Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Die Zersetzung des Systems

Von Franco Freda (1969).

Der grundlegende Anlass, der uns diesen Kongress einberufen hat lassen, ist von einer profunden Sicherheit meiner- und ihrerseits bestimmt, dass der gegenwärtige Augenblick unserer Organisation die Notwendigkeit auferlegt, um die zentralen Motive unserer Idee vom Leben und von der Welt herum die „Reihen zu schließen“. An erster Stelle steht die Erfordernis, die tatsächlichen Bezugspunkte zu erkennen, die Regel, von der sich unsere politische Präsenz herleitet – um die ideale Richtung zu finden, an die es sich anzugleichen gilt. An zweiter Stelle – oder besser, darauffolgend und zugleich – steht die Erfordernis, unsere Berufung, unseren Willen im politischen Kampf nach einem Schema zu formulieren, das elastisch, agil, frei von Komplexen und Hemmungen, in einem Wort: vorurteilslos ist.

Wir befinden uns an dem Punkt an dem es notwendig ist, die vergangenen Fehler aufzuzeigen, die grundlegenden Ursachen zu verstehen, die es erlaubt haben, dass sie sich mit der Pflicht vermengt haben, unsere Wurzeln zu schlagen, „Unsere“ heißt: jene Menschen, die sich der Politik ohne mentale Reserve, ohne zweideutige Absichten, ohne kleinbürgerliche Alibis widmen, mit der, so möchte ich gleichsam sagen, nüchternen, unpersönlichen Seele derjenigen, die ihre jeweilige Pflicht tun weil sie getan werden muss. Im Zentrum unserer politischen Doktrin und den wesentlichen Elementen ohne Zögern treu zu bleiben ist eine klare Anbindung an das Wesentliche, die uns befähigt oder stärken muss, in dem elastisch und agil zu bleiben, was funktional und instrumentell ist. Ich glaube in der Tat nichts Neues zu sagen, wenn ich behaupte, dass wir, je mehr im Zentrum verwurzelt sind, wir uns mit Leichtigkeit auf den peripheren Punkten bewegen können, ohne uns zu sehr von diesem Zentrum zu entfernen, von dem, was wichtig und wesentlich ist.

Ich habe am Anfang gesagt: schließen wir die Reihen um eine elastische politische Organisation ins Leben zu rufen. Nun möchte ich hinzufügen: schließen wir die Reihen um eine politische Organisation zu besitzen, die in der Lage ist, einen Flügelschlag zu geben, für die Menschen, die entschlossen sind, die Macht zu ergreifen.

Bis jetzt sind wir marschiert. Wir haben nicht die Folgen einer Selbstkritik zu fürchten, wenn sie frei und würdig durchgeführt wird, und daher sagen wir: wir haben Rückschritte gemacht! Wir sind in einer passiven Einheit mit den „anderen“ geblieben, mit dem politischen Anschein der „anderen“, den falschen Problemen der „anderen“, der ideologischen Reklame der „anderen“: wir haben als unsere Ziele – wenigstens zweideutig – diejenigen der „anderen“ anerkannt. Das Verhalten von allen – zuerst der Führer, danach, in der Folge, von ihrer Gefolgschaft – war, der besseren Annahme nach, das von Naiven, der schlechteren nach, das von Stumpfsinnigen.

Unser politischer Diskurs stützte sich zuerst auf Europa, und ich glaube dass Europa wirklich ein Mythos ist und eine authentische Ideen-Kraft repräsentiert: wenn man auch viel zu oft anmerkt, dass Europa nur eine einfache geographische Definition widerspiegelt, der man keine ursprüngliche propagandistische Brauchbarkeit zumessen dürfe, in einer Epoche in der auch Schreibbüros, Wäschereien, Imbissbuden und Bahnhofhotels sich „Europa“ nennen!!

Wir haben von dem europäischen politischen Entwurf gesprochen, der den verschiedenen nationalistisch-patriotischen Konzeptionen entgegengesetzt ist, aber wir haben nicht bemerkt (oder wir haben es nicht bemerken wollen?) dass dies nur Wert besitzt in der Konfrontation mit der kleinbürgerlichen nationalistischen Rechten – vor allem unserer eigenen – und dass sich dies in den Parolen einer x beliebigen Polemik erschöpft hat. Wir haben in Begriffen der „europäischen Zivilisation“ gesprochen, ohne unter die Oberfläche dieses Ausdrucks zu ritzen und ohne zu überprüfen, ob auf dem Grund des Problems, eine homogene europäische Zivilisation in der Wirklichkeit existiert, und was die wirklichen Koeffizienten dieser Bezeichnung sind, im Licht einer geschichtlichen Weltsituation für die ein lateinamerikanischer Guerillero unserer Vision der Welt weitaus eher angehört als ein Spanier, der von den Pfarrern und den USA unterjocht ist, für die das kriegerische Volk von Nordvietnam, durch seinen ernsten, spartanischen, heldenhaften Stil unseren Entwurfs der Existenz weitaus näher steht als das italienische, französische oder westdeutsche Gedärm; für das der palästinensische Terrorist unserer Vendetta weitaus näher ist als der judaisierte Engländer. (Europäer? Persönlich habe ich Zweifel!)

Wir haben die europäische Hegemonie verfochten, uns an ein Europa gerichtet, das schon amerikanisiert und sowjetisiert gewesen ist, ohne dem Rechnung zu tragen, dass dieses Europa der Sklave der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geworden ist, weil seine Völker und die europäischen Nationen von den ideologischen Exportartikeln der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion absorbiert worden sind – schrittweise und nicht als unmittelbare Konsequenz der militärischen Niederlage. Ohne dem Rechnung zu tragen, dass der politische, wirtschaftliche, kulturelle Zusammenbruch genau deswegen eingetreten ist, weil die Spannung aufgehört hat, die Unterstützung, die die höhere Dimension der Zivilisation, die wir uns nicht anmaßen können tout court Europa zuzuschreiben, in einigen Völkern, in einigen europäischen Menschen, in dieser geschichtlichen Epoche (und nur bei einigen Menschen und nur in bestimmten geschichtlichen Epochen!) gefunden hatte, zusammengebrochen ist.

Es ist der Moment gekommen, damit aufzuhören mit dem Hampelmann „Europa“ zu spielen oder mit dem Klang seines Namens zu gurgeln.

Mit dem Europa der Aufklärung haben wir absolut nichts zu schaffen. Mit dem demokratischen und jakobinischen Europa haben wir nichts zu tun. Mit dem merkantilistischen Europa, mit dem Europa des plutokratischen Kolonialismus: nichts zu verteilen.

So viele Bastarde an Komponenten sind zurückzuweisen, zu begraben; so zahlreiche – ich wage zu sagen: zu viele – Faktoren haben eingewirkt, die diese europäische Flüssigkeit bis zu dem Punkt verfälscht und verdorben haben, dass sie zu einer Jauche geworden ist, für den noch ein Prozess der Entgiftung positiv aufgewiesen werden müsste. Europa ist ein altes Luder, das in allen Bordellen gehurt hat und sich alle ideologischen Infektionen eingefangen hat- von der mittelalterlichen Revolte der Kommunen bis zu den nationalen antiimperialen Monarchien; vom Aufklärer- bis zum Jakobiner- und Freimaurertum, Judaismus und Zionismus, Liberalismus und Marxismus. Eine Hure, die die bürgerliche und die proletarische Revolution empfangen und geboren hat; ihre Seele wurde besessen von der Gewalt der Händler und der Rebellion der Sklaven. Und wir, an diesem Punkt, wollen sie erlösen, ihr die Zauberworte zuflüstern: ihr, zum Beispiel, sagen, dass sie sich ausschließlich „Europäern“ hingeben soll, von Brest bis Bukarest??!!!

Wir haben die Fahne Europas erhoben ohne zu verstehen, dass diese für uns nichts von wirklicher und homogener Bedeutung repräsentieren kann: ohne die Anzahl von Fäden zu bemerken, die das gebrauchte Gewebe bilden, und welchen Gestank es verströmt!

Wir haben, kurz und gut, es vorgezogen unsere Unfähigkeit zu verbergen, das zu wählen wollen, was für uns authentisch und wahr ist, und all das zurückzuweisen zu wissen, was für unsere europäische Tradition (oder in diesem Fall: für unsere Geschichte) illegitim und zweideutig ist, uns täuschend, jede Lücke durch Rückgriff auf die Formel, die Parole „Europa“ füllen zu können. Ohne in Betracht zu ziehen, wie gerade gesagt, dass heute ein demokratisch-bürgerliches oder demokratisch-sozialistisches Europa existiert; wie gestern ein faschistisches und nationalsozialistisches Europa und ein demokratisches Europa existiert hat; wie auch an einem anderen Gestern ein jakobinisches und ein gegenrevolutionäres Europas existiert hatte. Ohne zu beachten, dass viele, auch die Technokraten der EG, ein Europa nach ihrer Art ersehnen: ein Europa basierend auf einer finsteren Hierarchie, die an der Basis der Pyramide aus der „rationalen“ Ausbeutung der italienischen Arbeit und an der Spitze aus den Investitionen des internationalen Kapitals errichtet ist.

Um diese zweideutige Formel aufzunehmen (die nur dazu dienen kann, um sich von einer anderen, genauso zweideutigen Formel – der nationalistischen – zu unterscheiden), wäre es notwendig zu sagen im Namen welcher Prinzipien, die zu welcher Idee von der Welt gehören, in welche Richtung sie angewendet werden, die besten unter den europäischen Menschen sich in einer organischen, politischen, übernationalen Einheit verbinden müssen. Dieser anderen Wirklichkeit können wir dann noch den Namen „Europa“ geben, wenn das „alte Europa“ – das Europa der dunklen Jahrhunderte (um die Bedeutung einer bekannten Phrase eines alten Hanswursts umzukehren), das Europa der antiimperialen Kommunen, das Europa der römischen Kirche, das Europa des Protestantismus, des Merkantilismus, der Aufklärung, der bürgerlichen und proletarischen Demokratie, das freimaurerische und jüdische Europa – dieses ganze monströse Spektrum sich nicht mehr dieser Menschen einer gänzlich anderen Rasse schmücken kann.

Ich bin von diesem Punkt ausgegangen, weil er den offensichtlichsten unserer Fehler charakterisiert, und weil das Motiv des „Europas“ in den Jahren der politischen Aktivität unserer Organisation den Brennpunkt gebildet hat, in dem unser politisches Projekt zusammengelaufen ist. Ich betrachte es folglich als unnötig mich zu diesem Zeitpunkt damit aufzuhalten, spezifisch die anderen Elemente unseres sogenannten Programms zu betrachten, da diese auf ihren jeweiligen unterschiedlichen Ebenen auch Konsequenzen dieser schon herausgestellten Zweideutigkeiten sind.

Nun, nachdem wir unsere Kurzsichtigkeit und unsere Fehler erkannt haben, ist es notwendig, bevor wir die Richtung bestimmen, die es einzuschlagen gilt, die gegenwärtige Situation zu analysieren und die Handlungskriterien, denen die anderen folgen. Ich spreche weiterhin von „den anderen“ – und nicht von unseren Gegnern oder unseren Feinden -, weil ich darauf bestehen will und es klarstellen, bis zu welchen extremen Konsequenzen das Vokabular führen oder Bilder heraufbeschwören kann, wie es zwischen uns und den anderen mehr als nur eine einfache Differenz der Mentalität, der Handlungsweise, der politischen „Ideologie“ gibt (und geben muss). Es ist eine andere Seele, eine andere Rasse, die unseren Aktionen ihre typische Bedeutung gibt und die dazu passende Physiognomie zuschreibt, die nicht auf gemeinsame Begriffe und Gestalten zurückgeführt werden kann, auf verschiedene politische „Ideologien“ unserer Epoche.

Die Überlegung, die uns leitet, ist die folgende: wir leben heute in der Welt der anderen, umgeben von den anderen, von jenen würdigen Repräsentanten der bürgerlichen Epoche, unter der Herrschaft der düstersten und demütigendsten der Diktaturen: der Bourgeoisie, der Händler. Alles was uns umgibt ist bürgerlich: die politische Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Familie, soziales Benehmen, „religiöse“ Erscheinungsformen.

In der „westlichen“ Demokratie ist das Spektakel, das sich unseren Augen darbietet, von einer abstoßenden Kohärenz mit den orthodoxesten Maßstäben des Entwurfs des bürgerlichen Lebens. In dieser Demokratie, dient die Organisation der Macht dazu, unbeweglich zu bleiben, mittels der verschiedensten unterdrückerischen und repressiven Instrumenten, das hegemoniale Verhältnis einer Klasse – der Bourgeoisie, und daraus insbesondere eines Teils, der die plutokratische Oligarchie bildet – über das Volk. Die ausschließliche klassenspezifische Basis auf der sie fundiert, erlauben keine Wirklichkeiten und Werte, die sich von den ökonomischen unterscheiden: die bürgerliche Diktatur, die aus einem Prozess der Verstärkung und der hegemonialen Intensivierung der französischen Revolution siegreich hervorgegangen ist, bewahrt seit ungefähr zwei Jahrhunderten unverändert das einigende Band, das die Bourgeoisie wie einen Mann vereint: das Band zwischen Herrn und Diener, zwischen Ausbeuter und Ausgebeutetem. Trotz allen helfenden Abschwächungen, der Vorsorge, von paternalistischer Art, ist dies die wahre Wirklichkeit des bürgerlichen Systems. Und die gleiche Wirklichkeit hat schon im Jahr 1849 Marx meisterhaft im Manifest der kommunistischen Partei behandelt:

„Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet [ .. ] Wo sie zur Herrschaft gekommen ist [ .. ] hat sie die buntscheckigen Familienbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose bare Zahlung. [ .. ] Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. “

Wenn die bürgerliche Gesellschaft den ihr Untergebenen eine Verbesserung der Bedingungen des vegetativen Lebens (dies schließt auch jene ein, die man dem Bereich des Mentalen zurechnet!) zugesteht, dann nicht weil die ausschließlich ökonomistisch-egoistischen Voraussetzungen auf denen die bürgerliche Gesellschaft basiert fehlen würden.

Wie man zu Recht sagt, ist der Teufel dann noch viel gefährlicher, wenn er sich respektabel gibt! Und, in der Tat, der größte Wohlstand folgt aus der Tatsache, dass in der geschichtlichen Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft die Tendenzen zur politischen Hegemonie von Seiten der Bourgeoisie, verfestigt zu einer wirklichen politischen „Übermacht‘, einfach andere Formen der Gewalt angenommen haben als die vorangegangenen; aber wie die Vorgänger sind sie übereinstimmende Erscheinungsformen der gleichen und identischen Wirklichkeit: innerhalb eines Schemas der Spannung zwischen Produktion und Konsum.

Der Kapitalist versteht, dass, wenn er den Lohn des Arbeiters erhöht, dieser den Kühlschrank oder das Auto kaufen wird können, die Produkte des Kapitalisten; dieser zieht in Betracht dass, wenn die Arbeiter durch die Zwangsvorstellung betäubt sind, immer Neues – und folglich nicht wirkliches, sondern illusorisches, artifizielles – zu brauchen und sich zwingen, dafür abzuplagen um es zu erwerben, er die Arbeiter völlig mit der Arbeit vergiften kann. Letzterer, ruhig und gut, zahm wie ein Ochse (ein Ochse, der periodisch brüllen wird um Lohnerhöhungen zu erhalten: mitunter wird er auch sich selbst die Illusion erlauben, ein freier Stier zu sein und er würde in der Lage sein den Stall zu beschädigen!), wird keinerlei Versuchung zeigen, die „eigene“ Hegemonie an die Stelle der des Bürgers zu setzen.

Daher ist der Staat in der bürgerlichen „repräsentativen“ Demokratie ausschließlich die politische Arena des Bürgers: sein einziger wirklicher Zweck und seine Funktion sind von der bürgerlichen Ökonomie bestimmt, bestehen in der Verteidigung der bürgerlichen Ökonomie, in der Sublimierung der bürgerlichen Ökonomie. Unterstützt von der Mittel der Penetration, die die technischen Anwendungen der bürgerlichen „Wissenschaft“ ihr zur Verfügung stellen, hat die Bourgeoisie, nachdem sie den Menschen auf das Niveau des Arbeiters reduziert hat, erfolgreich ihren Prozess der Identifikation zwischen dem „individuellen“ und dem „sozialen“ Moment vervollständigt und hat jeden Bereich mit seiner Anwesenheit ausgefüllt. Der Händler hat allen seine eigenen Neigungen aufgezwungen, die eigenen Bestrebungen: davon unterschiedene, andere Berufungen (wir sagen nicht höhere, sondern bloß andere!) finden keinen Platz im politischen Raum, der der Raum des Bürgers ist, der ausschließlich dem gehört, der „Bürger“ ist.

Auch die Kunst, trotz aller heuchlerischen Rechtfertigung (oder Dignifikation?) nach dem Schema der Autonomie, das die Bürger ihr zuzuschreiben sich bemühen, ist rigoros funktionalisiert für das Vergnügen (oder besser: für die intellektuelle Masturbation) der Bürger. Die „freie“ Wissenschaft ist nichts anderes als die Suche nach dem Fortschritt des bürgerlichen Systems, das heißt die Potenzierung der Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft: oder auch, die effiziente Technologie im Dienste der „Eroberungen“ dieser letzteren.

Die Justiz selbst ist nichts anderes als die Kristallisation in Kodizes der in der bürgerlichen Gesellschaft vorherrschenden Ideen, der Ideen der „präpotenten“ Klasse, das ist der Bourgeoisie. Jede beliebige Dystonie, jede beliebige Fehlfunktion des Systems wird der Sabotage zugeschrieben, die von den Feinden des Systems begangen wird, den wenigen, für die tout court die Ordnung nicht das anzubetende Idol ist, für die legalistische Sublimierungen nur tiefgehende und demütigende Ungerechtigkeit bedeuten.

Schließlich stellt die bürgerliche Gesellschaft dort, wo alle Koeffizienten des Gleichgewichts nicht ausreichen, noch sein massivstes und bewährtestes Sicherheitsventil in Funktion, den Sport, Massenphänomen der Übertragung, der Ablenkung, des Verbrauchs der überschüssigen Energie in Richtung eines Ziels, das gleichsam dämonisch hervorgerufenen wird.

Wenn im Übrigen die Wirtschaft das Schicksal der Bürger ist, so ist sie jedenfalls das Schicksal der Armen, das heißt der Ausgebeuteten (oder, wenn man so will, der Proletarier).

Es geschieht nicht im Namen einer anderen Wirklichkeit oder eines anderen Fetisches, wenn die Proletarier sich zum Sturm auf das bürgerliche Buffet bewegen. Es ist das wütende Bewusstsein nicht mehr den Bürger dienen zu wollen, nicht mehr deren Vermögen düngen zu wollen, das die proletarische Revolte hervorruft.

Wenn die Bürger das Leitmotiv der Gleichheit rezitieren, als juristisch-kulturelles sentimentales Konzept, begnügen die Proletarier sich nicht mit den „guten Absichten“, sondern verlangen dass die Formel zu einem Muster für konkrete Handlungen wird, die den Unterschied zwischen denen, die haben, und denen, die nicht haben, oder zwischen denen, die viel besitzen, und denen, die wenig besitzen, beseitigen. Die Voraussetzung jedoch, ökonomistisch und quantitativ, bleibt ganz und gar bestehen! Es ist immer im Namen der ökonomischen „Wirklichkeit“, immer als Effekt des „mystischen“ Deliriums der Ökonomie, dass das Proletariat versucht „seine“ eine Artikulation der ökonomischen Beziehungen aufzuzwingen, „seine“ eine Organisation der Gerechtigkeit, und in der Folge „seine“ eine Weise, die künstlerische Produktion, die Beziehungen zwischen den Staatsbürgern, usw. aufzufassen.

Der anscheinende Gegensatz zwischen der bürgerlichen Demokratie und der sozialistischen löst sich auf -wie die Mauer aus Eis – angesichts des vorherrschenden produktivistisch-konsumistischen Charakters.

Das „Primat“ wird in den bürgerlichen Demokratien von jenen ausgeübt, die die wirtschaftliche Macht und deshalb auch die politische Macht haben (wer diese besitzt, befiehlt), in den sozialistischen Demokratien wird sie von denen gebildet, die im Besitz der politischen Macht sind und deshalb auch die gleichen Produktionsmittel zur Verfügung haben – als verzerrtes Privileg der Funktion des politischen Kommandos – , die im sogenannten „entgegengesetzten“ Lager das Vermögen der Bourgeoisie bilden.

Auf der einen Seite, die Besitzer des Kapitals, welche die politische Macht – im Namen der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Ordnung – besitzen und alles tun um sie zu erhalten, das heißt sie auszuweiten um ihr Kapital zu vermehren; auf der anderen Seite, die einzigen Besitzer des Kapitals, die sich verschiedener Bilder des Markts bedienen um das gleiche Produkt zu bewerben. Die ökonomistische Regel des abnormen Prozesses Produktion-Konsum ist folglich in beiden vorhanden.

Dies ist nicht der Ort, um – wie kurz auch immer – die imperialistischen Zusammenhänge zwischen solchen Systemen zu analysieren, die die Logik der Notwendigkeit gerade für die Lösung des imperialistischen Überfalls als einzigen und fatalen Träger des Schutzes der kapitalistischen Organisationen stellt.

Man braucht sich daher nicht zu wundern, wenn, wie in der bürgerlichen Gesellschaft auch in der sozialistischen Gesellschaft die Rollen der Macht sich qualifizieren und sich ausschließlich in Begriffen des Reichtums ausdrücken; es kann nicht anders sein, wenn dem Staat allein die Funktion des „Ordners des Reichtums“ zugeschrieben wird (im Übrigen, welche Staaten, die anders als sie selbst sind, sollten die Bürger und Proletarier gründen können?); wenn es die Funktion des Staates ist, nur die Häufung und Aneignung des Reichtums und ausschließlich die Befriedigung der physischen Bedürfnisse der vegetativen Existenz sicherzustellen (wir wiederholen, dass wir mit dem Begriff „physisch“ auch jene unruhigen Komplikationen mit einschließen, die als „spirituell“ zu bezeichnen, dem Bürger gefällt.)

In beiden Modellen erlauben daher die identischen Phänomene nur abweichenden „Bilderschaum“. Spannungen, die Bürger und Proletarier gegenüberstellen auf der einen Seite; Spannungen, die Bürokraten (technische Funktionäre) und Regierte gegenüberstellen auf der anderen.

Auf der einen Seite das Privateigentum, das nicht dem Staat zugerechnet werden darf (das dennoch nicht aufhört eine der möglichen Koeffizienten seiner Organisation darzustellen), das aber der Staat selbst ist – deshalb ist der Staat das „Eigentum der Eigentümer“; auf der anderen das Eigentum des Staates, das sich in den Besitz derer auflöst, die den Staat verwalten – deshalb lösen sich der Staat und die abstrakte Gleichheit auf in einer bürokratischen und technokratischen Veruntreuung.

An diesem Punkt wäre es lächerlich jener Analyse die subtile „Unterscheidung“ entgegenzuhalten, nach welcher der Identität, die es auf der Ebene der Resultate zwischen den beiden Organisationsformen – der bürgerlichen und der sozialistischen – gibt, keine substantielle Identität auf der Ebene der „Prinzipien“ entsprechen würde. Nach dieser wäre das Verhältnis Ausbeuter-Ausgebeuteter die typische und normale, gleichsam natürliche Konsequenz aus den Voraussetzungen des bürgerlichen kapitalistischen Systems, während die Ausbeutung der Regierten durch einen Teil der Regierenden des sozialistischen kapitalistischen Systems als eine abnorme Fehlfunktion und eine Degeneration zu betrachten wäre, die nicht auf das Wesen selbst des Systems zurückzuführen wäre! Wahr ist umgekehrt, dass das Wesen der beiden Phänomene identisch ist, weil das Prinzip dasselbe ist: Die Wirtschaft ist das Schicksal des Menschen, die einzige elementare – natürliche – Wirklichkeit des Menschen, seine einzige existentielle Dimension. Und diese primordiale „Wirklichkeit“ hat in ihrem Zentrum die Zwangsvorstellung des Verdauungstrakts (ein Schlauch mit zwei Öffnungen: eine zum Schlucken und eine zum Ausscheiden, andere eventuelle Öffnungen dienen nur zur Verschönerung oder um die „gute Verdauung“ zu erleichtern oder die Magensekrete zu stimulieren, wenn man dies notwendig hat), die jedoch zwei verschiedene Interpretationen der Gefräßigkeit zugesteht: die eine, nach der alle Verdauungstrakte gleich sind; die andere, nach der nicht alle Gedärme gleich sind, sondern die einen dicker und die anderen mehr eingeschränkt (und deswegen ist es opportun, dass die Justiz, die Ordnung usw. usw…. darüber wachen, dass diese nicht eine gefährliche „subversive“ Magenerweiterung provozieren.)

DIE PHYSIOGNOMIE DES WAHREN STAATES

Es gibt trotz allem noch jene, die sich nicht von den Verführungen der Ökonomie vereinnahmen lassen und in ihrer Überzeugung fest bleiben, dass die prinzipielle Aufgabe des Staates nicht die ist, die Anschaffung oder die Bewahrung des Kühlschranks, der Waschmaschine oder der meisten freien Tage zu garantieren. Diese behalten im Gedächtnis, dass das Ziel des Menschen es nicht ist, sich im bestmöglichen physischen Zustand vegetierend und zufrieden zu erhalten – sondern dass es etwas anderes gibt; und dass es gerade dieses andere ist, das der Existenz Bedeutung und Stil gibt.

Dieser Rasse von wirklich freien Menschen – diesen Asketen, in der klassischen Bedeutung des Ausdrucks, der politischen – schlagen wir unseren Diskurs vom wahren Staat und der Funktion des wahren und gerechten Menschen im Staat vor: mit der Absicht, nicht ein vages und sentimentales Gebilde vorzustellen, sondern in Richtung der subtilen Intuition des Mythos – sogar des Mysteriums – des Staates zu orientieren.

Wir suchen nicht nach dem Staat basierend auf einer empirischen Studie, entwickelt im Ausgang von den Phänomenen der existierenden Staaten unserer Tage: wir versuchen den Staat nicht als ein geschichtliches Phänomen – der Staat hic et nunc – in einer „phänomenologischen“ Vision zu erkennen, sondern wir versuchen ihn als absolute Realität zu verstehen: als Wert, das heißt als Wahrheit, die pro aeternitate gilt. Eine Wirklichkeit, die, für sich betrachtet, nicht die Notwendigkeit der Manifestation, der geschichtlichen Bestätigung (die existierenden Staaten) benötigt, um gültig zu sein. In anderen Worten, wir wollen das Wesen des Staates erkennen und übergehen die Vermittlungen, die das geschichtliche Phänomen der Existenz der Staaten gebildet haben: vielmehr wollen wir im Lichte dieses Wesens und der Idee des Staates, die sie erleuchtet, beurteilen ob diese Phänomene (die geschichtlichen Staaten) ordnungsgemäße Anwendungen entsprechend der Regel sind oder weniger.

Die Ausführungen, die folgen werden, sind nicht der Ausdruck unserer persönlichen “Ideologie“ (wir räumen ein, dass wir keine haben), überzeugt wie wir sind von der strengen Wahrheit, dass „eine Idee nicht neu sein kann, weil die Wahrheit kein Produkt des menschlichen Geistes ist, sie existiert unabhängig von uns und wir haben nur das Recht sie zu erkennen „.

Der Mythos des Staates ist der Mythos einer politischen Ordnung, die, ohne in irgendeiner bestimmten Zeit und an irgendeinem bestimmten Ort vollständig verwirklicht zu sein, ewig „ist“ und sich ewig als wahr präsentiert. Wir übernehmen die gleiche Bedeutung, die sich in den Ausführungen der platonischen Politeia findet: „Im Himmel ist er vielleicht als Muster hingestellt für den, der ihn anschauen und gemäß dem Erschauten sein eigenes Innere gestalten will. Ob er irgendwo sich wirklich vorfindet oder vorfinden wird, darauf kommt es nicht an; denn nur den Geschäften dieses Staates wird er sich widmen, eines anderen aber nicht.“

Die Prinzipien des wahren Staates beziehen sich auf die Domäne des „sein müssen“, besitzen eine eminente normative Bedeutung und werden als solche nicht durch die Anerkennung verifziert oder durch die Verweigerung der Anwendung von Seiten der in der geschichtlichen Welt handelnden beeinträchtigt. Sie sind mit einem metapolitischen und metageschichtlichen Raum verbunden und bleiben folglich autonom von den auf der empirischen politischen Ebene existierenden Gestalten: es sind umgekehrt diese Gestalten, die, um nicht abstrakt zu werden, sondern „Formen“ von etwas „Realem“ zu sein, als resultierende Funktion zu jenen Prinzipien existieren müssen.

Die Bedeutung des wahren Staates hängt von der belebenden Spannung ab, die, um ein wirkliches Machtzentrum und nicht eine untätige Superstruktur darzustellen, im individuellen Mikrokosmos inspiriert ist. Der wahre Staat setzt sich nicht den wirtschaftlichen Reichtum und das Wohlbefinden aller Staatsbürger oder einer sozialen Gruppe als authentisches Ziel, sondern, was schon die alten Griechen hellsichtig in Begriffen der „Glückseligkeit“ – eudaimonia – definierten, die Harmonie der verschiedenen Komponenten des Staates. „Glückseligkeit“ in der Bedeutung der Vollständigkeit, der Integration zwischen den menschlichen Elementen und der Teilhabe an den über-menschlichen und göttlichen Elementen der Wirklichkeit.

Im wahren Staat muss die organische Einheit des sozialen Körpers garantiert sein, eine Einheit, die durchaus nicht als Eingriff des Staates in Bereiche, die von privaten Interessen des Individuums beansprucht werden, verstanden werden darf, sondern als Herausbildung eines Klimas der idealen Spannung, in der jeder an seinem richtigen Platz sich befindet und verbleibt, mit Kohärenz, Treue und Freiheit seine eigenen Neigungen entwickelt. Es ist daher in einem solchen Staat nicht zulässig dass jemand Veruntreuungen begeht oder Willkür und Verletzungen des Führers an anderen: sondern von Seite seiner Angehörigen muss der ernsthafte und gewissenhafte Wille vorherrschen, eine Existenz entsprechend der eigenen Natur zu führen.

Der wahre Staat ist nicht die Frucht einer Ideologie oder einer politisch individuellen Konzeption, sondern er ist die verantwortliche Verwirklichung in Begriffen des politischen Regimes eines unpersönlichen Prinzips, einer Norm die man als „a priori“ definieren kann, gemacht im Kopf – wie schon richtigerweise im Gedächtnis behalten wurde – jener „natürlichen Rechte des heroischen Geschlechts“, wobei sich natürlich nicht mit dem physischen, funktionalen Element erschöpft, sondern den Wert des Begriffs „normativ“ erlangt, Symbol einer jeden „normalen“ und integralen Bedingung der Existenz. Die Regel, die die „innere Haltung“ repräsentiert, die absolute Form eines Stils des Lebens, völlig treu zu dem was, es wirklich ist.

Der wahre Staat erniedrigt sich nicht zu reinen Strukturen des positiven Rechts, sondern weist auf höheres Wesen und höhere Funktion: der Geist des Staates, das Zentrum des Staates wird von einer Kraft gebildet, die die Ebene des unmittelbar Irdischen und nur Menschlichen übersteigt.

Der wahre Staat hat Wert als ordnendes Prinzip einer Rückeroberung, die der Mensch durchführen muss: die Rückeroberung der Über-Welt, die Wiederherstellung seiner heroischen Dimension. Deswegen stellt der Staat das notwendige Element der Vermittlung dar, die die Reintegration des Individuums in die göttliche Realität hervorruft: nur durch seine Vermittlung verwirklicht das Individuum die Überwindung seiner eigenen einzelnen Existenz, erhebt sich in eine Wirklichkeit, die ihn übersteigt insofern sie von ihm autonom ist.

Man kann nicht sagen dass einem solchen Bild eines politischen Regimes, kohärent und zielgerichtet entwickelt, der Vorwurf gemacht werden kann, die „religiösen“ Qualitäten und Dimensionen zu okkupieren, die dem Menschen – der diese Spannung zum Göttlichen besitze – obliegen, von ihrer wirklichen Richtung – welche nach dem Vorwurf die religiöse wäre – abzulenken, um sie jener laikalen, dem Staat zugehörenden Richtung unterzuordnen (dieser Staat würde daher zu einem Surrogat der Aufgaben, die ihm legitimerweise nicht zustünden).

Die Antwort auf den Vorwurf erscheint bereits in klarer Weise in den verzerrten Begriffen selbst, in der jener erhoben wird: tatsächlich verweisen sie auf einen gleichsam ontologischen Bruch – den wir entschieden zurückweisen müssen – zwischen dem sogenannten laikalen Bereich des Staates und der abstrakten Ebene des „spirituellen“, der autonom von jenem bleibt. Ein Bruch, durch den die göttliche Qualität, die der menschlichen Verfassung innewohnt, sich auf vage moralische Gebilde reduzieren ließe, die in der Zweideutigkeit der „Welt des Gewissens“ Schiffbruch erlitten haben, während die menschlichen Elemente, ausgeschlossen von jener göttlichen Potentialität, ausschließlich profan und laikal würden.

Dieser Hiatus darf jedoch auf der Ebene des wahren Staates nicht bestehen, denn, wenn man den einen Bereich vom anderen trennt, zerstört man eine organisch-einheitliche Wirklichkeit: man erzielt als Ergebnis nur eine Auflösung in eine gefühlsmäßige und moralistische Verinnerlichung in einem vorgeblichen „menschlichen Gewissen“, die Werte, und eine politische Ordnung, der jene Charakteristiken entzogen sind, die alleine sie qualifizieren und legitimieren können.

Im wahren Staat kann man nicht objektiv die Priorität des Individuum gegenüber dem Staat feststellen, oder umgekehrt die Vorgängigkeit von diesem gegenüber jenem in Erwägung ziehen, weil die Wirklichkeit des wahren Staates nicht von der Wirklichkeit des Individuums in irgendeiner Differenz der Struktur zu trennen ist (eher als von zwei Wirklichkeiten musste man von zwei Koeffizienten einer einheitlichen Wirklichkeit sprechen, von zwei Aspekten des selben Phänomens, ohne Trennung der substantiellen Kontinuität). Es besteht zwischen ihnen nur eine funktionale Differenz der Möglichkeit, der Intensität, sobald der Staat das notwendige Zentrum der Spannung darstellt, durch das die Staatsbürger „glücklich“ werden.

Im Übrigen gibt es im wahren Staat keine „Individuen“ mehr, sondern Menschen-Staatsbürger; Menschen, die von einer überpersönlichen Ethik des Lebens belebt sind, differenzierte Wesen, denen jeweils ein unterschiedlicher Rang zugeteilt ist, eine bestimmte Verantwortlichkeit, eine verschiedene Aufgabe, ein anderer Grad der Freiheit, entsprechend der organischen Gliederung. Diese Menschen werden als Objekte des Werks des Staates eingesetzt und ihre „Perfektion“ ist das Ziel, für das die Ordnung des Staates bestimmt ist. Nur dies kann die Existenz des Menschen im Staat qualifizieren; nur dies kann, analog, die Legitimität des Staates bilden, der die Veranlagungen pflegen, hervorrufen, stützen muss, die in jenen eingepflanzt sind.

Ausschließlich im wahren Staat also nehmen die Menschen am Schicksal des Staates Anteil und erlangen etwas von seiner Macht, die eine nicht-menschliche Kraft ist. Sie haben Teil an seiner Bedeutung, die eine außer-natürliche Bedeutung ist; sie gestalten sich in seiner Wirklichkeit, die eine höhere Wirklichkeit ist. Wiederholen wir: es ist der wahre Staat, der die Richtung bestimmt, in die die Momente zu führen und „ordnen“ sind, durch die der Mensch zu seinem „authentischen“ Ziel, der Teilhabe am Göttlichen, gelangt.

Der wahre Staat ist es im Übrigen, der jedem Menschen die Zuerkennung seiner eigenen, irreduziblen Funktion, seines passenden Platzes, seiner ihm zugehörenden Natur, seiner Einfügung in die gerechten Beziehungen von Höher- und Minderwertigkeit, vorgibt: mit einem Wort, die Zuerkennung seiner eigenen Freiheit. Und dies ist nicht die negative Freiheit die sich im Äußeren zeigt, die Freiheit, die auf das Nützliche und „Besondere“ gerichtet ist, das heißt die einzige Freiheit, die man gegenwärtig konzipieren kann und die sich in ununterschiedenen und egalitären Begriffen auflöst, sich nach den konfusen Rhythmen der Rebellion bewegt. Sondern es ist die qualitative und differenzierte Freiheit, die typisch für Personen ist, denen ein solcher Wert innewohnt. Freiheit, die nicht, wie es gesagt wurde, von dem abstrakten und elementaren Umstand abgeleitet ist, Mensch zu sein, sondern die Maß nimmt von der „Statur“, der konkreten Würde des jeweiligen. Sie ist die Potenz, die spezifischen Möglichkeiten zu verwirklichen und die eigene besondere Vervollkommnung in den politischen Rängen des Staates zu verfolgen. Und schließlich ist es eine Freiheit, die innere Disziplin und Respekt für die eigene qualitative hierarchische Ebene bedeutet.

DIE NOTWENDIGKEIT EINER OPERATIVEN METHODOLOGIE

Nun, nachdem wir die Physiognomie des wahren Staates in seinen elementaren Linien gezeichnet haben, werden wir untersuchen, welche politische Handlungsmöglichkeit sich uns anbietet, um aktiv unsere Bindung an das Bild des wahren Staates zu „bezeugen“. Die Hypothese derjenigen, die nur verstandesmäßig dieses Bild pflegen, ist unannehmbar, nach der die Notwendigkeit besteht, distanziert zu bleiben und den Zusammenbruch der assoziativen Formen oder „Formeln“, in denen sich die politische Wirklichkeit erschöpft, zu beobachten. Für jene wird in der Tat die Idee des Staates zu einer Utopie – ein intellektualistischer Wunschtraum.

Für die sterilen Apologeten des „Diskurses“ über den Staat stellt tatsächlich jedes Handeln in politischen Begriffen gleichsam eine Erniedrigung der Ebene dar, ein Abstieg zum Kompromiss: diese haben gar keine Idee, sondern vielmehr ein Konzept des Staates, gut verborgen in ihren Gehirnfalten. Wir betrachten daher diese Verehrer der Abstraktion und der Logik des Unausweichlichen, diese Verteidiger der konzeptualen Zeugnisse gar nicht! Für uns bedeutet. unserer Idee der Welt, der Idee des Staates, treu zu sein, sich ihr anzugleichen, nichts in dem Ziel, sie geschichtlich zu verwirklichen, unversucht zu lassen: nicht, „ideologische“ Devotion zu zeigen und sich mit dieser mentalen Kohärenz zufrieden zu geben.

Und aus dieser Prämisse werden wir feststellen müssen, dass die notwendige Bedingung, um die Elemente der Gründung des wahren Staates aufzustellen, die BESEITIGUNG all dessen ist, was heute als politisches System existiert.

Es ist tatsächlich notwendig den Zeitpunkt für diese Zerstörung zu begünstigen und zu beschleunigen, den Bruch im gegenwärtigen Gleichgewicht und der gegenwärtigen Phase des politischen Ordnens zu verschärfen. Wachsam zu sein, damit die eventuellen Träger, die potentiellen Kräfte, die den Zusammenbruch der Nervenzentren des bürgerlichen Systems herbeiführen werden müssen, nicht durch eine der zahlreichen Möglichkeiten der Kristallisation absorbiert oder integriert werden, die die bürgerliche Welt anbietet.

Daher werden wir unvermeidlich unsere Betrachtungen von der Ebene der Anerkennung der Prinzipien auf die operative Ebene verlagern müssen: von der Ebene dessen, was gültig ist, auf die Ebene dessen, was wirksam ist, um die miserable „Wirklichkeit“ (treffender: „Unwirklichkeit“) der geschichtlichen Periode, in der wir leben, an die authentische „Wirklichkeit“ anzugleichen.

Die leitende Regel muss diese sein: rigide Festigkeit im Wesentlichen und größtmögliche Elastizität auf der funktionalen Ebene.

Wir haben schon die Notwendigkeit des Aufzeigens einer Ebene der Doktrin, an der es gilt fest zu halten, und eines Stils des Verhaltens, der aktiviert werden muss, betrachtet. Wir haben schon die Regel nach der unsere politische Aufgabe im Wesentlichen kultiviert und ausgedrückt werden muss, aufgestellt: die Suche nach Menschen, die der Tendenz, der Berufung und des Charakters nach uns ähnlich sind: die Personen, die die gleiche Idee des Staates haben, wie wir. An jene Menschen – die wir nicht schaffen können, sondern nur sammeln und ermutigen – , die sich entschieden haben, in der Welt der bürgerlichen Demokratie zu kämpfen, an diese Personen, die eine zweideutige Funktion der intellektuellen „Devotion“ als ihrem eigenen Temperament fremd zurückgewiesen haben, müssen wir nun ein objektives Ziel des entschlossenen Kampfes vorschlagen: die Zerstörung der bürgerlichen Welt. Wir müssen sie davon überzeugen, dass das Schlechte, das die bürgerliche Welt darstellt, unheilbar ist: dass keine Therapie möglich ist, dass auch keine chirurgische Operation nunmehr Erfolg haben kann; dass man die Hämorrhagie beschleunigen muss und den Kadaver begraben. Wir müssen sie überzeugen, dass man nichts errichten kann, solange man noch inmitten des Schuttes verbleibt; wie die grundlegende Voraussetzung um den wahren Staat zu errichten, die vollständige Beseitigung der residualen Formen und der hinterlassenen Strukturen des bürgerlichen Systems ist.

Es wird sicherlich die Ängstlichen und die Naiven und die Unfähigen geben, diejenigen, die Garantien „für danach“ verlangen werden, für die Kontrolle der auf den Zusammenbruch des bürgerlichen Systems folgenden Reaktionen. Diejenigen, die, den sogenannten Sprung ins Unbekannte fürchten, die es für möglich halten, mit der Hilfe von generischen Besserungsmitteln das Bestehende zu festigen.

Jenen müssen wir antworten, dass es unangebracht ist, jetzt den Diskurs über das nachher zu führen. Der Diskurs über das nachher lässt sich nur wirklich führen, insofern man eine rigorose Methode für das danach besitzt, ohne sich von der messianischen Lösung verführen zu lassen. Und der Diskurs über die Methode für das danach muss ausschließlich in Bezug auf die effektiven Situationen gestellt werden, das heißt über konkrete geschichtliche Hypothesen. Jene, die davon überzeugt sind, dass die Zerstörung des bürgerlichen Systems notwendigerweise die Errichtung des proletarischen Staates (oder auch von ihm unterschiedener assoziativer Formen) impliziert, können lediglich jene Anerkennung erhalten, die Idioten und Flachköpfen zukommt. Jene sind, ohne sich dessen bewusst zu sein, lediglich Vehikel der Kräfte, die heute das bürgerliche Gleichgewicht aufrecht erhalten wollen, ohne richtig verstehen zu wollen, dass das Gleichgewicht der bürgerlichen Hegemonie erst seit zwei Jahrhunderten am Leben ist, und den deutlichen Symptomen zufolge in eine Verfallsphase eingetreten ist, die seine Fähigkeit fortzudauern erschöpft.

Wir wenden uns an andere Weggefährten, an jene, die vollkommen verstanden haben, dass Bourgeoisie und Proletariat Resultat – oder besser: Schlacke – eines Vorgangs sind, der von der Zersetzung des organischen Staates herrührt; dass beide zwei Seiten der gleichen Medaille darstellen; dass beide voneinander abhängige Wirklichkeiten bilden, dass keiner der beiden Begriffe vom anderen getrennt überleben kann, dass die „soziale Frage“ entstanden ist, weil die Bourgeoisie die eigene Diktatur errichtet hat. Dass die antike Welt und die staatlichen Organisationen, in der diese gelebt hat, die Reichen und die Armen kannte, aber man weiter die Würde des Menschen erkennen konnte; während die Gesellschaft der modernen Zeiten ausschließlich Ausbeuter und Ausgebeutete kennt und man über beide die Sklaverei des Geldes errichtet. Bourgeoisie und Proletariat sind sich gegenseitig integrierende Elemente, der eine beruft sich auf den anderen; nur eine Differenz der quantitativen Ordnung trennt den einen vom anderen. Und wir, die wir unsererseits uns weigern, den Schweiß derjenigen, die arbeiten, zu destillieren, zu sublimieren und daraus Weihrauch zu produzieren, wollen aber auch nicht die Drüsen erregen, die jenen Schweiß verströmen.

Die Lösungen, die wir hinsichtlich der Methode, die anzuwenden ist, vorzuschlagen unternehmen, beschränken sich absichtlich darauf, die Elemente der Organisation des Staates herauszustellen, das heißt die Wirklichkeit des Staates in einem seiner Momente zu betrachten: dem der Regelung der elementaren Beziehungen des Lebens zwischen den Staatsbürgern. Zwischen diesen Vorschlägen einer Organisation und den vorangegangenen Hinweisen über die Wirklichkeit des wahren Staates, besteht eine organische Übereinstimmung, auch wenn die Tatsache paradox erscheint, dass wir eine „kommunistische“ Struktur annehmen wollen und gleichzeitig die Gültigkeit des organischen Staates und der hierarchischen Ordnung vertreten. Es ist aber grundlegend wahr, dass die Hierarchie durchaus nicht Oligarchie bedeutet; dass der organische Staat nicht Freiheit für die Bourgeoisie und Ausbeutung für die Proletarier will; dass die hierarchische Ordnung sich nicht mit dem konsumistischen Gleichgewicht identifiziert, das das bürgerliche System anbietet. In den letzten beiden Jahrhunderten der bürgerlichen Diktatur waren das Verlangen nach materiellem Reichtum und der im Reichtum der Güter begründete Impuls zur Hegemonie die bestimmenden Faktoren für die unerträglichen Abirrungen, die entfremdeten Situationen, und die demütigenden Umstände, denen die Menschen unserer Zeit unterworfen sind.

Die Strukturen des Staates in einem seiner Momente oder Zwecke zu bestimmen, jene die darauf abzielen, die ökonomischen Beziehungen zwischen seinen Angehörigen zu harmonisieren und die Sphäre ihrer „Sozialität“ zu ordnen, der sicher nicht der erste unter den Zwecken des Staates ist, sondern sich ausschließlich durch seinen instrumentalen Charakter in Hinsicht auf die dominanten Ziele rechtfertigt, genau diese Tatsache demonstriert die Unhaltbarkeit des Vorwurfs der ideologischen Konfusion, die egalitären und kollektivistischen Prämissen, die typisch für die sozialistische Demokratie sind, zu akzeptieren. Doch ist es wirklich notwendig zu erklären, dass die kommunistischen Kriterien im Bereich der materiellen Güter anzunehmen, keineswegs bedeutet die Prämissen des marxistischen Sozialismus anzuerkennen?

Die natürlichen Reichtümer – alle materiellen Reichtümer – müssen absolut dem Staat untergeordnet werden, weil sie dem Staat in seinem organisatorischen Moment dienen, weil der wahre Staat sich freimachen muss von solchen Beschäftigungen, ist es notwendig dass er einen Bereich sichert, der frei von irgendwelchen Veruntreuungen ist, wie sie die Überlassung der Reichtümer in den Händen einer Gruppe von Oligarchen der ökonomischen Macht unweigerlich hervorbringen muss.

Für die Organisation des wahren Staates wird die Beseitigung des Privateigentums in allen seinen Erscheinungsformen notwendig, mit der einzigen Ausnahme der Güter des individuellen Konsums. Das Eigentum darf ausschließlich öffentlich sein und die einzelnen Güter werden Teil des Staatsvermögens.

Die Wirtschaftspolitik des Volksstaates wird geleitet von Kriterien, die wesensmäßig jenen entgegengesetzt sind, welche die heutige Ökonomie des kapitalistischen Typus (des Marktes) bestimmen. Das gegenwärtige Verhältnis Produktion-Konsum (in dem der expansionistische und pathologische Charakter der Produktion den Konsum hervorruft und erschöpft) wird vollständig umgekehrt, durch die Anerkennung der vorgängigen Rolle der Programmierung des Konsums in Hinsicht auf die Produktion.

(…)

AUSBLICKE

Zum Schluss ist es angebracht anzufügen, dass diese Rede nicht nur für die Menschen unseres Gefolges, unserer Organisation, bestimmt ist, sondern sich auch an andere richtet: sowohl an jene, die sich dem gegenwärtigen System entgegenstellen, nachdem sie bisher in den bürgerlichen Organisationen der neofaschistischen Rechten aktiv waren, als auch an jene, die das System ablehnen, nachdem sie in den Gruppen der antifaschistischen Linken, die auch als bürgerlich zu charakterisieren sind, aktiv gewesen sind.

Sie richtet sich zuerst und vor allem an jene Freunde, die die gleiche Wahl der Doktrin – nach den Prinzipien des wahren Staates – getroffen haben wie wir, – und mit einer ähnlichen Idee vom Menschen mit uns übereinstimmen, aber in Folge ihrer früheren politischen Aktivität nun untätig und desillusioniert zurückgeblieben sind, verunsichert angesichts unserer operativen Entscheidung für den Volksstaat.

Für diese müssen wir wiederholen, dass keinerlei Kontrast unsere doktrinären Prämissen von unseren praktischen Orientierungen trennt: die Lösungen, die wir schlussendlich vorschlagen sind nicht mehr unterschieden als die Ebenen, die sie verwenden und die Gesichtswinkel, unter denen sie den Blick richten.

Sich dem Prinzip zu unterstellen, bedeutet einen Impuls auszuüben, es in Handeln überzuführen: zuerst, im existentiellen Bereich eines jeden, und schrittweise (man muss unterstreichen: gleichzeitig) als versuchte Anwendung der Verwirklichung im Bereich des Staates. Und das was irgendeine soziale Organisation in den Staat transformiert ist die Zentrierung einer Gemeinschaft, von Gruppen von Menschen, in einer Idee, in einem Prinzip, in einer vollständigen Vision des Lebens, das von diesem Prinzip belebt wird.

An diesem Punkt erlangt eine Überzeugung für uns eine immer größere Gewissheit: dass niemals irgendeine Spannung, die die Prinzipien des wahren Staates in die Wirklichkeit überführen kann, entstehen wird können, solange die „tragenden Strukturen“ der bürgerlichen Systeme lebendig, die auch residualen Bestandteile stark und die konstitutive Substanz (vor allem die wirtschaftliche Substanz) der bürgerlichen Gesellschaft intakt bleiben. Man muss die „Umgebung“ aus der die Bourgeoisie Leben zieht, steril machen: daher das Motiv einer kommunistischen ökonomischen Ordnung!

Wenn man sich diesem Problem nicht widersetzt, ist das Problem der Weisen der Zerstörung des bürgerlichen Systems nur eine kontingente Frage und daher lösbar in einem mehr oder weniger langem Zeitraum. Auch sind wir davon überzeugt, dass die bürgerliche Gesellschaft weder ewig noch unsterblich ist: aber es ist genau diese Gewissheit, die anregt, die Zeit des Zusammenbruchs zu beschleunigen und gegenüber dem Ablauf dieses Phänomens nicht unbeweglich und unbeteiligt zu bleiben.

Weil in Bezug auf die behaupteten Notwendigkeiten der Distanz und der Apoliteia, einige unserer Erfahrungen uns dazu zwingen, zu entdecken, dass zwei gegensätzliche Bedeutungen sich bei jenen widerspiegeln, die angesichts der Ereignisse distanziert bleiben: das ist einmal die Weise des Seins, der überlegenen Distanz derjenigen die wirklich die „Gipfellinien“ erreicht haben (die tatsächlich das Unbekannte individuiert und die entsprechende persönliche Gleichung gezogen haben) und die Haltung jener, die einfach nur derartig erscheinen möchten und die inferiore Distanz der Unsensiblen und anderer Stumpfer aufweisen.

Deswegen vom Kampf zurückzuweichen, weil sein Ergebnis im Voraus bekannt sei, oder weil er nicht das Wesentliche berühren würde, wenn die Wahl gefallen ist, welches Lager bestätigt wird, bedeutet nur das Vorbringen eines Sophismus, die Berufung auf ein Alibi, durch jene, die konstitutionsgemäß zum Abschwören geneigt sind oder sich von Enttäuschungen in Besitz nehmen haben lassen.

Es ist in der Tat unsere Aufgabe nicht darauf beschränkt, Schäden oder einfache Zerstörungen am System zu verursachen, sondern die Zersetzung zu provozieren. Das System kann man mit einem einzelligen Organismus elementarer Struktur vergleichen, der sich teilt, wieder zusammen setzt, wenn er verstümmelt wird, sich regeneriert: wir müssen auf das einzige empfindliche und feine Organ zielen, jenes, von dem die ganze gallertige Masse abhängt, den Kern – ihm gegenüber wie Antibiotika wirken.

Nun ist dies, die Zerstörung des Systems, unsere unmittelbare historische Aufgabe: dies bedeutet aktiv die Prinzipien des wahren Staates in unserer typischen geschichtlichen Situation zu „bezeugen“. Dies hat für uns Wert, der kohärenten Zustimmung zu den grundlegenden Bestandteilen unserer Idee von der Welt: und ich bin sicher dass, wenn wir Erfolg haben werden, diese Aufgabe die Zersetzung des bürgerlichen Systems zu vollbringen, wir viel verwirklicht haben werden, wir werden beigetragen haben den objektiven Prozess der geschichtlichen Klärung zu entwickeln, der sich uns aufdrängt.

Eine andere, von dieser, unserer unterschiedene Perspektive existiert nicht. Sie kann nur als eine solche erscheinen, die aber von zweideutigem und täuschendem Charakter ist und für jene, die mit messianischen Hoffnungen zu spielen lieben, die „schönen Gefühle“ anhängen. Und wir werden sicher nicht jene Blinden „überzeugen“ zu sehen oder jene Tauben zu hören: jene sind ihrerseits weil sie blind oder taub sind, jener natürlichen Fähigkeiten beraubt, und wir unsererseits, die wir die thaumaturgische Fähigkeiten besitzen, haben auch die Möglichkeit Automaten zu konstruieren und mit ihnen uns zur Eroberung der Macht zu bewegen.

Der Aufruf, der sich an jene Menschen, die nach dem parlamentarischen Schema den Rand der extremen Rechten des Systems bilden, richtet, kann als abgeschlossen betrachtet werden. Wir wollen uns ganz und gar an jene richten, die das System radikal ablehnen, aber sich auf seiner Linken befinden, da wir uns sicher sind, dass wir auch unter ihnen eine loyale Einheit der Aktion im Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft verwirklichen können.

Es stimmt dass für all jene, die nicht vollständig den metaphysischen Voraussetzungen anhängen, die nicht den Mythos des wahren Staates vertreten, die über-menschliche, metapolitische und metageschichtliche Richtungen zu zeichnen, eine höhere „Wirklichkeit“ zu beschwören, und an jenen die Charaktere der Wahrheit zu erkennen, die Anwesenheit einer Sublimation zeigt – wenn nicht geradezu ein schizophrenes Leiden.

Aber es stimmt ebenso und vor allem, dass, ungeachtet der Formen der doktrinären Abweichungen – über-menschlich, metapolitisch, metageschichtlich für uns; menschlich, geschichtlich, sozial für sie – für beide das gleiche Ziel, das die politische Aufgabe bildet und in der zeitlichen geschichtlichen Ordnung zum Handeln antreibt, resultiert: das bürgerliche System zu zerstören. Dass die Erfordernisse, das Leben des Staates jenseits der Dialektik der bürgerlichen Ökonomie zu organisieren, identisch sind; dass die Klassenstruktur zu zerschlagen, aus der die Bourgeoisie die ihr eigene Vormacht zieht, als gleiches notwendiges Bestreben gesehen wird; dass den Menschen von den entfremdenden Fesseln zu befreien, die die bürgerliche Diktatur ihm auferlegt hat, und ihn wieder in die Freiheit und die Würde zu integrieren, auf die er Anspruch hat, unseren wie ihren Kampf antreibt und mobilisiert.

Beide wollen das verwirklichen, was verwirklicht werden muss: bis zur Mündung zu gelangen. Für uns bedeutet, an die Mündung zu gelangen, nur einen Teil der Reise zurückgelegt zu haben, während es für sie das Ende der Reise bedeutet oder den Anfang unterschiedlicher Richtungen, dann bleibt davon unberührt, dass die Reise entlang des Flusses von beiden gemacht werden muss und dass die Strömung von beiden überwunden werden muss. Für die einen wie die anderen drängt sich daher mit Sicherheit die Existenz einer loyalen Strategie des gemeinsamen Kampfes auf: ohne Verwirrung der Kader und der Rollen, sondern unter Beachtung der jeweiligen Identität.

Um die bürgerliche Infektion zu brechen, müssen deswegen die einen wie die anderen sich vereinen, in dem gleichen Ziel des Kampfes, und beide müssen eine einheitliche Operationsfront bilden, mit realistischen Entscheidungen jede Form des intellektualistischen Dogmatismus überwinden und mit allen Erscheinungsformen der pseudo-revolutionären Gefälligkeiten schroff brechen. Denn diese erlauben es dem Virus der bürgerlichen Gesellschaft den Kampfeswillen der antikapitalistischen revolutionären Kräfte in dauerhafter Weise unfruchtbar zu machen, die Energie in dialektische und abstrakte Debatten zu erniedrigen.

Es ist schlussendlich notwendig dass die dem einheitlichen Kampf gegen das System für die Zerstörung des Systems verpflichteten Kräfte. die wirklich geeigneten Ziele in einer radikalen Weise präzisieren, und damit die Taktiken verlassen, die für die legalistischen Zwänge oder die reformistischen Illusionen ausreichen, ohne irgendeine schuldhafte Unentschlossenheit gegenüber der Anwendung all der drastischen und resoluten Mittel, die den Hindernissen entsprechen, die es zu überwinden gilt, und die von der Großartigkeit des Ziels verlangt werden.

Quelle: http://www.nwsn-kollektiv-nord.info/?p=683#more-683

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