Arbeitertum

Für eine klassenlose Gesellschaft | Gegen die imperiale Weltordnung | Für Volkstümlichkeit und Tradition

Der proletarische Deutsche

Bodo Uhse

Es ist eine Lüge, wenn man behauptet – und das wird oft in konservativ-revolutionären Kreisen getan – dass die große Aufmerksamkeit, die dem deutschen Arbeitertum sich zuwendet, Zeichen sei für ein demokratisches Absinken, für eine Verflachung des Niveaus, Zeichen für die Schwäche. Man sei – so sagt diese Lüge – nicht mehr der Begeisterung des Hohen und Edlen fähig und suche sich daher im Hafen allgemeiner Gleichheit zu retten.

Das Streben in die Höhe fehle, darum suche man in der Niedrigkeit Schutz.


Diese Auffassung ist nicht nur platt und oberflächlich, sie ist auch dumm. Sie nimmt ihre Vergleiche aus einer Rangtafel des Menschentums, die für den ernsthaften Menschen heute wirklich nicht mehr in Gebrauch sein sollte, zumal doch bekannt ist, dass zum Beweis der Marxschen Theorie des Klassenkampfes die Tatsache des bürgerlichen Kampfes gegen die andere Klasse Wesentliches beigetragen hat.

Außerdem aber verrät die Ansicht, dass das sachliche und persönliche Bekenntnis zum deutschen Arbeitertum ein Verrat am ‚Ideale‘ der Volksgemeinschaft sei, eine solche Unkenntnis zum deutschen

Proletariat, das – wie man doch wird zugeben müssen – ein sehr beachtenswerter Teil der deutschen

Volksgemeinschaft ist, dass es besser ist für die Träger diese Ansicht, sie geben die Beschäftigung mit der Politik auf, da ihre kleingläubige Seelen der großen Flut zur deutschen Freiheit, die aus dem

schwachen Quell von heut dereinst entspringen soll, nur ärgerliche Hindernisse sein können.

Wer um die deutsche Freiheit sinnt, der kann am deutschen Proletarier nicht mit blinden Augen vorbeigehen. Er ist im Gegenteil gezwungen, seine Augen auf ihn zu richten und wenn sein Freiheitswille ehrlich ist, d.h. wenn es ihm gleichgültig und unbeachtenswert ist, unter welchen Formen und Fahnen die Freiheit gewonnen werden soll, wenn er also alle Vorurteile und Gedankenhemmnisse überkommener Begriffe wegwirft, dann wird er den deutschen Proletarier sehen, achten und lieben lernen. Zunächst ist es nötig, sich einmal des durchaus bürgerlichen Begriffes der ‚Klasse‘ zu entledigen. August Winnig, der deutsche Arbeiter, schob ihn hinweg und enthüllte seine Ärmlichkeit, als er der Schicht des deutschen Arbeitertums nicht nur eine äußerliche und oberflächliche Deutung gab, sondern ihren hohen Sinn in ihren seelischen Kräften, in der Stärke der Herzen, der Unbeirrbarkeit ihres Glaubens offenbarte. Nicht Bürger, sondern wahrhaft marxistischer Bourgeois ist, wer den Unterschied zwischen den Begriffen der Klasse und der Schicht nicht zu sehen vermag. Der materialistische Begriff der Klasse erfasst ja nur einen Teil, nur eine Seite des deutschen Arbeitertums, während die Schicht das deutsche Arbeitertum auch in seinen immateriellen Kräften umfasst. Nicht dialektische Schablone, sondern lebendige Kraft, das ist der Unterschied zwischen Klasse und Schicht. Wer aber diesen Unterschied kennt – und der Weg zu dieser Erkenntnis ist offen für alle, die guten Willens sind – der wird nicht ‚hinabsinken in die Masse‘, sondern er wird die lebendige Kraft des deutschen Arbeitertums aufsuchen.

Nichts Schöneres aber gibt es wohl, als sie aufzufinden, ihre Äußerungen wahrzunehmen. Für viele

bürgerliche Menschen wird ein solches Erlebnis erstaunlich und eine Wende sein. Sich dieses Erlebnis zu erringen ist nicht schwer. Die Kraft des deutschen Arbeitertums verkörpert sich in seinen einzelnen Vertretern, in dem, was man den ‚strebenden Proleten‘ nennt. Dieser Ausdruck ist dürftig gegenüber der prachtvollen Wirklichkeit, die sich hinter ihm verbirgt. Der proletarische Deutsche steht mitten im Leben, mitten in all seinen Erbärmlichkeiten und Nöten, mitten in seiner schmerzensreichen Liebe mit einer solchen herzlichen Menschlichkeit, die töricht im tiefsten und innigsten Sinne dieses Wortes ist.

Die harten und schwieligen Hände hat er von seinem mühevollen Tagewerk; woher hat er die fröhliche

Sentimentalität seines Herzens, woher die brennende Liebe zu allem Guten und Edlen und Schönen?

Woher kommt dem ‚Materialisten‘ die stürmische Begeisterungsfähigkeit? Woher der Opfermut bis

zum Tode für eine Idee? Um Ideen ringt er, für Ideale begeistert er sich und nicht nur das, er steht für

sie ein und ist immer bereit, seine Existenz für sie einzusetzen. Wie er seine wenigen Stunden der Ruhe opfert, um zu lernen – nicht des Wissens halber, sondern um der Idee willen – nein, nicht um der Idee willen, sondern einzig und allein darum, um der Gemeinschaft besser noch helfen, für sie besser noch streiten zu können mit geistigen Waffen gegen die Waffe des Kapitalismus, gegen das Geld.

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