Arbeitertum

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Die Vuvuzela-Lüge

In Deutschland und wohl auch in den meisten europäischen Staaten gibt es derzeit ein Top-Thema: Nein! Nicht etwa das „Sparkaket“ der Bundesregierung, der Rücktritt von Horst Köhler, der Verfall des Euro oder die Wirtschafts- und Finanzkrise, sondern die sogenannten Vuvuzelas beherrschen das Tagesgespräch. Dies dürfte wohl zumindest bis zum Ende der WM und vielleicht auch noch einige Wochen darüber hinaus ein Thema bleiben. Auch auf diesem Blog setzte man sich bereits – zumindest am Rande – mit den Terror-Tröten aus Südafrika auseinander. Die meisten Deutschen sind nach zahlreichen Umfragen einig, dass die Lärm-Tröten verboten gehören, zumindest möchte man vor der Glotze nicht belästigt werden. Schließlich gilt es ja das Fußballspiel zu genießen. Die WM ist ja nur alle vier Jahre. Die FIFA selbst stellte sich aber hinter die Vuvuzelas, da diese für die afrikanische Kultur stehe und den Afrikanern in Afrika die Kulturausübung zu gestatten sei, die man wolle und so viel man wolle. Deutsche Nationalisten werden diesem ethnopluralistischen Ansinnen zweifelsohne nicht widersprechen wollen – falls dem wirklich so wäre.

Ein Repräsentant der südafrikanischen Katholizismus sieht die Vuvuzela gar als Strafe für den europäischen Kolonialismus, sozusagen als antiimperialistische Wunderwaffe des schwarzen Kontinents.

Dass es der FIFA aber um eine Ehrerbietung gegenüber der afrikanischen Kultur geht, sollte man getrost bezweifeln, schließlich geht es der FIFA eher um den finanziellen Reibach, um Vermarktung und nicht um afrikanische, europäische, asiatische oder südamerikanische Kulturtraditionen. Auch der gute südafrikanische Christ scheint bei näherer Betrachtung nicht ganz richtig zu liegen.

In Wahrheit handelt es sich bei der Vuvuzela nicht um eine jahrhundertealte afrikanische Tradition! Die Vuvuzela wurde vor 9 Jahren erfunden. Dies sieht jedenfalls der Kulturwissenschaftler Gero Erdmann so. „Die Vuvuzela ist noch sehr jung und wurde vor neun Jahren erfunden. Von gesamtafrikanischer Kultur kann man hier kaum sprechen, da sich die Verbreitung bis zum Vorjahr allein auf Südafrika beschränkte. Doch auch das traditionelle Instrument, auf das sich der Erfinder in der Vermarktung bezieht, war in der Kultur kaum präsent.“ Ein renommierter Ethnologe sieht in den Vuvuzelas einen „Marketinggag“ der Globalisierung. Mit afrikanischer Kultur hätten die Vuvuelas jedenfalls gar nichts am Hut. „Signalinstrumente wie ausgehöhlte Antilopenhörner gibt es in vielen afrikanischen Kulturen und man setzte sie etwa im Schamanismus ein. Das sind jedoch kaum Instrumente mit der schallverstärkenden Trichteröffnung der Vuvuzela, und schon gar keine Plastikgeräte.“

So ist die „kulturelle“ Haltbarkeit der Vuvuzelas wohl auf die WM beschränkt. TV und Presse hatten die Verbreitung der Vuvuzelas in aller Welt im Zeichen der Globalisierung vorangetrieben. Zur Ehrenrettung der Afrikaner sei also gesagt, dass die Lärm-Tröte nicht viel mit afrikanischer Kultur zu tun hat, sehr viel aber mit der fortschreitenden Globalisierung. Vor dieser scheint man offensichtlich auch auf dem schwarzen Kontinent nicht gefeilt zu sein.

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