Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Leise vernichtet der Sachzwang – ein Mosaikstein aus der Bielefelder Universität.

Vom Westkollektiv des Netzwerks Sozialistische Nation.

Am elften September 1973 putschte in Chile das Militär unter Führung des Generals Augusto Pinochet nach Jahren der Krise gegen den demokratisch gewählten, marxistischen Präsidenten Salvador Allende. Trotz der unzähligen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die in den Jahren von 1973 bis 1990 unter der Herrschaft Pinochets begangen wurden, standen auch in Deutschland Christdemokraten und fehlgeleitete Nationalisten solidarisch zum neuen Regime.
Nicht Wenige werden in den wirtschaftlichen Veränderungen, die Chile nun erschütterten, insgeheim auch ihre bürgerlichen Wünsche erfüllt gesehen haben. Unter dem Verbrecher Pinochet wurde Chile zu einem ersten Experimentierfeld des Neoliberalismus. Unter der Regie der sogenannten Chicago Boys, in den USA im Geiste Milton Friedmanns ausgebildeter Ökonomen, wurden Landreformen zurückgenommen, Staatsbetriebe privatisiert und Sozialleistungen abgeschafft.
Vor allem die Privatisierung der Banken, welche sich im Ausland durch Zockergeschäfte massiv verschuldeten, stürzte Chile in eine strukturelle Krise. Dennoch bleiben die Aller-Welts-Lösungen der Chicago-Boys bis heute auch für Deutsche Liberale ein taugliches Vorbild. (dazu: Fahnentraeger 17, Winter 2008/09, Das chilenische Jubiläum, S.30f.)

Während viele in Deutschland dem Putsch teilnahmslos oder zustimmend gegenüberstanden, kam es in der ostwestfälischen Provinz zu kreativem Protest. In der Nacht zum zwölften September bemalten Angehörige des Asta der Bielefelder Universität eine Mauer in der zentralen Unihalle mit einem Bild nach der Vorlage der exilchilenischen „Brigade Salvador Allende“. In bunten Farben gedenkt das Bild dem verzweifelten Kampf des chilenischen Volkes gegen die Putschisten und seinem Leid (siehe Foto). Eine Aktion, die beim Rektorat auf wenig Gegenliebe stieß. Man verurteilte das Handeln der Studenten als eigenmächtig und undemokratisch. Später rang man sich dann aber doch noch zu einer Anerkennung durch, nachdem sich Studentenparlament und Lokalpresse auch aus ästhetischen Gründen für das Werk aussprachen. Mit der reichlich verquasten, bundesrepublikanischen Begründung, die stillschweigende Duldung des Faschismus habe an der Universität keinen Platz, entschied man sich für den Erhalt des Gemäldes.
Was an der Universität Bielefeld bis heute alles stillschweigend Duldung genießt, von antideutscher Hetze bis zur Denunziation politisch Missliebiger, darüber hat (Bierberstein Literaturhinweis) genug geschrieben.

24 Jahre später scheint der Neoliberalismus aber auch über dieses Manifest der Solidarität einen unbeachteten Triumph zu feiern, so wie er auch in Europa auf leisen Sohlen mit dem Argument des Sachzwanges in der Hand überall Einzug hielt.
Wie jetzt im Zuge der Wahlen zum StuPa 2010 von einigen politischen Hochschulgruppen thematisiert, soll bei Modernisierungsmaßnahmen der Audimax abgerissen werden und mit ihm auch das Chile-Gemälde verschwinden. Eine Entscheidung welche stillschweigend getroffen wurde, als Teil der Exzellenzinitiative, welche die Universität zu einer High-Potential-Kaderschmiede für die Wirtschaft transformieren soll.
Auch wenn die Vernichtung des Gemäldes für den Nicht-Ostwestfalen nicht einmal eine Fußnote sein mag, sie ist doch symptomatisch. Unter dem Vorwande einer stets als absolut notwendig verkauften Modernisierung werden universitäre Traditionen zerschlagen, Organe der Selbstverwaltung übergangen und soll sozialrevolutionärer Widerstand mundtot gemacht werden. Hinter dem Nebelwort „Exzellenz“ steckt ein Neoliberalismus seine Claims ab, dessen Protagonisten vor allem exzellent darin sind, Menschen auszubeuten und Kulturgüter zu vernichten.

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