Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Christentum und Sozialismus

Vorbemerkung: Mit diesem Text sollen keine religiösen Gräben zwischen christlichen, heidnischen und atheistischen Nationalisten aufgerissen werden. Er dient der Information und Darstellung der sozialistischen Tradition im Christentum. Etwaige religiöse Vorlieben der Leser sollen also weder in Frage gestellt, noch angegriffen werden.*

Das Verhältnis zwischen Christentum und Sozialismus war stets ein eher schwieriges, was schon besonders explizit bei Karl Marx zum Ausdruck kam, welcher Religionen an sich, als „Opium des Volkes“ abgekanzelte. Es soll in diesem Text aber um das verschüttete antikapitalistische Erbe des Ur- und Frühchristentums gehen, sowie um die Verfälschung der urgründlich radikal-kapitalismuskritischen Lehre.

Die Urlehre Jesu – Klassenkampf

Jesus selbst besaß laut den Evangelien nichts. Seine Jünger sollten seine Botschaft ohne Geld und Besitz verkündigen. Gestattet war ihnen nur das, was sie am Leib tragen könnten, inklusive der Dreingabe eines Wanderstabes. Bei Matthäus und Lukas hatte er aber gar jenen Wanderstab untersagt. Die Kirche war aber in der Spätantike, nach ihrem Siegeszug als Staatsreligion der größte Großgrundbesitzer, nun stellt sich die Frage ob sich dies überhaupt geschichtlich und theologisch begründen läßt.

Schon im alten Testament sind deutlich antikapitalistische Tendenzen der jüdischen Propheten nachweisbar. Der Theologe Jirku nannte jene die ersten Sozialisten der Weltgeschichte. Diese traten immer wieder gegen die Ausplünderung der Armen ein und wollten zumindest einen „Ausgleich“ der gesellschaftlichen Verhältnisse erreichen. Die Essener hatten den Privatbesitz negiert. Sie übergaben diesen bei Eintritt in den Orden an die Gemeinde und lebten in Gütergemeinschaft.

Aus den Evangelien lässt sich ablesen, dass das Elternhaus Jesu sehr arm gewesen sein muss. Im Tempel opferten sie nur ein Taubenpärchen, die Gabe der sozial schlechtgestellten. Auch Jesus selbst lebte in der Bibel in völliger Armut. Er tritt als Besitzloser auf, als Freund der Entrechteten und gesellschaftlich an den Rand gedrängten, der Kranken, der Sünder und Ausgestoßenen. Wieviel von den Worten Jesu freilich auf ihn selber zurückgehen, weiß man nicht genau. Am eindeutigsten ist die Verdammung des Besitzes aber im Lukasevangelium. Auch Markus und Matthäus benennen diese Tendenz, wenn auch nicht ganz so eindeutig. Jesus verzichtete auf allen Besitz. „Verkauft euren Besitz und gebt ihn den Armen“. „Keiner von euch kann mein Jünger sein der nicht auf alles Verzichtet was er besitzt“. Einen Narren nennt er denjenigen, der sich seiner Schätze rühmt; berühmt sein dürfte auch sein Ausspruch, dass eher ein Kamel durchs Nadelöhr ginge als das ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. Er spricht vom „ungerechten Mammon“ und vom „Betrug des Reichtums“. Einen vierfachen Wehruf über die Reichen und Satten findet man bei Lukas. Hier werden die Reichen nicht wegen der Sünde, sondern aufgrund ihres Reichtums verdammt. Jesus kündigt eine Epoche an, in der Gott „die Machthaber von den Thronen stürze und die Armen erhöht, die Hungrigen mit Gütern sättigt und die Reichen leer ausgehen lässt.“ Historiker wie auch einige Theologen erklären, daß Jesus‘ Standpunkt eine grundsätzliche Kampferklärung nicht nur an den Kapitalismus bedeute, sondern des Wohlstandes an sich, dass Jesus dort wo er vom „ungerechten Mammon“ spricht, nicht etwa einen unredlich erworbenen Reichtum meinte, sondern jedwelchen Besitz als schlecht, ja gar als etwas prinzipiell Böses betrachtete. Jesus wurde nicht müde die Reichen zu warnen, er bekämpft die Diskriminierung der unteren Volksklassen. Für ihn ist das religiöse Element untrennbar mit dem ethischen verbunden, was sich auch in seiner Gleichstellung der Gottes- und Nächstenliebe ausdrückt. In einem außerkanonischen Text soll Jesus gesagt haben: „Sahst du deinen Bruder, so sahst du deinen Gott.“ Bei einem Zeitgenosse konnte so der Eindruck entstehen das die Liebe zu dem Nächsten wichtiger sei als die Liebe zu Gott.

Jesus leitet die Beseitigung der materiellen Krise, die Überwindung von Hunger und Not aus dem Gebot der Nächstenliebe ab, besonders in der Erzählung vom reichen Jüngling im Hebräerevangelium: „Ein Reicher sprach zum Herren: Meister was muss ich tun damit ich das Leben habe. Er antworte ihm. Mensch halte das Gesetz und die Propheten. Jener erwiderte ihm: Das habe ich getan. Er sprach zu ihm: Gehe hin und verkaufe alles, was du besitztst, und teile es den Armen aus und komme zu mir. Da fing der Reiche an sich am Kopf zu kratzen, du die Rede gefiel ihm nicht. Und der Herr sprach: Wie kannst du sagen „Ich habe das Gesetz und die Propheten gehalten“, da doch im Gesetz geschrieben steht: Liebe deine nächsten wie dich selbst. Siehe, viele deiner Brüder, Söhne Abrahams, liegen in schmutzigen Lumpen und sterben des Hungers, und dein Haus ist voll von Gütern, und nichts kommt aus ihm zu ihnen heraus.“

Sozialismus im Urchristentum

„Hingabe allen Besitzes ist unbedingte Pflicht urchristlichen Glaubens“. (Der Theologe Lohmeyer)

Ernst Troltsch wollte in der Urgemeinde gar einen „Liebeskommunismus“ erblickt haben. Viele Urchristen verzichteten deswegen auf jede Form des Privateigentums. Das Neue Testament berichtete jedenfalls: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele, kein einziger nannte etwas von seinem Vermögen, sein eigen, sondern sie hatten alles gemein…..es gab auch keine Notleidenden unter ihnen: Alle nämlich, welche Ländereien oder Häuser besaßen verkauften diese, brachten dann der Erlös aus dem Verkauf und gaben diesen den Aposteln, davon wurde jedem zugeteilt, wie er ihn brauchte.“ Zwar dürfte es sich hierbei um eine Idealisierung gehalten haben, allerdings hält der große Theologe Ernst Troeltsch diese Schilderung im Kern für wahr.

Die neuere katholische Theologie versucht hingegen sich hier herauszuwinden, da dies alles kaum zur realen Kirchenhistorie der letzten Jahrhunderte passt. Die Eboniten, eine Abspaltung der Urgemeinde, später zu Ketzern erklärt, forderten mit Berufung auf die Evangelien eine Gütergemeinschaft und machten Armut zur religiösen Pflicht. Gnostische Gemeinden forderten das Selbige und sollten zu Abkömmlingen des Teufels, von Seiten der Kirche erklärt werden. An diese Ideen knüpften etwa auch einige Mönchsorden im Mittelalter an, oder die Bewegung der Wiedertäufer, sowie einige Bewegungen des christlichen Idealismus im 18. Jahrhundert.

Im Neuen Testament wird jene Tendenz am stärksten wohl im Jakobusbrief zum Ausdruck gebracht. „Sind es nicht gerade die Reichen die euch gewalttätig behandeln? Und schleppen nicht gerade sie euch vor Gericht?“ Der Verfasser weiter: „Weinet und jammert über die Leiden die euch bevorstehen…Geschlemmt habt ihr auf Erden und gepraßt, habt euere Herzen gemästet.“ Im 2. Jahrhundert forderte man im Urchristentum „alles Gemeinsam mit dem Bruder zu teilen“. Das Gebot der Nächstenliebe wurde gesteigert: „Du sollst den Nächsten mehr als deine Seele lieben“. Der römische Christ Hermas forderte den Verzicht auf irdische Güter. Christen sollten nur das Erwerben was zum Leben unbedingt nötig sei. Tertullian meinte das Jesus eine unbedingte Abscheu vor dem Reichtum gelehrt habe. Der Kirchenvater erklärte: „Immerfort pries er die Armen als gerecht und verdammte die Reichen“. Der Handel sei einem Christen unwürdig. „Alles ist uns gemeinschaftlich, nur nicht das Weib“.

Nun gilt es aber schon hier zwischen Predigt und Realität zu trennen. Feststellbar ist in dieser Phase gerade folgender Umstand: Je mehr man sich anschickt, Staatsreligion zu werden, je mehr man sich mit dem römischen Adel verquickt, um so radikaler wird die antikapitalistische Rhetorik. Die Diskrepanz zwischen der Predigt und der Realpolitik muss getarnt werden. In der christlichen Gemeinde bildete sich die Klassengesellschaft heraus. Zum einem gab es ein verarmtes christliches Proletariat, zum anderen aber schwerreiche Kaufleute, Bankiers, etc. Allerdings gab es damals noch bedeutende Kirchenführer, die die herrschenden Verhältnisse entschieden kritisierten, eine grundsätzliche Neugestaltung des feudal-frühkapitalistischen Systems verlangten. Im Kern waren die Aussagen so radikal und antikapitalistisch, dass sich heutige Sozialisten schwer tun würden, deren Forderungen zu überbieten. Kirchenlehrer Basilius nennt Besitzende Diebe und Räuber, ja gar Mörder. Basilius, der aus einer der reichsten Familien des römischen Reiches stammte, hatte seinen ganzen Besitz den Armen übereignet. „Willst du vollkommen sein, verkaufe alles was du hast und gib es den Armen“, so Basilius. Nach dem Kirchenlehrer Johannes Chryostomos, opfert derjenige wenig, der nicht seine ganzen Habe gibt, so besitzen für ihn die Reichen nicht ihr Eigentum, sondern das Gut der Armen, selbst dann wenn das Vermögen nur ererbt worden sei. „Die Gütergemeinschaft ist mehr die adäquate Form unseres Lebens als der Privatbesitz, und sie ist Naturgemäß“, so der Patriarch. Weiter schreibt er: „Ohne Ungerechtigkeit kann man nicht reich werden“ und „es ist unmöglich in Ehren reich zu werden.“ Nach Hieronymus leben die Reichen auf Kosten der Armen, jeder Reichtum könne nur durch Ungerechtigkeit entstehen. Er empfiehlt: „Willst du vollkommen sein, dann verkaufe alles was du hast und gib es den Armen. Verzichte auf jeden Besitz“.

Und Heute?

„Eine soziale, moralische und antiimperialistische Revolution. Ich habe keinen Zweifel daran, daß Jesus der erste große Revolutionär war.“ (Hugo Chavez)

Heute ist der Vatikan in inniger Liebe mit dem transnationalen Monopolkapital verquickt. Der Kurie unterstehen unter anderem die Kommerzbank, die Römische Bank, das Römische Kreditinstitut und zahlreiche weitere Banken. In den USA hat die katholische Kirche großen Einfluss auf die US-Stahlindustrie. Zahlreiche Aktien des Krisenunternehmens General Motors waren in Besitz der Kirche, ebenso besitzt man Aktien an zahlreichen der größten Unternehmen in den USA. In Deutschland ist die katholische Kirche der größte Grundbesitzer. Aus Deutschland fließen bis zu 20 Prozent der weltweiten Einnahmen des Vatikans. Der geschasste Theologe Todi sah in der Feindschaft gegen sozialistische Bestrebungen gar nicht einmal religiöse Gründe walten, sondern vor allem ökonomische. Sozialismus würde gar nicht einmal das Seelenheil gefährden, sondern den Reichtum der Priester und ihre politischen und sozialen Privilegien. So beklagt der jetzige Papst zwar den Terror des Materialismus, bleibt aber völlig im unkonkreten, schafft es in seiner Kritik wohl nicht einmal den Rüttgers-Flügel der CDU zu übertrumpfen. So bezieht sich der deutsche Papst positiv auf den Markt, fordert nur, dass es wieder „verantwortungsbewusster“ zugehen solle. Damit fällt der Papst sogar hinter die nun sowieso schon mehr als schwammig und seichte sogenannte „katholische Soziallehre“ zurück, die sich im marktwirtschaftlichen Keynesianismus ergeht. Positiv zu bewerten ist hingegen die in den 60er Jahren aufgekommene Lehre der Befreiungstheologie, die davon ausgeht das sich der Mensch vom Kapitalismus befreien müsse, was als eine Aufgabe des Christentums gewertete wird. Hierbei beruft man sich unter anderem auf Thomas Münzer und die Lehren der Urgemeinde. Vom Vatikan wurden Befreiungstheologen aufs schärfste bekämpft und teilweise exkommuniziert. Der Präsident Venezuelas, Hugo Chavez, ist ebenfalls ein gläubiger Christ und nennt Jesus „den ersten Revolutionär und Sozialisten der Weltgeschichte“. Bei seiner Amtvereidigung schwor er gar auf „Jesus, den größten Sozialisten aller Zeiten“. „Christus ist unser Commandante“, so Chavez bei einer anderen Gelegenheit. In diesem Sinne ist auch die Benennung des damaligen US-Präsidenten Bush als „Teufel“ vor der UNO zu sehen.

*An dieser Stelle sei angemerkt, daß Arbeitertum sich nicht als christliche oder sonst wie religiöse Plattform versteht. Es handelt sich in diesem Fall um den persönlichen Standpunkt eines Mitarbeiters. -arbeitertum

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