Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Sozialismus, Arbeit und Leistung. Teil 1

Einleitung

Hier handelt es sich wieder um eine der Grundfragen, die sich mit der Idee des Sozialismus auftun. Im Folgenden gilt es zu klären, welchen Wert der Sozialist dem Begriff der Leistung zuschreiben sollte, inwiefern das Leistungsprinzip mit dem Solidaritätsprinzip des Sozialismus in Einklang zu bringen ist und wie es vielleicht sogar zusammenhängt. Entgegen kasernen- und schönwettersozialistischen Ideen möchten wir einzig und allein den Menschen in der Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen, davon ausgehend, daß Arbeit ohne Leistung nicht vollbracht werden, daß das Volk ohne Arbeit nicht versorgt werden kann. Wir wollen in zwei Teilen (Teil 1: Kapitalistische Perspektive; Teil 2: Sozialistische Perspektive) versuchen, das wohl sinnvollste Verhältnis zum Leistungsprinzip herauszuarbeiten, ohne die Arbeit nach verwertungslogischer Tradition zu glorifizieren oder die Arbeit an sich perse als kapitalistisches Machwerk abzukanzeln.

Kapitalistische Perspektive

Lebensnotwendige und produktionsnotwendige Arbeit

Zunächst aber bleibt zu klären: Was ist überhaupt Arbeit?

Philosophisch betrachtet ist Arbeit grundsätzlich ein schöpferischer und schaffender Prozess, der von Mensch oder Tier zu einem bestimmten Zweck – wie Ernährung, Errichtung von Wohnraum, Herstellung von Werkzeugen für weiterführende Arbeiten, gedankliche Arbeit, etc. – ausgeführt wird. Davon ausgehend, daß selbst das Aufheben eines Apfels oder das Sammeln von Beeren als Arbeit gilt, kommen wir ohne weitere Überlegung zu dem einleuchtenden Schluss, daß Arbeit und Leben abhängig voneinander sind. Unser philosophisches Ergebnis also muss lauten: Arbeit ist lebensnotwendig.

Arbeit ist aber auch Standardvokabel der politischen Ökonomie. Somit bleibt festzuhalten, daß die Bedeutung von Arbeit nach wirtschaftswissenschaftlichen Kriterien anders definiert werden muss. Selbstverständlich ist Arbeit auch in einer volkswirtschaftlichen Struktur lebensnotwendig – insbesondere für den Lohnabhängigen, der für seine Arbeit Geld ausgezahlt bekommt, mit welchem er wiederrum seine Bedürfnisse decken muss. Gemeinhin aber ist Arbeit nach wirtschaftswissenschaftlichem Kriterium nicht als eine Gesamtheit zu verstehen, sondern als Produktionsfaktor, der sich in unterschiedlichsten Facetten äußern kann. Arbeit kann nicht mehr mit abstrakten Beispielen wie das Aufheben eines Apfels charakterisiert werden, sondern äußert sich im Produktionsprozess als Einheit, die lebensnotwendig sein kann, lange aber noch nicht muss. Das Herstellen von Scherzartikeln etwa hat nichts mit dem eigentlich lebensnotwendigen Charakter der Arbeit zu tun, der Beruf des Bäckers sehr wohl. Beides ist nach marktwissenschaftlicher Sichtweise jedoch gleichermaßen Arbeit.
Festzuhalten bleibt also: Arbeit ist produktionsnotwendig.

Basierend auf diesen Annahmen wollen wir versuchen, beide Sätze in Einklang zu bringen, mit dem Ziel, daß die Produktion dem (lebensnotwendigen) Bedarf untersteht und nicht umgekehrt. In mehreren Teilen wollen wir den Versuch wagen, einen Leitfaden zu entwerfen, der die Einzelleistung im Produktionsprozess nach objektivem Maßstab bewertet und entsprechend honoriert. Dazu später mehr.

Das Verwertungsdrama des Kapitalismus

Damit sich ein Volk versorgen und somit überleben kann, muss es Güter produzieren. Dies ist auch in kapitalistischen Gesellschaften der Fall, mit dem kleinen Unterschied, daß es in der Regel der Kapitalismus selbst ist, der den Bedarf vorschreibt, durch Werbemaßnahmen künstlich aufbauscht oder generiert und zu völlig undurchsichtigen Tauschwerten (Preis) an den Mann bringt. Charakteristisch für die kapitalistische Produktionsweise ist, daß der Wert eines Guts kaum noch nachvollzogen werden kann und daß zwischen Arbeit und Gut kaum noch ein wertlicher Zusammenhang besteht. Die zunehmende Arbeitsteilung führt außerdem dazu, daß die Bewertung der bloßen Arbeitskraft – Mehrwerttheorie, etc. sind hier vorerst ausgenommen – ebenfalls willkürlich erscheint und daß es weniger um die Arbeit an sich geht, sondern am Ende nur darum, wieviel Profit mit den produzierten Gütern erzielt werden kann. Wichtige Unterscheidung: Der Arbeitsaufwand beeinflusst lediglich den Wert der Ware, nicht aber den Arbeitswert, wie wir beispielhaft an der immer flächendeckenderen Leiharbeitsumstrukturierung in großen Betrieben beobachten können.

Schlechter qualifiziert - weniger wert? Bauarbeiter.

Schlechter qualifiziert - weniger wert? Bauarbeiter.

Die Arbeitsteilung unseres Marktes möchte uns also vorgaukeln, daß „Höherqualifizierte“ – also jene Arbeiter, die sich durch Ausbildung auf ein Teilgebiet spezialisieren konnten, wie z.b. Manager, etc. – eine Arbeit von höherem Wert verrichten würden, als etwa ein „herkömmlicher“ Bauarbeiter. Daß ein Bauarbeiter zwar weniger Ausbildung im Vorfeld benötigt – dafür aber umso mehr Einsatz bei der eigentlichen Arbeit aufbringen muss, wird bei dieser Logik ausgeblendet. Vorgeschoben wird der „höhere Fleiß“ des höher Qualifizierten; inwiefern eine Ausbildung auf der Uni o.ä. mehr Fleiß voraussetzt als Arbeit auf dem Bau, bleibt auch hier unbeantwortet. Der einzige Unterschied zwischen einem Handarbeiter und einem Ingenieur ist lediglich das Problem der Austauschbarkeit – dazu später mehr.
Es sticht ins Auge, daß es nicht um den Arbeitsaufwand geht, sondern ausschließlich um das, was am Ende dabei rauskommt. Dabei kann es vorkommen, daß ein Arbeiter ohne großen Aufwand völlig wertlosen Krempel herstellt, welcher mit überteuerten Preisen und kluger Werbung künstlich aufgewertet wird. Verkauft sich dieses Gut angemessen, wird auch der Wert der Arbeit für dieses Gut steigen – völlig egal, ob auch der Arbeitswaufwand sinkt oder steigt. Hier muss allerdings das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage miteinbezogen werden, d.h. es genügt manchmal, wenn einige wenige Studenten mit nur mäßigem Arbeitsaufwand, aber mit einer guten Idee, riesige Gewinne erzielen (bspw. maßgebliche Teile der „Social-Network-Plattformen“);  in aller Regel profitieren aber nur die wenigsten am Gewinn, am Allerwenigsten die Arbeiter, weil diese keinerlei Einfluss auf die Verwaltung des Kapitals haben.

Daß es also in der BRD Personen gibt, die fast für’s „Nichtstun“ bezahlt werden, während wirkliche Arbeiter zu Hungerlöhnen bei der Stange gehalten werden, ist keineswegs Zufall oder böswilliges Handeln einzelner Unternehmer, sondern logische Entwicklung kapitalistischer Gesellschaften.

Notwendige und überflüssige Produktion

Die sogenannte "Warenvielfalt".
Die sogenannte „Warenvielfalt“.

In kapitalistischen Gesellschaften gibt es stets eine Hülle und Fülle an produzierten Gütern. Dabei versucht der Markt naturgemäß, jede noch so kleine Nische auszufüllen, um selbst aus absurdesten Gerümpel Geld zu machen. Wir brauchen nur kurz den Fernseher einschalten, um zu sehen, wie abgöttisch Waren in den Werbungen glorifiziert werden; man arbeitet mit manipulativen Tricks, um Bedürfnisse zu generieren, die es eigentlich nicht gibt. Zur Auwahl steht – jedenfalls nach Werbung – natürlich nur das Beste vom Besten und das Günstigste vom Günstigsten. Meistens handelt es sich dabei um völlig überhöhten Schnick-Schnack, der in einer simpleren und günstigeren Ausgabe mindestens genauso gut wäre – oder wer braucht schon Klopapier mit Balsamgeruch?! – und der der Konsumentenschaft wohlmöglich niemals in den Sinn gekommen wäre, wäre er nicht werbetechnisch zur Schau gestellt worden. Die wenigsten von diesen „Markt-Innovationen“ – abgesehen von weiten Teilen des technischen Fortschritts – sind brauchbar, stellen eigentlich nur gülden angemalten Müll dar.
Was denn nun alles überflüssige Waren sind, kann man mit folgendem Satz einigermaßen deutlich machen: Alles, was das menschliche Leben in Gesellschaft weder in Sachen Ernährung, Kleidung, Wohnen, Arbeit, Freizeit oder Information einschränkt. Wir brauchen nicht weiter aufzählen, welche „Must-Haves“ demnach wegfallen würden.

Überdies stellt uns der Markt natürlich auch Güter als Waren zur Verfügung, die wir schlicht zum Leben benötigen. Wie oben bereits angedeutet, sind im Großen und Ganzen lebensnotwendig: Nahrung, Kleidung, Wohnraum. Zu den Grundbedürfnissen für ein Leben in Gemeinschaft gehört außerdem: Arbeit, Freizeit sowie Information.
Die Probleme, die der Markt mit diesen simplen Grundvoraussetzungen hat, sind zweierlei Natur: Zunächst einmal produziert der Markt, wie oben beschrieben, nicht nur Güter, die wir zum Leben benötigen. Darüber hinaus konkurrieren die Marktteilnehmer, die die gleichen Zielgruppen ansprechen, um ihren Profit.
Daher verwundert es nicht, daß wir in den Werbungen gleich mehrere Hersteller der „herzhaftesten Leberwurst“ oder des „geschmeidigsten Schmierkäse“ finden. Grundlegendste Bedürfnisse des Menschen werden im Markt zum Objekt der Begierde und es gilt, diese Bedürfnisse möglichst effektiv und gewinnbringend für sich auszunutzen. Niemals setzt sich der Markt das Ziel, Bedürfnisse zu befriedigen, denn das genaue Gegenteil ist der Fall: Der Markt möchte neue Bedürfnisse erschaffen, und falls dem deutschen Michel die normale Leberwurst nicht mehr schmeckt, gibt es jetzt die Neue mit Paprika für 50 Cent mehr. Das Spielchen lässt sich ohne Weiteres auch auf die Kleidungsgüter übertragen, welche an sich nicht mal ein Viertel so viel Wert sind, wie die aufgestickte Marke, oder auf den Wohnraum, dessen Preis, je nach Standort, sinkt und steigt und dessen Möblierung wiederrum durch die gesamte Mühle der Marktverwertung gezwirbelt wird – und sich Großwarenhäuser streiten, welche Möbel denn nun die „Besten“ sind. Warum man dann für die eine Couch oder für den anderen Sessel 500 Euro mehr oder weniger gezahlt hat? Woher soll der deutsche Michel das schon wissen.

Klasse nach Preis

Die Masse an Gütern, die als Waren auf dem Markt vertrieben werden, kann uns Zeugnis über die realexistierende Klassengesellschaft der BRD abliefern. Nicht nur, daß unbegrenzte Warenvielfalt herrscht, jede einzelne Güterklasse unterteilt sich außerdem in niedrige, mittlere und hohe Preisklassen. Besonders makaber offenbahrt sich dies wieder bei lebensnotwendigen Gütern, wie Nahrung: Während der Mehrverdiener in aller Seelenruhe seinen Käse aus Bio-Haltung verzehren kann, ist der Unterschichtler gezwungen, billigere Produkte zu kaufen und somit inakzeptablen kapitalistischen Realitäten der Massentierhaltung finanzielle Unterstützung zu liefern. Mehrverdiener haben in allen Belangen die Möglichkeit, Waren von höherer Qualität zu erwerben, ganz so, als hätten Mehrverdiener gleichzeitig anspruchsvollere Bedürfnisse als Wenigverdiener.Letztere sind dennoch gezwungen, qualitativ minderwertige Waren zu erwerben, während allgemeine Luxus-Güter beinnahe unerreichbar sind. Dies Prinzip finden wir eigentlich in allen kapitalistischen Gesellschaften und man erkennt klar die Struktur, die der Markt letztlich erschaffen hat, um möglichst alle Klassen der Gesellschaft zu bedienen. Billigwarenhäuser treffen somit in diesem Lande auf Nobelläden – beide sind mehr als nur überlebensfähig.

Siehe auch:
Sozialismus, Arbeit und Leistung. Teil 2

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6 Antworten zu “Sozialismus, Arbeit und Leistung. Teil 1

  1. Tbc August 9, 2010 um 5:44 pm

    Guter Artikel!
    Bin gespannt auf den 2ten Teil.

  2. Lex Luger August 10, 2010 um 11:13 pm

    Der zweite Teil wird irgendwann am Abend des 11.08 erscheinen.

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