Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Zum Irrsinn der Rente mit 70

Nach der Rente mit 67 droht nun wohl schon bald die Rente mit 70 und zwar EU-weit. So nun jedenfalls, wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht. In einem Strategiepapier der EU-Kommission wird ein Renteneintrittsalter ab 70 Jahren zum Vorschlag gebracht. Die demographische Entwicklung in den Mitgliedsstaaten der EU würde es nötig machen, dass „die Menschen mehr und länger arbeiten“ müssten. Die wirtschaftsliberale Logik der Kommission kennt dabei nur folgende Maßnahmen: Die Beiträge zur Rentenversicherung müssen erhöht, die Renten gekürzt und das Renteneintrittsalter heraufgesetzt werden.

Führende neoliberale Wirtschaftsinstitute fordern in der Bundesrepublik nun diesen Vorschlag der EU-Kommission schnellst möglichst auch umzusetzen. „Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen“, so Michael Hüther, vom „Institut für deutsche Wirtschaft“. Klaus Zimmermann, vom „Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung“ verstieg sich gar zu folgenden obskuren Satz: „Eine langsame Lebensarbeitszeitverlängerung auf 70 Jahre ist der humanste Ansatz, mit der Herausforderung umzugehen.“ Nur durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ließe sich ein Kollaps des sowieso kaum noch vorhandenen Sozialsystems in der BRD verhindern. Unterstützung finden solcherlei Vorhaben vor allem in der Jungen Union, der Jugendorganisation der CDU. Bereits im Jahr 2007 hatte der jetzige Bundesfinanzminister und ehemalige Vorsitzende der CDU, Wolfgang Schäuble, für eine „Rente mit 70“ plädiert. Dem Magazin „Capital“ sagte Schäuble damals, man sei mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters „mit 67 noch nicht am Ende“. „Wir brauchen eine allmähliche Anhebung der Lebensarbeitszeit, eine stärkere Flexibilität“, so Schäuble.

So schnell verlagert sich die Debatte von der Rente mit 67 zur Rente mit 70! Während es für viele Erwerbslose ab 50 nahezu unmöglich ist erst wieder in Arbeit zu gelangen, sollen sich die Deutschen bis 70 zu Tode schuften. Absurderweise soll nun das Rentenalter immer weiter heraufgesetzt werden, wo doch immer weniger Deutsche im Erwerbsleben stehen, da wir es mit einer strukturellen Krise auf dem Arbeitsmarkt zu tun haben. Da gerade ältere Arbeitnehmer zusehends vom sozialen Abstieg, von Erwerbslosigkeit und Altersarmut bedroht sind, erscheint die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 und nun wohl gar auf 70 als ein übler Scherz.

Sowohl die Rente mit 67, als auch erst recht die Rente mit 70 sind in Wahrheit ein Rentenklauprogramm. Die Rente mit 67/70 wird nur zu weiterer Altersarmut in Deutschland führen! Nur etwa 20 Prozent der Arbeitslosen ab 60 schaffen laut Informationen des Sozialverbandes VdK wieder den Eintritt in das Erwerbsleben. Derzeit sind zudem nur etwa 11 Prozent aller 63- bis 64-jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Nur ein Bruchteil der Neurentner geht aus einem geregelten Einkommen in die Rente. Sie müssen als erhebliche Abschläge ihrer Renten in Kauf nehmen. Gleichzeitig wird der Niedriglohnsektor immer weiter ausgedehnt. Sowohl die Rente mit 67, als auch die Rente mit 70 sind der pure Wahnsinn!

Die Ursachen dafür, dass solche Forderungen durchsetzbar sind, sind darin begründet, dass die Bundestagsparteien und deutschen „Eliten“ einem rein statistischen und auf Profit ausgerichteten Denken verpflichtet sind. Die unablässige Erhöhung der Rentenbeiträge trifft dabei vor allem die kleinen und mittleren Einkommensgruppen. Niedriglöhne und die allgemeine negative Entwicklung der Löhne in der Bundesrepublik befördern dabei die Altersarmut.

Umfragen zeigen, dass 82 Prozent der Befragten sich gegen eine Einführung der Rente mit 67 aussprechen. Aber offensichtlich bewegen wir uns in der Bundesrepublik des 21. Jahrhunderts auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts, damals betrug das Renteneintrittsalter 70 Jahre. Unter Kaiser Wilhelm II wurde dieses dann auf 65 herabgesetzt. Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 60 Jahren. Es sei auch darin erinnert, dass Männer im Schnitt nur etwa 71 Jahre alt werden (Frauen bringen es auf 78). Grundsätzlich läuft alles auf massive Rentenkürzungen hinaus. Hinzu kommt ein Mix aus einer gesteigerten Ausbeutung der Arbeitskraft, bei einer gleichzeitigen strukturellen Krise der kapitalistischen Arbeitsgesellschaft. Zwar gibt es im Kapitalismus immer weniger Arbeit zu verteilen, gleichzeitig sollen aber die Menschen immer länger und unter verschärften Arbeitsbedingungen arbeiten. Hierin zeigt sich schon der ganze Irrsinn der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.

Die negative demographische Entwicklung ist dabei der allgemeinen Kinderfeindlichkeit in der Westlichen Wertegmeinschaft geschuldet. Zum einem spielen hier der gesellschaftliche Hedonismus der Linksliberalen eine Rolle, zum anderem die Weigerung der Bundesregierung, eine aktive Bevölkerungspolitik zu betreiben. Zudem ist das deutsche und internationale Großkapital an einem Kinderreichtum nicht interessiert! Die Förderung der Familien steht in der Bundesrepublik nicht auf der politischen Agenda der kapitalistischen Systemparteien. Die Behauptung, dass man mit einem höheren Renteneintrittsalter der demographischen Entwicklung entgegen treten könnte, ist völlig absurd! Die Entwicklung des Kapitalismus schließt doch gerade immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene vom Arbeitsleben aus. Die Arbeitslosigkeit unter diesen Arbeitsgruppen ist besonders hoch. Gerade jüngere Arbeitnehmer sind doch von Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung, von dem sklavischen Dasein in der Leih- und Zeitarbeitsbranche betroffen. Das Kapital vernichtet in der Bundesrepublik Familienexistenzen, denn welches junge Paar soll mit Niedriglöhnen eine Familie finanzieren können?

Die FDP fordert nun eine Rente mit 60. Allerdings mit erheblichen Abschlägen für die Betroffenen. Die Grundidee ist bei diesem Vorschlag der FDP ausnahmsweise durchaus zu begrüßen, allerdings ohne die von der neoliberalen FDP abverlangten Rentenkürzungen. Dies beweist schon ein Blick auf die statistische Entwicklung des Volkseinkommens in der BRD. Dieses stieg im Vergleich zu der Zeit des Wirtschaftswunders im „rheinischen Kapitalismus“ um ein Vielfaches. Selbst in unserem Nachbarland Frankreich galt bis vor kurzem noch die Rente mit 60. Eine Rente mit 60 wird aber nicht im gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftssystem einführbar sein, da die Krise des Kapitalismus die „Eliten“ zu immer stärkeren Kürzungen im Renten- und Sozialsystem veranlasst.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: