Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Die Verwertungskrise des Spätkapitalismus

Diese 2009 unter dem Fahnenträger-Pseudonym Pruzzoz veröffentlichte Arbeit beschäftigt sich mit den krisenhaften Auswüchsen (spät-)kapitalistischer Verwertungslogik. Mit lockerem  Sprachstil, dafür aber mit wissenschaftlicher Quellenarbeit und handfester Argumentation gelingt es dem Autor, die grundlegenden Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise anhand Beispielen aus dem Jetzt aufzuzeigen und zu erläutern.

Die 52-Seiten starke Arbeit könnt ihr hier ansehen und herunterladen (speichern unter…).

Siehe auch:
Fahnenträger

Advertisements

4 Antworten zu “Die Verwertungskrise des Spätkapitalismus

  1. Frank August 20, 2010 um 8:51 am

    Versuchen wir mal, Stärken und Schwächen des oben empfohlenen Artikels herauszuarbeiten.

    „Wie die britische Mail On Sunday im Nachhinein berichtete, war das Finanzsystem am 10. Oktober 2008 ganze drei Stunden vom kompletten Untergang entfernt“

    Das ist sprachlich und inhaltlich völlig falsch! Wie sollte denn bitte dieser „Untergang“ ausgesehen haben? Das Finanzsystem ist das Spiegelbild der Wirtschaft. Wie kann das Spiegelbild untergehen, wenn das Objekt noch obenauf ist? Zu keinem Zeitpunkt stand das Finanzsystem als System auf kritischem Boden. Wir haben/hatten nur eine der unzähligen, absolut stinknormalen Krisen erlebt – bei der sich natürlich jedes Mal die Hofschreiberlinge des Kapitals dem Untergang gegenüber sehen. Der droht jedoch alleine durch eine sozialistische Revolution. Alles im Vorwort nachfolgende, einschließlich des von Herrn Ackermann abgewendeten „Tod des deutschen Finanzsystems“ ist nichts als bürgerlicher Mummenschanz.

    „1. Die Krise von Geld und Ware; 1.1 Die Frage nach dem harten Geld.
    Es ist ja nicht so, dass es keine Leute geben würde, die sich nicht über Auswege aus der heutigen Misere Gedanken machen würden.“

    Die Krise von Geld und Ware ist – wenn es sie überhaupt gibt – das kapitalistische Wirtschaftssystem selber, also der Privatbesitz an Produktionsmitteln. Seit über 150 Jahren wird dieses System regelmäßig von Krisen erschüttert. Die einzelnen Krisen stellen genausowenig eine Krise der abstrakten Ware dar, wie des Geldes. Die angebliche Härte des Geldes ist der Zeitvertreib der Bürgerlichen, also der besitzenden Klasse, so wie es der Zeitvertreib der Linkspartei ist, ihren politischen Mitbewerbern um bürgerliche Ämter „Neoliberalismus“ vorzuwerfen.

    „Da sich die Frage nach der Problematik des heutigen Geldsystems hier förmlich aufgedrängt hat, sei gesagt, dass Papiergeld tatsächlich nur inflationierbar ist, wenn es nicht an feste Güter gebunden ist.“

    Dicht daneben ist auch vorbei: Das amerikanische Geld war an „feste Güter“ gebunden, nämlich die Immobilien. Selbstverständlich ist Geld auch „inflationierbar“, wenn es denn an feste, nämlich „inflationierbare“ Güter gebunden wird. Man lese hierzu bei Marx nach, „Das Kapital“, über Tausch- und Gebrauchwert einer Ware und das Wesen des Geldes. Und noch mal: Das heutige Geldsystem, das bis auf unwesentliche Änderungen schon in der Antike verwendet wurde, hat durch die letzte Krise keine neue „Problematik“ aufgeworfen. Es ist unlösbar integriert in das krisenhafte System der privaten Marktwirtschaft und muss durch diese Kopplung auch alle Krisen der Warenwirtschaft mitmachen. Wer diese beiden Systeme von einander löst und die Krise separat im Finanzsystem zu lösen trachtet, der gleicht dem Sysiphos, dessen Erfolg von den Göttern vereitelt wurde. Die separate Lösung der Finanzkrise wird von den objektiven Gesetzen des Marktes vereitelt, die wiederum solange herrschen, solange es den Privatbesitz an Produktionsmittel gibt.

    „1.2 Die Tendenzen des warenproduzierenden Systems.
    Wirtschaftswunderland ist abgebrannt. Es war historisch nur in einem bestimmten Zeitraum unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich und davon kann gar nichts mehr wiederkommen.“

    Absolut richtig!!!! Diese schöne und klare Beschreibung der Tatsachen findet man leider nur als Stecknadel in einem Heuhaufen. Doch nun nähern wir uns langsam der Gretchenfrage:

    „Kapitalismus lässt sich mit Wertvergesellschaftung übersetzen. Im Kapitalismus bestimmt die Bewegung des Kapitals die Gesellschaft“

    Was ist Kapital?

    „Kapital ist nur jenes Geld, welches mit dem Ziel der Verwandlung in noch mehr Geld eingesetzt wird“

    Wo kommt das „neue“ Geld her?

    „Es ist der Sinn eines Unternehmens, Kapital zu verwerten, also Geld einzusetzen um Arbeitskraft zu kaufen, diese eine Ware mit Mehrwert produzieren zu lassen und durch den Verkauf dieser Ware mehr Geld zu erlangen, als eingesetzt wurde. … Es bleibt zu erwähnen, dass der Kapitalist keinesfalls subjektiv ein Bösewicht ist, wenn er mehr aus der gekauften Arbeitskraft des Arbeiters herausholen will“

    Und wo ist nun der Kritikpunkt? An dieser Stelle lenkt die Logik des Gedankens uns eigentlich auf den Mehrwert und seine Entstehung. Doch leider bricht Pruzzos hier ab. Die Folgen werden wir gleich zu spüren bekommen.

    „Das allgemein als erträgliche Situation wahrgenommene Wirtschaftswunder (…) bestand also darin, dass allgemein plötzlich (!?) alle Geld hatten, für das sie sich auch was kaufen konnten. Wodurch wurde dies auf einmal bedingt, wie kam dies zustande und wieso ist dies nicht mehr gegeben?“

    Und hier kommt – wir ahnten es bereits – unser sonst so sichere Autor ins fürchterliche strudeln:

    „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im Zeitalter von Ford und Taylor, machte die Rationalisierung durch den Einsatz des Fließbandes und die Zerlegung der Produktion in immer kleinere Arbeitsschritte einen großen Sprung, genannt zweite industrielle Revolution. Dadurch verbilligten sich industrielle Güter wie Autos und Kühlschränke letztlich derart, dass sie zum Massenkonsumgut wurden.“

    Also auf deutsch: Die Arbeiter bekamen nicht mehr Geld – sondern die Waren wurden billiger. Hier verabschiedet sich Pruzzos also von Marx, dem er bis hierher so treu gefolgt war. Er hat schlicht den Kern der Marxschen Werttheorie nicht verstanden. Richtig muss die Geschichte um den „Sozialstaat“ so weitergehen:

    In der Nachkriegszeit lagen private Wirtschaft und bürgerliche Politik am Boden. Das erste ermöglichte beim Wiederaufstellen der Produktion astronomische Profite, das Zweite gab der Arbeiterklasse Gelegenheit, hohe Lohnforderungen zu stellen. Um die weiteren Zusammenhänge zu verstehen, müssen wir noch mal zurück gehen und uns mit dem Wert beschäftigen, was Pruzzo leider versäumt hat:

    Der Wert einer jeden Ware, also auch der Arbeitskraft, wird gebildet durch das zu seiner Herstellung NOTWENIGE, also bzgl. der Arbeitskraft: das Minimum an Nahrung, Kleidung, Wohnen etc. Nun geht der Wert der Arbeitskraft in den Wert der vom Arbeiter hergestellten Ware ein. Die Arbeitskraft ist dabei die einzige Ware, die bei ihrer Konsumtion (also während der Produktion) einen höheren Wert liefert, als sie selber darstellt – den Mehrwert. Die Arbeitskraft ist 4 Arbeitsstunden wert, der Arbeiter arbeitet aber 8 Stunden. Die Differenz steckt sich der Unternehmer ohne Gegenleistung als Profit in die Tasche. Dieser Mehrwert gehört nach den Regeln des Marktes (siehe Wertgesetz: Die Waren tauschen sich entsprechend ihrer Werte gegeneinander aus) zu 100 % dem Unternehmer. Bekommt der Arbeiter im obigen Beispiel den Gegenwert von 5 Arbeitsstunden als Lohn ausbezahlt, so verstößt er – natürlich auch der Unternehmer – gegen die ehernen Gesetze des Marktes.

    Und nun zurück zum „Wirtschaftswunder“. Auf Grund der Instabilität der politischen Macht des Kapitals, erstritten die Arbeiter in der BRD also eine Erhöhung des Lohnes, der weit über den eigentlichen Wert ihrer Arbeitskraft hinausging – also einen Lohn, der neben dem Wert der Arbeitskraft Mehrwert enthielt. Dadurch – und nicht weil Kühlschränke oder Autos billiger wurden – hatten die Arbeiter am Monatsende mehr Geld. Aber weil man nicht gegen objektive Gesetze verstoßen kann, folgte die Strafe auf dem Fuße: Massenarbeitslosigkeit und permanenter Lohndruck sind die logische Konsequenz, weil das Kapital natürlich dorthin floh, wo die Ware Arbeitskraft entsprechend ihres tatsächlichen Wertes gehandelt wird – in Billiglohnländer.

    Alles, was Pruzzo zu diesem Punkt weiter schreibt, ist im Grunde gegenstandslos, weil es kein wirkliches Problem löst, gar keine Frage beantwortet. Er verlor den Faden, weil er die Bedeutung des Wertes der Ware Arbeitskraft im Zusammenhang mit den Marktgesetzen nicht erkannte.

    „1.3 Die Flucht des Kapitals vor sich selbst;
    Nun bleibt allerdings zu klären, warum es dann mit diesem System noch so lange „gut“ gegangen ist.“

    Ganz einfach: Es funktioniert solange, wie das Kapital noch Mehrwert hat, um die Arbeiter zu „bestechen“ ODER solange, wie die Arbeiter nicht begreifen, wie sie sich von der Ausbeutung befreien können. Die Gesetze des Marktes – insbesondere das Wertgesetz – fordern mit aller Notwendigkeit dass der Lohn auf das zur Lebenserhaltung Notwendige gedrückt wird. Die seit Jahren anhaltende allgemeine Lohnsenkung, gepaart mit einer Massenarbeitslosigkeit, beweist, dass die Arbeiterklasse der sicheren Verelendung entgegengeht. Es ist nun an ihr, darauf zu reagieren.

    „Nun veranschaulicht die Globalisierung bereits die Krise des nationalen Kapitals, …“

    Das genaue Gegenteil ist richtig! Die Globalisierung des Warenmarktes ist seit mindestens 100 Jahren abgeschlossen. Was wir heute mit diesem Begriff meinen, ist ausschließlich die „Globalisierung des Arbeitsmarktes“. Und diese ist nun die Veranschaulichung des genauen Gegenteils einer Krise des nationalen Kapitals – sie veranschaulicht die Vitalität des nationalen Kapitals als Globetrotter. Das nationale Kapital strotzt dermaßen vor Kraft, dass es sich unter unseren staunenden Augen in ein globales Kapital verwandelt.

    „…das neue Absatz- und Einsparmöglichkeiten braucht die der heimische Markt nicht mehr hergibt.“

    Neue Absatzmärkte benötigt das deutsche Kapital schon lange nicht mehr – die Welt liegt zu seinen Füßen. Aber gerade die Einsparmöglichkeiten – nämlich am Lohn – verleihen dem Kapital geradezu Flügel, um für immer in Billiglohnländer zu verschwinden. Pruzzo hat nur eine kleine Ungenauigkeit beim „Wert der Arbeitskraft“ begannen, dieser kleine Schnitzer führt nun aber zu den gröbsten, ja geradezu verheerenden Fehlern. Diese Fehler gipfeln dann in der Alternative:

    „Langfristig jedenfalls wäre dem Problem an sich keineswegs mit staatlicher Steuerung oder der Umverteilung von Geld abzuhelfen. Eine Änderung der Produktionsweise gelingt auch nicht durch eine bloße formalrechtliche Übertragung der Produktionsmittel an einen anderen Eigentümer“ (NUR !!!!!! durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel ist eine „Lösung möglich!) „sondern vielmehr über eine strukturelle Umwälzung, in der die Ökonomie als losgelöster Selbstzweck wieder in die Gesellschaft integriert wird.“

    Die Ökonomie von der Gesellschaft lösen, sie dann mit einem „Selbstzweck“ versehen – und wieder in die Gesellschaft zurückintegrieren? Der Artikel war zugebenermaßen wirklich etwas zu lang, so dass wir Pruzzo diesen absoluten Unsinn am Schluss nachsehen wollen.

    Nein, eine Änderung des Systems ist nur möglich, wenn die Arbeiterklasse die Produktionsmittel unter Führung einer kommunistischen Partei in gesellschaftliches Eigentum überführt. Dieses kann nur in Form einer sozialistischen Revolution – wie auch immer sie konkret aussehen mag – geschehen. Hierzu wird die Arbeiterklasse durch ihre sichere Verelendung gezwungen.

    Frank F.

  2. Lex Luger August 20, 2010 um 9:22 am

    Vielen Dank für den Diskussionsbeitrag! Ich werde mal versuchen, den Verfasser an den Start zu kriegen, damit er das evtl. mit dir ausplaudern kann – Verständnis von der Sache hast du ja.

    Beste Grüße

  3. Lex Luger August 22, 2010 um 10:33 am

    Ach ja – zu dem „Unsinn“ am Ende, den Schlaubi-Schlumpf ausgemacht haben will: Der Autor Pruzzoz plädiert für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Deine Wortverdrehungen könntest du von dir geben, wenn du bei Maischberger in der Runde sitzt, aber nicht hier.

    Hier ist nicht Maischberger am Hebel sondern Lex Luger. Oki Doki?

  4. Frank August 23, 2010 um 2:10 pm

    Lieber Lex,
    wenn du kompletten Unsinn liest, dass z.B. Grundschulabgänger gleich Rente beziehen sollen, als was würdest du dies bezeichnen – wenn nicht als „absoluten Unsinn“?

    Schauen wir uns bitte nochmal die kritische Passage gemeinsam an:

    „Eine Änderung der Produktionsweise gelingt … vielmehr über eine strukturelle Umwälzung, in der die Ökonomie als losgelöster Selbstzweck wieder in die Gesellschaft integriert wird.“

    Halten wir uns gar nicht lange an fehlenden Definitionen wie z.B. der „Produktionsweise“ auf. Schauen wir uns nur mal die „Ökonomie als losgelösten Selbstzweck“ an. Unter „Ökonomie“ können wir nun die Herstellung von Nahrungsmitteln, Bekleidung etc., aber auch das Lohnsystem, das Geldsystem, ja sogar den Konkurrenzkampf, die Arbeitslosigkeit und vieles mehr verstehen – jeder suche sich bitte das ihm genehme heraus. Dieses löse man nun bitte aus der Gesellschaft heraus. Wie geht dies bitte schön vonstatten? Von welchen konkreten Dingen sollen wir die Ökonomie lösen? Doch lasst uns gemeinsam auch dieses Poblem meistern. Im nächsten Arbeitsschritt übergeben wir die Ökonomie nun feierlich sichselbst – womit wir ihr einen Selbstzweck verpassen. – Lieber Lex, kannst du noch folgen? Wir sind aber noch nicht fertig. – Nun also, nachdem wir die Ökonomie zunächst aus der Gesellschaft herausgelöst hatten und ihr einen Zelbstzweck gaben, nun verpflanzen wir sie wieder in die Gesellschaft zurück. Et voilá – wir haben eine neue Produktionsweise? …

    Lieber Lex, sage mir bitte, wie ich diesen Plan nennen soll – wenn nicht „absoluten Unsinn“?

    viele Grüße,
    Frank

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: