up aufgedrängt wird. (Siehe Screenshot)

Quelle: bundesregierung.de

Dieser schiere Unsinn ist eigentlich keines Kommentares wert, wir würden dennoch gern einige Dinge zurück ins Gedächtnis rufen, die Frau Merkel bei ihrer neuesten Merkelei ganz offenbar vergessen hat. Vorerst aber die mit drittklassigem Pathos bestückte Danksagung an das Volk:

Sie haben Deutschland zu dem Land gemacht, das die weltweite Wirtschaftskrise am besten gemeistert hat. Ohne die gemeinsame Anstrengung aller wäre uns das nicht gelungen. Sie haben sich trotz Sorgen und Belas- tungen nicht beirren lassen – und so mit Gemeinsinn und Leistung etwas erreicht, was noch vor Monaten undenkbar schien.

Die Welt schaut auf unser Land und spricht von einem Wunder. Ich glaube nicht an Wunder – aber ich glaube an die Menschen in diesem Land: an Ihre Ideen, an Ihre Vernunft, an Ihr Engagement.

Der Herrscher zieht seinen Hut, vermutlich selbst verwundert darüber, wie viel man dem Plebs aus der Tasche ziehen kann, ohne daß er sich wehrt, ja mehr noch, man kann ihm im Anschluss darauf sogar noch für seine teutonische Duldsamkeit auf die dürre Schulter klopfen und ihn zum weitermachen ermutigen. Stellen wir uns Frau Merkel doch einmal als eifrige Bäuerin und das deutsche Volk als ergiebige Melkkuh vor, und wir erkennen keinen Unterschied.

Nicht nur, daß die Krise de facto nicht überstanden ist – wir werde in Zukunft weiterhin darüber berichten -, auch eine gemeinsames Ziel oder eine kollektive Motivation hat nicht annähernd existiert, geschweigedenn zu einer pseudohaften Überwindung der hiesigen Wirtschaftskrise geführt. Es handelt sich hierbei um eine plumpe Lüge, die deshalb so plump ist, weil sie den Menschen im Nachhinein versucht, eine Motivation unterzujubeln, die sie gar nicht verspürt haben. Die Bundesregierung hat die Büchse der Pandorra mit ihrer Zwangsindividualisiernug des Volkes geöffnet und versucht sie nun, auf propagandistisch kümmerliche Art und Weise wieder zu schließen. Ein Trauerspiel, was formgenau auf Frau Merkel zugeschnitten ist. Weiter im Text schreibt die Kanzlerin:

Auch wir in der Bundesregierung haben dafür gearbeitet, die Auswirkungen der Krise in Grenzen zu halten. So hat die Kurzarbeiterregelung geholfen, Arbeitsplätze zu sichern und Fachkräfte zu halten. Die finanziellen Entlastungen für Unternehmen und Familien haben ebenfalls gewirkt.

Wir halten zunächst fest: Die Politbonzerei im elfenbeinturmartigen Bundestag vergleicht ihre Statthaltertätigkeit mit anständiger, schweißtreibender und zwanghafter Arbeit, sie vergleicht ihre Steuereintreiberaktivität mit der tätlichen Schufterei von Familienvätern, die ihre Familien versorgen müssen, mit Leiharbeitern, die augenblicklich die krasseste Form der Ausbeute erfahren, die auf deutschem Gebiet seit langem geherrscht hat; sie vergleicht ihre Nadelstreifen tragende Kaste mit ölbeschmierten Arbeitern, mit krummbuckligen Malochern und kurz vor dem Burn-Out stehenden Angestellten, mit Arbeitslosen, die ihr Leben kaum gestalten können und mit sonst all jenen, die in dieser Gesellschaft zwar Verlierer, gleichzeitig jedoch notwendig für den Erhalt des Systems sind. Sie, die ihre Arbeit lieben, weil sie herrschen, vergleichen sich mit jenen, die ihre Arbeit hassen, weil sie Knechte sind. Wir haben also nunmehr einen Zeitpunkt erreicht, an dem der Herrscher den Knecht offen verhöhnt und zwar in einer Art und Weise, die an Niederträchtigkeit nicht zu übertrumpfen ist.

Und das ist nur die eine Seite der rostigen Medaille. Denn die Bundesregierung mag in ihren Augen Arbeit geleistet haben – und das wollen wir nicht abstreiten, wäre es doch unwahrscheinlich, daß im Bundestag tatsächlich keinerlei Form von Arbeit getätigt würde -, jedoch keineswegs eine Gute. Tatsächlich versucht die Kanzlerin, die Verschärfung der Zeitarbeit und somit den Ausbau eines neuen, sich als massiv ausbeuterisch offenbarenden, Arbeitsmarkt, der neue und krassere Zwangsverhältnisse schafft, als Erfolg zu verkaufen. Kommentar überflüssig.

Im folgenden Text möchte die Bundesregierung vier (ja, ganze vier an der Zahl) Versprechen tun, um dem Untertane zu beweisen, daß man es doch nur gut mit ihm meint. Es ist die Rede von Finanzen, Bildung, Energie und Gesundheit – das übliche BlaBla für den Pseudointeressierten, um ihn ruhig zu halten, damit er nicht nachdenkt. Jeder weiß, daß wir augenblicklich weit mehr Probleme haben, als die angesprochnen Vier der Angela Merkel. Wie auch immer, hier der Text:

Erstes Versprechen: Wir sichern die Finanzen. Wir sparen, um handlungsfähig zu bleiben und investieren zu können. Wir sparen an vielen Stellen, aber nicht an der Zukunft. Das zeigt sich zum Beispiel bei Bildung, Energie und Gesundheit.

Ach, „sie“ (oder Sie?) sparen also, äußerst interessant. Es wäre schon von Interesse, wie oft Frau Merkel oder irgendein anderer x-beliebiger Politiker auf Bundesebene den Pfennig umdrehen muss, um sich Essen für den gesamten Monat zu kaufen? In jedem Fall sieht die Sparmaßnahme so aus, daß das Geld in erster Linie den ohnehin schon Gebeutelten aus den Taschen gehoben wird, weil man sich aufgrund diverser Gründe offensichtlich zu schade ist, das Wirtschaftskapital oder das Privatkapital der nicht wenigen Millionäre der Bundesrepublik anzutasten. Dies liegt darin begründet, daß, je mehr Geld man besitzt, man auch umso mehr Einfluss ausüben kann. Anhand der Hotel-Affäre der FDP ersehen wir, daß Geldgeber auch für die gestandenen Parteien enorm wichtig sind. Jene Geldgeber setzen sich aber nicht im Plebs, sondern in den abgehobenen Schichten zusammen, insbesondere in der Wirtschaft, was letztlich vieles erklärt. Denn viel einfacher, als es sich mit dem Neo-Adel zu veralbern, ist es doch, dem schuftenen Volk peanutartig und schemenhaft den Heller aus der Hose zu ziehen. Der einzelne Mann kann sich nicht wehren und ist der diebischen Tätigkeit restlos ausgeliefert. Das, und nichts anderes, beschreibt die Sparmaßnahme der Kanzlerin Merkel.

Zweites Versprechen: Wir schaffen die Bildungsrepublik. Wir wollen Kindern aus Familien mit niedrigem Einkommen helfen – etwa mit Nachhilfe, warmem Essen in der Schule und einem Zuschuss für Freizeitaktivitäten. Bildungslotsen helfen gefährdeten Jugendlichen bei Schulabschluss und Berufseinstieg. Bund und Länder schaffen viele neue Studienplätze. Wir helfen Studenten mit mehr Bafög und dem neuen Deutschland-Stipendium. Wir fördern Forschung und Innovation mit Milliardeninvestitionen.

Banalitäten und Kleinstziele werden an das Brett geschlagen, als stünde die Revolution unmittelbar bevor. Wir sind beeindruckt ob dieser politischen Blamage, zeigen uns aber deprimiert ob der Tatsache, daß es tatsächlich zu funktionieren scheint. Wo übrigens – in Anbracht der Tatsache, daß nach Griechenland Irland unter den Rettungsschirm gehieft wird – die Milliarden für Forschrung und Innovation (wohl eher staatliche Innovation) kommen sollen, steht in den Sternen. Frau Merkel erachtet es jedenfalls nicht für nötig, dies einmal genauer zu erläutern.

Drittes Versprechen: Wir sichern die Energieversorgung. Sie soll zuverlässig, bezahlbar und umweltfreundlich sein. Dafür haben wir als erste Regierung ein langfristiges Energiekonzept vorgelegt. Das Zeit alter von Kohle und Öl geht zu Ende. Bis 2050 sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie stammen – das wäre Weltrekord.

Nahezu unersättlich scheint die Heuchelei der Kanzlerin zu sein, sollte es mittlerweile doch jedem bekannt sein, wie hinterlistig der Clue zwischen Energiegrößen und Bundesregierung abgelaufen ist und wie groß insbesondere die Energiefraktion bei der Sache absahnen konnte. Nun mag die Zeit der Kohle zuende gehen, doch die Zeit der Anhäufung von ewig giftigem Müll wird mindestens um 12 Jahre fortgeführt – wir sind uns sicher, ökologische Energien wären schon lange verfügbar, würden diverse Interessengruppen aus dem Ausland und in der Wirtschaft nicht dafür sorgen, daß der Forschungsstand noch „am Anfang“ steht. 2050 – das ist eine Zeitspanne, die so utopisch wie unrealistisch und unbegründet ist. Aber immerhin wäre es Weltrekord!

Viertes Versprechen: Wir gestalten die Finanzierung des Gesundheitswesens so, dass die hervorragende medizinische Versorgung in Deutschland langfristig bezahlbar bleibt: für alle Versicherten, für jedes Alter, für jeden Geldbeutel. Mit einem fairen Sozialausgleich. So verhindern wir, dass viele Arztpraxen und Krankenhäuser schließen müssen.

Triefender Unfug und dreise Lüge, denn wir sehen unser Gesundheitswesen im ungebremmsten Niedergang und erkennen immer mehr die Kristallisierung des Ganzen: Gesundheit wird von Tag zu Tag mehr zum Privileg der Betuchten, denn auch „nur“ 10 Euro Praxisgebühr sind für einen weniger gut Betuchten viel Geld. Vermutlich glaubt die Bundesregierung, daß diese armen Säue eben nicht krank werden sollen. Es gibt für die Bundesregierung keinerlei Möglichkeit, das Wrack des bundesdeutschen Gesundheitswesens zu retten, ohne abermals in die Tasche des Arbeiters zu greifen.

Wir haben in den letzten Monaten gesehen, was wir gemeinsam erreichen können. Wenn wir diesen Gemeinsinn bewahren, liegt eine gute Zeit vor uns.

Allerdings! Wir haben gesehen, was IHR gemeinsam erreichen könnt, aber komischerweise kommen wir zu einem völlig gegenteiligen Ergebnis. Woran kann das nur liegen?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: