Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Die Revolution als Ding an sich

Joseph Goebbels

Von Joseph Goebbels.

Mein Freund und liebster Genosse!

Jedesmal wenn es mir inmitten all dem Lärm und Getöse des sogenannten öffentlichen Lebens unerträglich wurde, dann fand Herz und Wort gerne den lieben Weg zu Dir. Auch diesmal. Gott verzeih mir, ich bin keiner von denen, die ihr Leben verklagen. Anklage ist mein Amt und Geschäft. Heute kann ich es nicht aus vollem Herzen heraus. Es gibt Unwägbarkeiten, gerade unter Freunden und Kampfgenossen, die auch mir heilig und unantastbar sind. Ich nehme Dich denn heute als vermittelndes Medium meiner Anklage. Mache Dich also gefasst!

Man spricht in Literaten- und Politikerkreisen gerne von der „sauren Gurkenzeit“ und meint damit jene Sommermonate, in denen eine allgütige Sonne dem Dutzendmenschen das sonst zu den tollsten und überflüssigsten Capriolen neigende Gehirnschmalz aus den Kammern des Verstandes siedet, in denen deshalb das, was man so mit eigentümlichen Kitzeln Geist, Bildung, Kunst, Wissenschaft und öffentliches Leben – Surrogate besagten Gehirnschmalzes – nennt, ruht und die zoologische Spezies „homo sapiens“ sich einem beschaulichen Nichtstun mit Würde und Gelassenheit überantwortet. Wir haben diese Zeit nun gerade hinter uns. Es sind dieselben Monate, in denen die geistig Enterbten, die Zurückgebliebenen, jene, denen selbst das Existenzminimum an Schmalz fehlt, gerne ihr kleines nagendes Handwerk mit Fleiß und bescheidener Ausdauer versehen, das Handwerk der Zersetzung, der Schmälerung, der Verkitschung und des Niederbruchs.

Es gibt Menschen – es sind gewöhnlich dieselben, die mit feiner Nase geistige Kurven wittern. Weiber der Politik und Blaustrümpfe in Männerhosen – denen die Natur bei der Geburt anscheinend das Recht gab, das zu zerstören, was andere aufgebaut haben, die mit souveräner Sicherheit das niederpalavern und zerschwätzen, was aus dem Opfer und der Leidenschaftlichkeit der Fanatiker geboren wurde. Knödelfresser des Geistes und des Bauches, denen nichts heilig ist, als ihr Mundwerk und was dort hineingesteckt wird. Die saure Gurkenzeit ist ihre Zeit. Da waren sie auch diesmal bei uns am Werke. Gib acht! Mein Damaskus! Das ist der neueste Schlager der Ratten unter uns. In ein paar Worten: ich habe meinen ehemals so reinen Radikalismus – dass er rein war, merken die Ratten erst, wenn er nicht mehr rein ist – sang- und klanglos begraben, mich in das Lager der Zahmen und Lauen hinübergerettet, mithin sei auch alles, was ich bisher sagte und schrieb, eitel Lug und Trug gewesen, ich sei ein Kathedersozialist und was noch schlimmer sei, ein Kathederrevolutionär, die Revolution sei bei mir nicht Natur, sondern billige Phrase. Er war einmal ein Sozialist, er ist es nicht mehr, wird mit leiderfülltem Blick konstatiert. Eine Hoffnung weniger. Wir werden einsam! Prosit!

Siehst Du, mein Freund, da stehst Du machtlos vor Dummheit und Bosheit. Da gibt’s keine Rettung mehr, da musst du, in die Defensive gedrängt, die Offensive ergreifen, da musst Du abrechnen, da kannst Du nicht mehr wie die Katze um den heißen Brei gehen, da gibt’s nur eine Parole: die Dinge beim Namen nennen, den Schwätzer, den Zersetzer, den Blaustrumpf, den Sozialist im Seidenhemd, den Revolutionär im Klubsessel verknöpfen und ihm in alter erfrischender Rücksichtslosigkeit die Maske vom Gesicht reißen. Hier sei´s getan!

Was nennt Ihr Herren Geist der Revolution? Wenn Ihr in verschwiegenen Abendzirkeln Pläne ausbrütet, während die anderen, die „Trommler“ vor den Roten stehen und sich Seele und Lunge wund reden? Ihr sprecht so viel von Sozialismus, von wahrem, echtem, unverfälschtem Sozialismus, von jenem Sozialismus, der allen durch Euch als Instrumente Deutschland befreien kann. Was ist das? Definiert mir das einmal näher. Sprecht einmal nicht von Gesinnung, sondern von Realitäten. Gesinnung gibt’s bei uns in Hülle und Fülle. Gesinnung haben auch die anderen. Darauf brauchen wir uns weiß Gott nichts einzubilden. Aber sooft ich mit Euch zusammensaß, gings über die Gesinnung nur selten hinaus. Und diese Gesinnung ist ein unerbittlicher Tyrann. Da zählt man an den fünf Fingern ab, wer gleicher „Gesinnung“ ist, und alles andere ist Kroppzeug, Spreu, konzentrierte Dummheit und Arroganz. Und das Erschütternde: in jedem Kreis und Zirkel lebt eine andere Gesinnung, und zwar mit einer Ausschließlichkeit, die zum Lachen und zum Weinen ist. Nur eins vernehme ich nie bei Euch: was Ihr denn eigentlich wollt! Ihr lasst die anderen sich bloßstellen, Ihr lasst die anderen tasten, suchen, sich die Finger verbrennen und ein blaues Auge holen. Ihr aber schweigt. In olympischer Unnahbarkeit thront Ihr in ewigen Festen an goldenen Tischen. Revolution! Das ist die Parole. Gut! Da bin ich immer dabei! Wogegen? Da schon fängt es an zu hapern. Aber immerhin, nach langen Debatten kommen wir hier wohl zur Einigung. Revolution! Wohin? Schluss! Punkt! Aus!

Das ist ein Reaktionär! Der will die Revolution und danach noch etwas Anderes! Die Revolution duldet nichts nach sich. Die Revolution, der Sozialismus ist etwas Absolutes, ein Ding an sich!

Herrschaften! Herrschaften! Wenn Ihr geglaubt habt, dass ich für diesen aufgelegten Schwindel zu haben sei, dann werft mir bitte kein Kanossa mehr vor. Diesen Irrtum habe ich nie mitgemacht und werde ich nie mitmachen. Für mich ist der Staat und das Volk eine zu ernste Angelegenheit, als dass ich von politischen Literaten in dieser lächerlichen Weise Schindluder damit treiben ließe. Für mich war die Revolution immer nur eine Etappe, die zwar notwendig und unvermeidlich war, die aber nicht für sich selbst, sondern in ihrem Verhältnis zur Zukunft geschichtlichen Wert hatte. Jetzt erkenne ich Euch: Ihr seid jene Revolutionäre des großen Maulwerks, die das Ding an sich wollen. Für die die Revolution die Einleitung zu jenem Chaos draußen ist, das am ehesten ihrem inneren Chaos entspricht. Euch ist Revolution der Beginn der Auflösung, der erste Schritt zum Untergang. Mit sadistischer Wollust weidet Ihr Euch an den beginnenden Qualen einer zusammenbrechenden Welt, über deren Entgötterung Ihr einst thronen werdet als die Inkarnation ewiger Zerstörung.

Das war von mir nie gemeint. Für mich war und ist die Revolution ein weiterbildendes Element der Geschichte. Sie ist nichts Absolutes, sondern etwas durchaus Relatives, relativ in Bezug auf den Willen des Revolutionärs, relativ in Bezug auf die Zukunft des gestaltenden Volkes. Revolution ist im tiefsten Grunde aufbauend. Sie ist in ihrer leidvollen Gegenwart gegen, in ihrer strahlenden Zukunft für die Gemeinschaft getan. Revolutionen werden gemacht, um darüber hinauszukommen. Eine Revolution ist die Angelegenheit einer unterdrückten Klasse, sie wird nicht von ihr für die Klasse, sondern für das Volk gewonnen. Sie schafft eine neue Form des Zusammenlebens, und die gestern Empörer waren, werden morgen Erhalter sein. Darum ist die Revolution, wenn sie echt ist und wahrhaftig geführt und durchgebissen wird, ewig sozialistisch, d.h. gemeinschaftbildend. Nicht Menschen machen Revolutionen, sondern revolutionäre Bedingungen treiben Menschen zur Empörung. Revolution aus Lust am Chaos macht nur der Mob und der Literat. Der politische Mensch sieht in der Revolution immer nur eine Etappe zum Neubau. Deshalb wird er selbst noch als Empörer eine geschlossene Haltung bewahren. Das ist jene Haltung der Disziplin und Verantwortlichkeit, der Bindung an die tieferen Kräfte der Zukunft, die auch uns entscheidend knüpfen an das, was wir wollen und was unsere große Aufgabe ist.

Im Verlauf der großen geschichtlichen Epochen geht die Linie der Entwicklung nach oben und nach unten. Nach oben geht der Aufbau, nach unten stürzt der Zusammenbruch. In diese Linie ist der Mensch gestellt. Setzt ihn das Schicksal in die Entwicklung nach oben, dann wird er bauen, setzt es ihn in die Entwicklung nach unten, dann wird er zerstören müssen. Aber immer wird er der bejahende, schöpferische, gestaltende Mensch sein. Und gegen ihn wird ebenso ewig das Prinzip des Bösen kämpfen, der Mensch der Zersetzung und des Verfalls. Er wird im Gestalten Empörer und in der Zerstörung Zersetzer und Revolutionär als Ding an sich sein und bleiben.

Wir aber werden zerstören müssen, um Raum zum Bauen zu schaffen. Wir werden Revolutionäre sein müssen, um Staatsmänner werden zu können. Wir werden den Liberalismus zerschlagen müssen, um den Sozialismus zu vollenden.

Das ist der Sinn unserer Revolution und unserer geschichtlichen Sendung. Über den zerstörenden Trieb der Gegenwart durch Zertrümmerung eben dieser Gegenwart einem neuen Reich den Weg zu bahnen, die Gasse frei zu machen für eine andere Zukunft, indem wir das vor uns Geschaffene und vielleicht uns selbst zum Opfer bringen, das ist unsere Aufgabe.

Deshalb heran Ihr Revolutionäre! Füllt unsere Reihen. Je eher Ihr bei uns steht, desto früher wird das Reich kommen. Je stärker Ihr die Revolution wollt, um so eher werden wir sie überwinden können! Es geht nicht um ein Ding an sich. Es geht um Deutschland und nur um Deutschland. Die Revolution ist keine literarische Angelegenheit verfaulter Snobs, sondern eine realpolitische Etappe zum Sozialismus. Der Sozialismus ist keine Ideologie verschrobener Gehirnkünstler und müder Seelenakrobaten, sondern die Idee der Gegenwart und die harte Realität der Zukunft. Er wird uns kein Himmelsreich auf Erden bescheren, sondern „nur“ den Weg zeigen zu Freiheit und Brot.

Klügelt nicht aus, was über den Horizont des real Erreichbaren hinausgeht! Versprecht nicht, was Ihr nicht halten könnt! Glaubt nicht an ein Paradies der Zukunft, sondern „nur“ an eine Aufgabe, für die es sich zu leben verlohnt! Werdet Realisten der Revolution, damit Ihr einst Realisten der Politik werden könnt. Sprecht nicht soviel von der Idee und glaubt nicht, dass Ihr allein Nährväter und Gralshüter dieser Idee seid! Was ich bisher von Euch hörte, war gut gemeint und von anständigem Wollen diktiert. Das war aber auch alles. Darum lernt und vertraut! Und glaubt an den Sieg der Idee.

Dann ist es kein Damaskus, wenn wir geschlossen hinter ihrem Führer stehen; dann beugen wir uns nicht vor ihm aus byzantinischem Zwang, weil er es befahl und wir mussten gehorchen. Dann beugen wir uns vor ihm mit jenem alten Männerstolz vor Königsthronen, mit jenem Gefühl der Sicherheit, dass er mehr ist als Du und ich, mit jener beruhigenden Gewissheit, dass er Männer gebraucht und Männer bestehen lässt.

Dass auch er nur ein Instrument ist jenes göttlichen Willens, der die Geschichte gestaltet, der Revolutionen schickt, dass sie neue Welten gebären, und Welten baut, dass sie einst im Strudel neuer Schöpferlust zerbrechen.

Zu dem sind auch wir Werkzeug. Und weil das Geschichte ist, sind wir Instrumente jenes gestaltenden Willens der Zukunft.

Da gibt es kein Ding an sich außer Gott.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: