Arbeitertum

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Ernst Niekisch – ein deutscher Revolutionär!

Anlässlich des 40. Todestages von Ernst Niekisch (gestorben am 23. Mai 1967) möchten wir an das Leben und politische Wirken dieses großen deutschen Revolutionärs erinnern.

Am 23. Mai 1889 wird Ernst Niekisch als Sohn eines Handwerkers im oberschlesischen Trebnitz geboren. 1912 wird Niekisch Lehrer in Augsburg. Seine politische Orientierung vollzieht sich im Laufe des 1. Weltkrieges. Er liest Schoppenhauer, Nietzsche, Hegel, Kant und Marx. 1917 wird er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SPD). Im November 1918 erfolgt der Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches. Die Monarchie wird gestürzt und sowohl in Berlin als auch in München die Republik ausgerufen. Niekisch wird in Augsburg Vorsitzender der Soldaten- und Arbeiter-Räte. Nach der Ermordung Kurt Eisners am 21. Februar 1919, der führenden Figur der Münchner Rätebewegung, wird Niekisch auch noch Vorsitzender des Zentralrates der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte, somit also faktisch zum bayerischen Regierungschef.

Sein Versuch, einen Ausgleich zwischen Rätebewegung und Parlament zu finden, wird zwischen den Extremen zerrieben. Verhandlungen mit der nach Bamberg ausgewichenen parlamentarischen Regierung scheitern. Währendessen übernahmen in München die radikalen Kommunisten die Macht. Gegen diese kommunistische Revolte wurden nun die Freikorps des Ritter von Epp in Marsch gesetzt. Niekisch hatte erkannt, dass eine isolierte bayerische Rätedemokratie in Deutschland nicht funktionieren wird, und die soziale und konfessionelle Struktur Bayerns für eine solche Regierungsform nicht geeignet ist. Die Freikorps zerschlagen schließlich das Rätesystem. Niekisch wird als „Rädelsführer“ des Rätesystems zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Am Tag seiner Verhaftung erklärt er seinen Austritt aus der SPD und wird Mitglied der radikaleren Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD). Nach seiner Haftentlassung wird er Fraktionsvorsitzender der USPD im bayerischen Landtag. Sehr bald löst sich die USPD aber wieder auf. Ein Teil wechselt wieder zur Mutterpartei SPD, so auch Niekisch. Der größere Teil aber tritt der neuen Vereinigten Kommunistischen Partei (VKPD) bei.

1922 legt Niekisch sein Amt als stellv. Fraktionschef der bayerischen SPD nieder und zieht nach Berlin, wo er die Jugendabteilung des damals einflussreichen Deutschen Textilarbeiterverbandes übernimmt. 1923 gerät Niekisch in Kontakt mit dem Hofgeismarer Kreis der Jungsozialisten, die aufgrund des Versailler Diktats zu einer nationalistischen linken Politik tendieren. Motto der Hofgeismarer Jungsozialisten: „Der neue Typ ist radikal und konservativ zugleich, doch ist sein Konservatismus nicht reaktionär und sein Radikalismus nicht rationalistisch. Der Hofgeismarer Kreis vertritt somit klar einen Deutschen Sozialismus.“

In „Hofgeismarer Gesinnung“ erscheinen 1925 die ersten beiden Broschüren von Niekisch.

Schon mit seiner ersten Broschüre „Der Weg der deutschen Arbeiterschaft zum Staat“ wird der Bruch mit dem Marxismus offensichtlich. Niekischs Argumentation ist sozialistisch, aber auch national. So schreibt er: „Der deutsche Arbeiter muss der national aktivste, in seiner Daseinsnot der kühnste, außen- wie innenpolitisch der revolutionärste Volksteil sein, weil sie der außen- und innenpolitisch Bedrückteste ist, der nur zu gewinnen, kaum noch etwas zu verlieren hat.“

Niekisch lehnt den Internationalismus, die Auflösung der Völker als „Phantastik der Vernünftelei“ ab, indem er folgendermaßen argumentiert: „Es sei zwar gut, wenn es eine internationale Klassensolidarität gäbe, aber dieses Klassenverbundenheitsgefühl wird sogleich dahin schmelzen , wenn der Staat, die politische Form jener Menschheitsgemeinschaft, die Volk genannt wird, in seinen Grundlagen bedroht erscheint, wenn seine Lebenskraft, seine Widerstandsfähigkeit in Frage gestellt wird. Die Zugehörigkeit zum Staate (zum Volk) wird ungleich bedeutsamer und lebenswichtiger empfunden als die Zugehörigkeit zur Klasse, die internationale Klassenbindung verliert alle Kraft, die internationale Klassensolidarität verflüchtigt sich.“ In der Außenpolitik fordert er eine eindeutige Ostorientierung “ Man dürfe das russische Problem nicht unter sozialen Gesichtspunkten sehen, sondern unter außenpolitischen. Die angelsächsischen Staaten schickten sich an, der Welt ihr Gesetz und ihr Gepräge aufzudrücken. Die Ostorientierung würde den Westen, von dem alle Bedrohung kommt, abwehren, der soziale Umsturz als nationale Tat sei genauso gefordert, wie der antikapitalistische Vorstoß als Mittel zur Rettung des Vaterlandes.“

Seiner Partei, der SPD, gefallen diese Thesen ganz und gar nicht. Durch die massive Einflussnahme zahlreicher SPD-Politiker verliert Niekisch seine Anstellung beim Textilarbeiterverband. Im Gegenzug verlässt Niekisch 1926 die SPD und wechselt zu der 1925 in Sachsen gegründeten Alten Sozialdemokratischen Partei (ASP), einer SPD-Abspaltung mit nationaler Ausrichtung. Auch dieser Erneuerungsversuch bringt auf die Dauer nichts. 1928 verlässt Niekisch auch die ASP.

Bereits ab 1926 beginnt Niekisch verstärkt publizistisch zu wirken, indem er die Zeitschrift „Widerstand – Blätter für sozialistische und nationalrevolutionäre Politik“ gründet.

Ideologisch wandelt Niekisch während der Zeit der Herausgabe des „Widerstandes“ mehrmals seine Position. Die Zeitschrift vertritt anfangs einen proletarischen Nationalismus, der sich an der Arbeiterklasse orientiert. Als der Versuch gescheitert war, die Ideen der Zeitschrift in der Arbeiterschaft zu verankern, vertritt Niekisch ab 1929 die These, eine „nationale Minderheit“ müsse die Politik machen. Ab 1930 erfolgt eine erneute Radikalisierung unter der Formel „Preußischer Bolschewismus“. Es wird der vollständige Bruch mit der europäischen Zivilisation gefordert, das Christentum insgesamt wird abgelehnt. In allen Lagern horchte man auf, als Niekisch provozierend erklärte: „Wir sind keine Kommunisten, aber um der Nation willen des Kommunismus fähig.“

In dem Aufsatz „Der politische Raum deutschen Widerstands“ beleuchtet er die Lage der Weimarer Republik: „Seit 1918 treiben die Dinge in Deutschland jenem Punkt zu, auf dem die Lebensnotwendigkeiten des Staates in unversöhnlicher Gegensatz zu den Lebensnotwendigkeiten der bürgerlichen Gesellschaft treten, auf der man schlechterdings seine Wahl für den Staat oder die bürgerliche Gesellschaft zu treffen hat. Seitdem gibt es allein noch den Bürger oder den Deutschen; der deutsche Bürger wurde zu einem hoffnungslosen Widerspruch in sich. Bürgerliche deutsche Politik ist sachlich nicht mehr möglich; sie endet notwendigerweise immer wieder im bürgerlichen Verrat an Deutschland… Deutsche Politik, die den deutschen Lebensnotwendigkeiten gerecht werden will, kann nur antibürgerlich, antikapitalistisch, antiabendländisch sein; ist sie das nicht, dann spielt sie unvermeidlich immer wieder Frankreich in die Hände.“ (Frankreich ist für Niekisch das Symbol für den Niedergang des Westens). Das Bürgertum müsse hinweggefegt werden, weil es zum Herrschaftsinstrument der Versailler Ordnung über Deutschland wurde. Aus Gründen deutscher Selbsterhaltung, so der Nationalrevolutionär Niekisch, müsse man das Privateigentum ähnlich wie in Russland aufs äußerste einschränken. Die deutschen Kommunisten lehnt Niekisch ab, er wirft ihnen Moskauhörigkeit und das Fehlen einer nationalen Gesinnung vor.

Niekisch hatte lange Zeit den Aufstieg Hitlers und der NSDAP nicht ernst genommen. 1932 erscheint eine Broschüre Niekischs unter dem Titel. „Hitler – ein deutsches Verhängnis“, in der er mit dem Nationalsozialismus gnadenlos abrechnet. Niekisch wirft der NSDAP vor, sie sei zu „westlerisch“ eingestellt und orientiere sich zu sehr an dem faschistischen Italien. Dies trifft durchaus zu, so bewunderte Hitler den italienischen „Duce“ Benito Mussolini und außerdem galt Hitler als ein Bewunderer des britischen Empire. Laut Niekisch war die NSDAP auch nicht sozialistisch, sondern bürgerlich. Hitler, so Niekisch, sei ein Demagoge. Niekisch weiter: „Hitlers Sozialismus war ein Taschenspielertrick der kapitalistischen Ordnung“. Geradezu prophetisch nehmen sich die letzten Sätze der Broschüre „Hitler – ein deutsches Verhängnis“ aus, als bereits 1932 das Ende des Nationalsozialismus angekündigt wird: „Nach dem Untergang des Nationalsozialismus bleibe ein ermattetes, erschöpftes, enttäuschtes Volk zurück, das alle Hoffnung fahren lässt und müde am Sinn jener ferneren deutschen Gegenwehr verzweifelt. Die Versailler Ordnung aber wird gefestigter sein, als sie es jemals war.“ Rund um die Zeitschrift „Widerstand“ hatte Niekisch versucht, Organisationen aufzuziehen.1930/1931 baute er die „Widerstandsbewegung“ auf. Wesentliche Teile der Niekisch-Anhänger kamen vom Bund Oberland. Insgesamt hatte die „Widerstandsbewegung“ ein paar hundert Mitglieder.

Am 30. Januar 1933 kommt Hitler an die Macht. Trotz seines Widerstandes gegen Hitler kann Niekisch noch einige Zeit ungestört agieren. Erst Ende 1934 werden dann die „Widerstandsbewegung“ und die Zeitschrift „Widerstand“ verboten. Aber erst 1937 schlägt das Hitler-Regime zu, indem Niekisch und weitere 70 Personen aus dem Umfeld des Widerstand-Kreises verhaftet werden. 1939 wird er wegen „Hochverrats“ zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Im April 1945 kommt Niekisch frei. Die fast achtjährige Haftzeit hat ihn gebrochen, er war gelähmt und halb blind. Noch im Sommer 1945 schließt er sich der KPD an. Später wird er Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei (SED). 1949 wird er ordentlicher Professor an der Humboldt-Universität in Berlin und Abgeordneter in der DDR-Volkskammer. Seine Schriften aus dieser Zeit, wie das Buch „Deutsche Daseinsverfehlung“, wirken sehr vulgär-marxistisch. Das bessert sich jedoch mit späteren Büchern, die zwischen 1950 und 1953 erscheinen. Niekisch erkannte bald, dass die DDR nichts anderes darstellte als eine Kolonie der Sowjetunion. Nach dem Arbeiteraufstand in der DDR am 17. Juni 1953 brach Niekisch mit dem DDR-Regime. Er verlässt freiwillig die SED, nachdem er vor dem Kulturbund eine Rede gehalten hatte, in der er die Missstände in der DDR anprangerte: „Man könne in der DDR von einer Grundbefindlichkeit der Angst sprechen. Es sei unerträglich, wenn Menschen verhaftet werden, ohne dass ihre Angehörigen je noch etwas von den Abgeführten erfahren würden.“ Nach diesem offenen Bruch mit der DDR und der SED zieht Niekisch nach West-Berlin. An seinem 78. Geburtstag stirbt er am 23. Mai 1967 in Berlin, vergessen, verlassen und politisch unbedeutend.

Heute wird dieser eigenwillige deutsche Denker wieder entdeckt. Sebastian Haffner schrieb über Niekisch in den 80er Jahren: „Die antibürgerlichen, antikapitalistischen, antiwestlichen Revolutionsparteien der Dritten Welt tragen alle demselben Namen: FLN – auf deutsch Nationale Befreiungsfront. Die sozialistische Revolution trägt überall die nationalistische Fahne! So unwahrscheinlich es klingen mag; der wahre Theoretiker der Weltrevolution, die heute im Gange ist, ist nicht Marx und nicht einmal Lenin. Es ist Niekisch.“

Jürgen Hatzenbichler schreibt in seinem Buch “ Querdenker –Konservative Revolutionäre“ über Ernst Niekisch: „Seine Gedanken bleiben intellektuell anregend und interessant. Die Radikalität mit der er daran ging, Nationalismus und Sozialismus miteinander zu verbinden, war wohl einmalig. Vor allem erkannte er früh, welche Rolle der Begriff des Westens spielt, und dass Deutschland sich davon abkoppeln muss, dass der natürliche deutsche Partner der Osten ist.“

Gerade in der heutigen Zeit kann Ernst Niekisch wieder ein Vorbild sein für die revolutionäre deutsche Jugend, die heute mehr den je gegen die westliche Vorherrschaft, angeführt durch die USA und den menschenverachtenden Kapitalismus, um die Existenz und die Freiheit des deutschen Volkes kämpfen muss. Die folgenden Worte von Ernst Niekisch sollten dabei der Leitfaden sein für die neue revolutionäre Jugend: „Entweder wir sind ein revolutionäres Volk oder wir werden im Sumpf ersticken und endgültig aufhören, ein freies Volk zu sein.“

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