Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

NWSN: Bildung im deutschen Klassenstaat

Erschienen am 13. September auf der Internetpräsenz des Netzwerks Sozialistische Nation:

Das Bundesbildungsministerium und die Kultusministerkonferenz stellten ihren aktuellen Bericht „Bildung in Deutschland 2010“ vor, der sich würdig in die Bankrotterklärungen bundesrepublikanischer Bildungspolitik einreiht. Demnach verfügt jeder sechste Einwohner zwischen 20 und 30 Jahren über keine Berufsausbildung – der höchste jemals gemessene Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Innerhalb nur eines Jahres stieg ihre Anzahl von 15,2 auf 17 Prozent. Hiervon betroffen sind vor allem Hauptschüler und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Keine Berufsausbildung haben 50 Prozent aller Hauptschüler, 30 Prozent aller jungen Migranten und 47,5 Prozent aller jungen Frauen türkischer Herkunft. Die meisten der Betroffenen, Deutsche oder Migranten, tauchen nicht einmal mehr in den Arbeitslosenstatistiken auf, weil sie resigniert haben, sich nicht bei den Arbeitsagenturen melden und von diesen zudem miserabel betreut werden.

Bundesweit verließen 7,4 Prozent aller Jugendlichen die Schule ohne jeden Abschluss, und fast jeder dritte Schüler wächst in einer „sozialen, finanziellen und kulturellen Risikolage“ auf. In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Quote der Schulabbrecher erschreckende 16,8 Prozent. Über 13 Prozent aller Migrantenkinder besitzen keinen Schulabschluss; die Zahl hat binnen weniger Jahre um ein Drittel zugenommen. 43 Prozent von ihnen beenden die Schule mit einem Hauptschulabschluss (und nur 8,9 Prozent mit dem Abitur oder der Fachhochschulreife), bei den Deutschen sind es 31 Prozent. Auch die Zahl deutschstämmiger Schulabbrecher stieg von 5,4 Prozent im Jahre 2005 auf 7 Prozent anno 2008. Bekommt ein deutscher Jugendlicher im Schnitt drei Monate nach Schulabschluss einen Ausbildungsplatz, hängen Migranten durchschnittlich 17 Monate lang in der Luft. Und gerade die wenigen gut ausgebildeten Migranten neigen dazu, Deutschland wieder zu verlassen und in der alten Heimat oder andernorts Karriere zu machen.

Die Gesamtausgaben von Staat und Privatwirtschaft sind von 6,8 Prozent des BIP im Jahre 1995 auf 6,2 Prozent gefallen, womit Deutschland unter den so genannten entwickelten Industrienationalen das einsame Schlusslicht bildet. Nirgendwo innerhalb der EU landen so viele Kinder auf Förderschulen wie in Deutschland; alleine in Berlin weisen 20 Prozent aller Schüler dringenden Förderbedarf auf, weil sie entweder sprachlich-intellektuell oder motorisch schwere Defizite haben. In einigen Bundesländern kann ein glattes Fünftel der Schülerschaft als mindestens funktional analphabetisch eingestuft werden. Noch immer ist der soziale Status der Eltern entscheidend: Ein Akademikerkind in Süddeutschland hat beispielsweise eine beinahe sieben Mal bessere Chance, auf das Gymnasium zu kommen als ein Kind aus einer Arbeiterfamilie. Zu allem Überfluss stammen die Zahlen größtenteils von 2008, die Folgen der Wirtschaftskrise sind also noch nicht berücksichtigt.

Das deutsche Bildungssystem ist, wie vorstehende Zahlen eindrucksvoll belegen, am Ende. Die Integrationspolitik des multikulturellen Wolkenkuckucksheimes ist gescheitert; und zwar mit verheerenden Folgen sowohl für die Migranten wie auch für die deutsche Gesellschaft selbst. Noch immer entscheidet die Klassenzugehörigkeit über die zukünftigen Karrierechancen, reproduzieren die kapitalistischen Eliten sich selbst. Nach wie vor verlassen Zehntausende die Schulen und haben doch so wenig gelernt, dass sie kaum arbeitsmarkttauglich sind. Verantwortlich ist auch eine immer kältere, rücksichtslosere Gesellschaft, in der Kinder von überforderten Eltern vor der Unterhaltungselektronik geparkt werden. Das Ergebnis ist eine Jugend, die inmitten von Perspektivlosigkeit, Armut, Gewalt und gesellschaftlichen Verfallserscheinungen aufwächst.

Aus Wut wächst Widerstand!

Netzwerk Sozialistische Nation, 20. Juli 2010

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