Arbeitertum

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Aufschwung und Ausbeutung

Die bürgerliche Presse jubiliert, Deutschland habe die Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise überwunden. Die Profite steigen, die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosenzahlen gehen zurück. Herrliche Zeiten, möchte man also meinen. Allerdings hat der „Aufschwung“ – dessen Zahlen sich auf die absolute Talsohle von 2009 beziehen und so betrachtet zum Teil nicht mehr soooo beeindruckend sind – nicht unerhebliche Schönheitsfehler: Er kommt nur den kapitalistischen Eliten zugute, und er ruht auf den Schultern des Niedriglohnsektors.

Die in der Krise arg ins Taumeln geratene Zeitarbeitsbranche erreicht nämlich im Rahmen des „Aufschwungs“ einen neuen Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Nie waren in Deutschland mehr Lohnsklaven bei Leihfirmen beschäftigt, bald werden es wohl über eine Million sein. Mittlerweile ist nach Angaben der Arbeitsagenturen jeder dritte angebotene Arbeitsplatz ein Zeitarbeitsjob. Viele Firmen stellen die in den Vorjahren entlassenen Mitarbeiter über Zeitarbeitsfirmen wieder ein. Sie machen ihre alte Arbeit, verdienen aber bis zu 40 Prozent weniger als zuvor. In vielen Unternehmen kommen selbst die Ingenieure aus Leihfirmen.

Zeitarbeit ist eine Branche, in der Schätzungen zufolge vier Fünftel aller Unternehmen zumindest ihre Beschäftigten systematisch übers Ohr hauen, wenn sie nicht gleich zu kriminellen Geschäftspraktiken greifen. „Immer noch werden Mitarbeiter vorsätzlich falsch eingruppiert, systematisch wird mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen getrickst, um einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt.“ Das sagt nicht irgendein Radikalinski, sondern Marcus Schulz vom niederländischen Zeitarbeitsunternehmen USG People Group, der Nummer sechs auf dem deutschen Markt. Nirgendwo innerhalb der Europäischen Union werden Leiharbeitnehmer so mies behandelt wie in Deutschland, das selbst einschlägige EU-Richtlinien beharrlich unterläuft. Mit von der Partie ist dabei der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Im Daimler-Konzern ist beispielsweise die Zahl der Leiharbeitnehmer dank freundlicher Mithilfe des DGB bei der Aushebelung bisheriger Vereinbarungen auf acht Prozent der Produktionsbelegschaft pro Werk erhöht worden. Ganze Unternehmensbereiche wie Reinigung und Logistik werden zusehends von Zeitarbeitsfirmen übernommen, deren Beschäftigte nicht selten ihren Hungerlohn durch Hartz IV-Leistungen aufbessern müssen. War es hier die IG Metall, so ist es bei Ikea die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, die per Betriebsvereinbarung den Einsatz solcher Aufstocker durch Zeitarbeitsfirmen gestattete. Die in den letzten Jahren gestrichenen Arbeitsplätze werden bei Daimler und anderen Autobauern fast ausschließlich mit Leiharbeitnehmern besetzt, die man gegebenenfalls ruckzuck wieder auf die Straße setzen kann. Alles wie gesagt mit Hilfe von DGB-Betriebsräten.

Die angekündigte Offensive des DGB zugunsten der Zeitarbeitskräfte erfolgt also nach dem Prinzip „Haltet den Dieb“: Es war der Deutsche Gewerkschaftsbund, der seinerzeit die von der rot-grünen Bundesregierung geschaffene Gesetzeslücke ausnutzte und den „Equal Pay“-Grundsatz durch arbeitgeberfreundliche Tarifverträge abwürgte. Bei Daimler oder Ikea kuhhandeln die DGB-Funktionäre mit dem ausbeuterischen Kapital, bei Volkswagen und andernorts stellten sie sich sogar gegen die sozialen Kämpfe der prekär Beschäftigten.

Reißt den Heuchlern die Maske vom Gesicht!

Zeitarbeit abschaffen!

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Eine Antwort zu “Aufschwung und Ausbeutung

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