Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Sozialismus

Von Gustav Sondermann, aus: „Das Dritte Reich“, 15. Januar 1928

Es sollte eigentlich auch in den nationalen Kreisen nicht mehr anstößig sein, heute vom Sozialismus zu sprechen, wenn man bedenkt, was Bismarck am 15.3.1884 über den Sozialismus gesagt hat, als er von dem Wortführer der liberalen Bürger namens Bamberger anlässlich des Kampfes um die Sozialversicherung des „Sozialismus“ bezichtigt wurde. Die Antwort Bismarcks lautete darauf: „Wenn man mir dagegen sagt, das ist Sozialismus, so scheue ich das gar nicht. Es fragt sich, wo liegt die erlaubte Grenze des Staatssozialismus? Ohne einen solchen können wir überhaupt nicht wirtschaften…War nicht z.B. auch die Stein-Hardenbergsche Gesetzgebung gloriosen Angedenkens, an deren staatsrechtlichen Berechtigung, an deren Zweckmäßigkeit heutzutage niemand mehr zweifeln wird, staatssozialistisch? Wer den Staatssozialismus als solchen vollständig verwirft, muss auch die Stein-Hardenbergsche Gesetzgebung verwerfen, der muss überhaupt dem Staate das Recht absprechen, da, wo sich Gesetz und Recht zu einer Kette und zu einem Zwang, der unsere freie Atmung hindert, verbinden, mit dem Messer des Operateurs einzuschneiden und neue und gesunde Zustände herzustellen.“

Man sollte meinen, dass sich die zahlreichen Verehrer Bismarcks, die es heute immer noch unter den
Nationalen gibt, nach solchen Worten an den Begriff des Sozialismus gewöhnt haben. Aber nein – die
Gänsehaut überläuft sie auch heute noch bei diesem Worte und wenn gar von ihren Bonzen vom „kalten“ Sozialismus gesprochen wird, so bleibt ihnen der Atem weg, und sie geloben, dieses kalte Untier bei der nächsten (Wahl-) Gelegenheit mit dem Stimmzettel ganz – kalt zu machen.

Ein Grund für diese Merkwürdigkeit ist sicher zunächst in der Geistesverfassung des Normalbürgers zu suchen, der das Neue, Unbekannte scheut und an alten Vorurteilen wie an teuren Kleinodien hängt. Aus dem schlechten Gewissen seiner inneren Unsicherheit und der Angst eigener Überlebtheit lehnt er stur und borniert jede Idee, die über ihn hinaus weist, ab und Unwahrhaftigkeit wird ihm zur gangbaren Waffe im Kampfe um seine Erhaltung. Der zweite nächstwichtige Grund, warum die Idee des Sozialismus immer noch so viele Feinde hat, sind aber sicher – die Sozialisten selbst, d.h. diejenigen Leute, die sich als die wahren Propheten des Sozialismus ausgeben, die Führer der Linkssozialisten. Denn die Art von Sozialismus, den diese Leute vertreten, ist von einem solchen Tiefstand, dass man keinen Hund mehr damit hinter dem Ofen hervorlocken kann. Will man den Geisteszustand dieser Leute schildern, so muss man wörtlich wiederholen, was gerade über den des Normalbürgers geschrieben wurde: Aus dem schlechten Gewissen seiner eigenen Unsicherheit und der Angst eigener Überlebtheit lehnt er stur und borniert jede Idee, die über ihn hinausweist, ab und Unwahrhaftigkeit wird ihm zur gangbaren Waffe im Kampf um seine Erhaltung. Keine Lüge ist ihnen zu schmutzig, um sie nicht skrupellos zu verwerten und jeden Harlekinsspaß modeln sie um zu schamloser Verleumdung. (…) Solcher Gesinnung gegenüber eine Versicherung über unsere
Anschauungen in Fragen der Staatsform abzugeben, hieße (abgesehen von der völligen Wirkungslosigkeit) sich allerhand vergeben. Mögen diese ewig Gestrigen ihr monotones Geplärre weiter betreiben!

Sie könnten es schon nicht anders aus Furcht vor ihren belogenen und verführten Anhängern. Sie können aber auch nicht anders aus ihrer ganzen Geistesverfassung heraus. Erfordert schon eine zukunftsschaffende Idee wie die des Sozialismus Beweglichkeit des Geistes und Wachstumsfähigkeit der Erkenntnisse, so verlangt dies doppelt die Aufgewühltheit und stete Veränderung der heutigen Dinge.

Wer heute angesichts der grundsätzlichen Wandlungen als sogenannter Führer die gleichen Phrasen
weiterdrischt, die er vor Jahren abgeleiert hat, ist ein armer Narr, der hinter dem Leben einherhinkt,
oder ein Spitzbube, der sich mit der Wahrheit nicht heraustraut. Es wäre unerwünscht, wenn diese „Sozialisten“ mit ihrem „Monarchisten- und Arbeiterschacher“-Gequake aufhören würden – sie würden
damit ihre eigene Geistesverfassung verhüllen.

Welch abenteuerliche Anmaßung aber ferner darin liegt, dass diese Leute sich heute noch „Sozialisten“ nennen, erhellt der Gedanke, dass wahrer Sozialismus sich aufbaut: auf dem Willen zur Gemeinschaft, zur staatlichen Macht und der Treue zu den sich ihm vertrauenden Menschen.

Wie? Liefern nicht jene Missgewachsenen das gesamte Arbeitertum mit täglichem Verrat an das Messer des westlichen Kapitalismus? Sind sie nicht die begeisterten Verfechter des Dawesplanes gewesen? Ist ihnen nicht die Not des Arbeiters billige Gelegenheit, ihre eigene Person in kleinbürgerlicher Eitelkeit zur Schau zu stellen und sich zu sättigen vom Abfall, den die aus dem Arbeiter geschundene Rente ihnen gewährt?

Gemeinschaft? Wie sollten diese Nachläufer liberaler Bürgerlichkeit davon etwas wissen? Nicht einmal in ihren eigenen Reihen! Ist ein Mann unter ihnen, der etwas über diesen unterdurchschnittlichen Durchschnitt herausragt – flugs den Kopf ab, damit er nicht störe! Bekommen sie doch Blutkrämpfe bei dem Gedanken, dass ihr eigener Genosse Noske einen Sitz im Reichstag bekommen könnte! Es lebe die Solidarität des unterdurchschnittlichen Durchschnittes! Und wenn sich drüben über dem Rhein die Elsässer um ihre einfachsten Freiheitsrechte rühren, so versucht die „Chemnitzer Volksstimme“ ihre Leser davon zu überzeugen, dass gar nichts weiter dabei sei, wenn die Franzosen den Elsässern den Poiloustiefel aufs Genick setzen. Freilich – die Franzosen waren von je das Idol der deutschen Spießbürger!

Feine – „Sozialisten“!

Und Wille zur staatlichen Macht? Staat und Macht – zwei Begriffe, vor denen jeher der Spießer das
Gruseln bekommen hat. Einen Nachtwächterstaat möchten sie, in dem sie in Ruhe sich auf dem Throne ihrer eitlen Selbstgefälligkeit räkeln können! Reichswehr? Ja, freilich, hat sich was! Die muss parteipolitisch zersetzt werden, damit sie nicht mehr als der letzte Kern eines staatlichen Machtbegriffes vorhanden ist! Panzerschiffe? Fort damit! Sie könnten daran erinnern, dass Deutschland vielleicht doch noch mehr sein will als der ohnmachtssüchtige Liebediener des internationalen Kapitals.

Winnig sagt mit Recht: „Es gibt heute in Deutschland nur eine reaktionäre Gefahr: Das ist die Entmannung des politischen Geistes, das ist der Wille zur Unterwürfigkeit, das ist der Kampf gegen den Freiheitsdrang eines geknechteten Volkes.“

Und diese reaktionäre Gefahr hat ihren Hauptsitz in der Geistesverfassung des Spießbürgers, mag er
sich nun mit nationalen oder mit „sozialistischen“ Federn verkleiden. Eine Maskerade bleibt es immer,
aus der schlotternd und kümmerlich genug das Bürgerlein herausschaut. Hätten sich diese „Sozialisten“ noch ein bisschen Erkenntnisfähigkeit dem Wandel der Dinge gegenüber bewahrt, dann würden sie zu ihrem eigenen Schrecken bemerken, dass sie heute in einer Front stehen mit der ganzen Reaktion, wo sie sich auch heute findet. Wenn es je notwendig war, den Ruf nach der neuen Front ins deutsche Volk hinauszuschleudern, dann angesichts dieser sich rot habenden Reaktion, die nichts mehr zu tun hat mit dem Sozialismus.

Es muss uns Oberländern dankbare Freude sein zu erkennen, wie die Dinge sich zu klären beginnen –
Freude und Ansporn. Wir sind auf dem Wege zur neuen Front – wir und von allen Seiten her Freunde
und Kameraden. Und das Losungswort, das wir uns durch die Nacht der Reaktion zurufen, lautet: Sozialismus.

Die deutschen Arbeiter werden sich nicht mehr abfinden lassen von einer missgewachsenen roten Reaktion mit Bettelpfennigen und leeren Versprechungen. Auch in ihnen dämmert die Erkenntnis, dass Sozialismus nicht Herrschaft üblen Bonzentums bedeutet, sondern dass Sozialismus die geistige und sittliche Grundhaltung eines neuen Menschentums ist, die niemand besser deuten konnte als Winnig in seinen Worten: „Soll der Sozialismus jemals die neue Lebensform der Völker werden, so kann er nicht von den Dingen, sondern nur von den Menschen kommen. Sozialismus ist mehr als eine neue Eigentumsordnung. Er ist eine neue Lebensform, eine neue innere und äußere Lebenshaltung. Er ist eine aus einem neuen Wertempfinden gestaltete Welt. Der Gestalter aber ist der Mensch, ist der lebendige menschliche Wille. Soll der Sozialismus Wirklichkeit werden, so muss erst der sozialistische Mensch Wirklichkeit sein. Nicht die Dinge formen den Menschen, sondern der Mensch formt die Dinge. Die Aufgabe der Sozialisten ist es, den sozialistischen Menschen zu schaffen: der Mensch, der die Verbundenheit über alles stellt, dem die Gemeinschaft der höchste Wert ist, der in der Einordnung und Unterordnung unter das Lebensgesetz der Gemeinschaft die höchste Pflicht erkennt – das ist der sozialistische Mensch. Noch ist er nicht da – er soll erst noch kommen, soll erst geschaffen, gezüchtet werden von der Kraft der sozialistischen Idee.“

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