Arbeitertum

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Bundesdeutsche Dokumentationen

Wenn man mal nicht weiß, was man sich in den Medien zur Gemüte führen sollte (falls man sich überhaupt an der allgemeinen Glückseligkeit und Prosperität draußen vor der Tür satt sehen kann), dann sei ein Blick ins Netz empfohlen, wo gefühlte hunderttausend Dokumentationen auf diversen Portalen online gestellt sind. Diese stellen eine Quelle nahezu unerschöpflichen Hintergrundrauschens für Tätigkeiten wie das Zusammenlegen von Socken oder den Konsum von HartzIV-Schampus dar.

Der Klassiker sind natürlich die erschütternden, erschreckenden, empörenden usw. usf. Berichte über Deutschlands dunkelste Jahre (15 Milliarden vor Christus bis 1989), wobei einige angesichts der jüngsten Geschichte eine besonders komische Note entwickelt haben. So werden wir noch bei „Das dritte Reich, Vol. 2008“ von Spiegel TV von Historikergrößen wie Götz Aly in einer Art und Weise über die perfide Dämonie der damaligen Wirtschaftspolitik unterrichtet, dass wir unseren Ohren kaum trauen: Das Hinterhältige am damaligen Aufschwung sei gewesen, dass er auf Pump finanziert war! Man hat geradezu den Staatshaushalt ruiniert, um die Bevölkerung ruhig zu halten! Das Ganze war ein ungedeckter Wechsel! Eine Spekulationsblase, die in unverantwortlicher Weise aufgepumpt wurde! Man hat wichtige Informationen über die Lage der Finanzen vor der Bevölkerung zurückgehalten und wichtige währungspolitische Entscheidungen hinter den Kulissen durchgeboxt! Es fand eine unredliche Abwälzung der Kosten auf unbescholtene Leute statt!

Vor unserem inneren Auge verflüchtigte sich die Generationengerechtigkeit in einer Aschewolke (im Gegensatz übrigens zur Generationenungerechtigkeit, für die wir bis heute zahlen)! Wenn man nicht schon gesessen wäre, hätte man sich erst einmal setzen müssen. Wäre der Erscheinungstermin der Doku allerdings ein paar Monate später gewesen, hätte man sich bei Spiegel TV wohl hinter vorgehaltener Hand murmelnd gefragt, ob Meister Aly etwa nicht gebrieft worden sei.

Teilweise mutierte das amtsärztliche Infotainment in jüngster Zeit sogar direkt zur Livesatire; so konnte man seinerzeit vom Tagesschau-Bericht über den völlig unvorhersehbaren Immobiliencrash in Dubai (fast so unvorhersehbar wie der kommende in China, nur ist das dortige Krachbumm-Potenzial noch um das 1000-fache größer; die überraschten Gesichter dann wohl dementsprechend länger), direkt ein paar Kanäle weiter auf einen privaten Nachrichtensender schalten, der eben dieses Emirat am Golf als „Übermorgenland“ abfeierte. Mittlerweile ist besagtes Portrait einer aufstrebenden Boom-Region augenscheinlich im Archiv verschwunden, weshalb die obligatorische Panzerbeschau auf diesem Kanal drei- statt zweimal pro Woche stattfindet.

Es handelt sich hierbei um einen der seltenen Fälle, wo selbst durch eifrige Schnippelei nichts mehr gerettet werden kann. Besser klappte dies noch bei einer Ausgabe des beliebten „So böse war die DDR“-Formats, wo unter tränenreicher Betroffenheit die perfide Unmenschlichkeit eines Systems geschildert wurde, welches Geruchsproben der damaligen „Antidemokraten“ sammelte. Die Implikation: Meine Güte, was muss das für ein kranker Staat gewesen sein, der seinen eigenen Bürgern derart hinterher schnüffelte! Kurze Zeit später kam allerdings ans Licht, dass der BND genauso verfuhr, wodurch die Dokumentation bzw. die Definition geändert werden musste, was einen Schurkenstaat jetzt genau zum Schurkenstaat macht.

Wachwerdende Erinnerungen an Orwells 1984 (betr. ‚heute die Zeitung von gestern umschreiben‘) sind natürlich nicht zielführend, da dieses Werk das Leben in einer bösen Welt beschreibt und wir hier in einer heilen Welt leben. Abgesehen davon kann man sich als besorgter Kämpfer gegen jeden Extremismus allerdings schon einmal darauf einstellen, dass dem institutionalisierten Bösen der vergangenen nicht-westlichen Regime allmählich die Alleinstellungsmerkmale ausgehen.

Umgekehrt haben westliche Regime ganz eigene Alleinstellungsmerkmale entwickelt, nämlich die planmäßige massenhafte Ermordung eigener Bürger oder Soldaten, welche dann wahlweise Rot-, Braun- oder Islamfaschisten in die Schuhe geschoben werden, um als Vorlage für die Ausdehnung oder Festigung des Imperiums zu dienen. Nach herrschender Logik wäre dies eine historische Singularität des Guten, wodurch auch alles über die Menschenwürde des Westens gesagt wäre: Der konkrete Mensch, wie er als Gatte, Vater, Landsmann in einem ein wirklichen Leben verwurzelt ist, wird auf dem Altar geopfert, zugunsten der nackten Existenz eines abstrakten Menschen an sich, den es auf unserer Erde überhaupt nicht gibt und der nur als bloßes Prinzip in den Hirnen kosmopolitisch-liberalistischer Ideologen herum spukt.

Wenn man sich also eine Dokumentation wünschen darf, dann ein Mammutwerk, welches die gesamte Geschichte dieser seelenlosen Entfremdung nachzeichnet. Was die konkreten Details westlicher Verbrechen angeht – insbesondere jene der offiziell vielbeschwiegenen Schattenapparate- , gibt es ja gerade im Internet mittlerweile zahlreiche sehenswerte Dokus, die in Kenntnis der kapitalistischen Tradition durchaus gewinnbringend zu betrachten sind. Es ist durchaus beeindruckend, wie viel Arbeit eine Handvoll Menschen auf sich nimmt, um über einen Sachverhalt aufzuklären. Das macht Mut. Wenn der Damm einmal brechen sollte, können wir uns ferner auch noch auf jene ausgezeichneten Dokumentationen freuen, die – obwohl von erfahrenen Journalisten oder gar öffentlichen Anstalten professionell erarbeitet – auf Druck von Oben nicht ausgestrahlt und in den Giftschrank verfrachtet wurden, da sie zu unbequem für die Agenda oder einzelne Mitglieder unserer ehrenwerten Elite waren.

Noch wirken leider die Mechanismen des Schweigens, welche einer wahren Aufklärung das Geld bzw. die Ressourcen verweigern oder sie beruflich/geschäftlich schwerstens sanktionieren. Daraus bleibt nur noch der Schluss zu ziehen, dass die erste Freiheit der Presse nun einmal darin besteht, kein Gewerbe zu sein. Damit ist alles, aber nun auch wirklich alles, über unsere ach so freiheitliche Berichterstattung gesagt.

 

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