Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Jugend und Kapitalismus

Von: Jonas Lesser
Aus: „Von deutscher Jugend“, Berlin 1932

Horcht man überall genau herum, so ergibt sich unzweideutig, dass alle Jugend gegen den Kapitalismus ist, dass aus den Reihen der Jugend sich fast keine Stimme für ihn erhebt.

Die Jugend verhöhnt die unverfrorene Behauptung, dass das freie Spiel der Kräfte (das freie Spiel aller möglichen Egoismen) alles in der Welt der Wirtschaft am besten regle. Welch eine Heuchelei!, sagt sie nahezu einstimmig.

Ein Wirtschaftssystem, in dem der einzelne Unternehmer nur dann Menschen ins Boot setzt, wenn ihre Arbeit sich ihm rentiert, ihm einen bestimmten Gewinn einträgt, und sie dann wieder auf die Gasse wirft, wenn ihm aus ihrer Arbeit kein Gewinn erwächst; ein Wirtschaftssystem, in dem auf der einen Seite unverkäufliche Waren lagern und vernichtet werden, auf der anderen Millionen Arbeitsloser stehen, die diese Waren brauchen, aber nicht kaufen können: Ein solches Wirtschaftssystem ist in den Augen der Jugend gerichtet. Denn es ist aller Jugend eine Selbstverständlichkeit, dass die Wirtschaft nicht dazu da ist, damit Unternehmer Geld machen, sondern damit ein Volk lebe. Die geistige Jugend weiß auch, dass das kapitalistische Geld allen Geist relativiert hat, weil es allmächtiger Selbstzweck geworden ist, dass es aus allen Werten Waren gemacht hat, dass Religion, Geist und Kunst von ihm korrumpiert worden sind, so dass sie aufgehört haben, als Grundmächte des Lebens zu wirken und als solche angesehen zu werden.


Alle Jugend hat begriffen, dass es so wie bis jetzt keinesfalls weitergehen kann. Wenn viele aus der alten Generation und zumal die gewalttätigsten der Erwerbsriesen von Gesetzen der Wirtschaft reden, so erklärt die Jugend das für ein schnödes und menschenunwürdiges Gerede, das ja so klinge, als wäre die Wirtschaft der Herr und der Mensch, die Seele bloß ein Knecht der Wirtschaft. Und wenn neuerdings Wirtschaftsführer Jugend zu Aussprachen über diese Frage einladen, so stoßen sie nicht auf viel Begeisterung und Verständnis bei ihr.

Der ganze groteske Aufbau der Weltmaschinerie hat sich heiß gelaufen – dieser Satz kehrt in unzähligen Variationen in den Äußerungen der Jugend wieder, und mag er einmal ruhiger, einmal leidenschaftlicher klingen, mit zwingender Gewalt hat es sich in die Gewissen der Jugend gedrängt: Man muss sich für das neue Weltrecht der sozialen Gemeinschaft entscheiden. Über alle Lager hinweg wird ein Wirtschaftssozialismus verlangt, der die Ungerechtigkeit der sozialen Ordnung beseitigt.

Heiligkeit des Privateigentums? Da lacht die Jugend: Was weiß einer davon, was heilig ist, wenn er das Privateigentum zu den Heiligtümern der Menschheit rechnet! Nur verhärtete und entartete Bourgeois, denen nichts heilig ist, sprechen so, und eine Kirche, die sich von dem wahren Geist des Christentums entfernt hat, deduziert aus dem Evangelium die Heiligkeit des Privateigentums. Sozialismus ist keine Frage, sagt die junge Generation, sondern eine Aufgabe. Und sie will das Alte, Morsche, Menschenfeindliche austilgen – viele fügen hinzu: Auch wenn es zunächst ein Chaos gibt, es wird dann besser werden…

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